Überzeugungsarbeit für eine neue Friedensbewegung

Überzeugungsarbeit für eine neue Friedensbewegung

Hetze gegen Ostermärsche zurückgewiesen, aber auch kleinbürgerlichen Pazifismus kritisiert

"Den Ukraine-Krieg beenden! Eskalationsspirale durchbrechen – Atom- und Hochrüstung stoppen – Klima schützen!“ Hinter diesem Leittransparent demonstrierten bei herrlichem Frühlingswetter am Ostersamstag gut 1000 Menschen beim Ostermarsch in Düsseldorf.

Korrespondenz

Gleich bei der Begrüßung wurde der internationale Charakter betont, als dazu aufgerufen wurde, möglichst keine Ukraine-Fahnen zu tragen. An der Demonstration beteiligten sich zahlreiche Kräfte aus der Friedensbewegung: DFG-VK, VVN, Linkspartei, DKP und ein Block des Internationalistischen Bündnisses mit ca. 50 Teilnehmern. Das neue Transparent wirkte sehr anziehend; im Block war die MLPD mit ihren Fahnen sichtbar und hörbar vertreten: Als einzige Kraft auf der Demonstration sorgte sie mit einem offenen Mikrofon für die Aufklärung der Passanten und eine lebendige Diskussion über verschiedene Gesichtspunkte des diesjährigen Friedenskampfs.

 

Leider war die Jugend bei der ganzen Demonstration sehr wenig vertreten. Auch von den Gewerkschaften und Betrieben waren bis auf eine IG-Metall- und eine IGBCE-Fahne nur ver.di-Leute zu sehen, deren Personalratsvorsitzender der Uni-Klinik auch eine kämpferische Rede hielt. Die verschiedenen Redner verurteilten einhellig den russischen Überfall. Sie betonten, dass er auch durch die NATO-Osterweiterung und weitere NATO-Provokationen durch nichts zu rechtfertigen sei. Joachim Schramm von der DFG-VK räumte ein: "Auch die Friedensbewegung hat Fehler gemacht, auch wir haben Entwicklungen falsch eingeschätzt." Das ist keine echte Selbstkritik. Die Führer der Friedensbewegung aus der DKP und Teilen der Linkspartei, die den imperialistischen Charakter von Russland leugneten und es als Friedensmacht propagiert haben, haben der Friedensbewegung die Zähne gezogen.

 

Die massiven Militarisierungspläne der Bundesregierung wurden in allen Reden und auf zahlreichen Schildern empört abgelehnt. Ebenso Waffenlieferungen an die Ukraine. Stattdessen wurden mehr Gelder für Soziales, Umwelt, Gesundheit, Bildung, Flüchtlinge usw. gefordert. Zu einem Zwischenfall kam es durch eine kleine aggressive reaktionäre Gruppe: Sie versuchten mit einer NATO-Fahne, Deutschland- und Ukraine-Flaggen und einem Transparent "Free Europe from Nazi-Putin" Zu stören. Sie wurden aber mit „NATO raus!“-Rufen verjagt.

 

Allen offiziellen Rednern und der Mehrzahl der Schilder gemeinsam war der kleinbürgerliche Pazifismus der alten Friedensbewegung mit den illusionären Forderungen, durch friedlichen Handel, Verhandlungen, Diplomatie, Abrüstung und Entspannung zu einem friedlichen Europa beitragen zu können. Verschiedene Redner der MLPD am offenen Mikrofon bei der Demonstration sowie die Unterschriftensammler für die neue Friedensbewegung und den Aufbau von Widerstandskomitees machten dagegen eine geduldige Überzeugungsarbeit gegenüber friedliebenden Menschen, die (noch) pazifistische Illusionen haben. Der imperialistische Krieg von beiden Seiten ist nur die Fortsetzung einer imperialistischen Politik mit anderen Mitteln. Um den Krieg zu verhindern, muss der Imperialismus selbst und der Hauptfeind im eigenen Lande angegriffen und letztlich durch die vereinigten sozialistischen Staaten der Welt überwunden werden. Hoffnungen in einen friedlichen "entspannten" Imperialismus sind illusionär.

 

Verschiedene Medien hetzten im Vorfeld gegen den Ostermarsch und versuchten, ihn als „aus der Zeit gefallen“ lächerlich zu machen. Habecks Spruch direkt vor dem Ostermarsch, "Pazifismus ist derzeit ein ferner Traum", wurde von der Presse begierig aufgegriffen. ARD-Reporter befragten zahlreiche Ostermarschierer suggestiv in der reaktionären Richtung, ob der Ostermarsch nicht heutzutage völlig verfehlt wäre, weil heute Waffen an die Ukraine die einzige Lösung wären.

 

Alle in der „Aktuellen Stunde“ des WDR gesendeten Antworten ließen sich davon nicht beeinflussen. Auch ein Genosse der MLPD kam dabei als erster zu Wort: Er wies die Provokation von Graf Lambsdorff, dass die Ostermarschierer die fünfte Kolonne Putins seien, entschieden zurück und betonte, dass sich der Ostermarsch ausdrücklich gegen die Aggression sowohl von Russland als auch von der NATO richte.

 

https://www1.wdr.de/fernsehen/aktuelle-stunde/alle-videos/video-ostermaersche-gegen-den-krieg-100.html