Ostermarsch Hamburg

Ostermarsch Hamburg

Entfaltete Auseinandersetzung über den Weg der Friedensbewegung

In Hamburg findet der Ostermarsch traditionell am Montag statt.

Von einem Korrespondenten
Entfaltete Auseinandersetzung über den Weg der Friedensbewegung
Ostermarsch in Hamburg (rf-foto)

Diesmal hatten sich die Organisatoren den Spielbudenplatz in St. Pauli ausgesucht und eine Demonstration durch hafennahe Wohngebiete organisiert. Die Abschlusskundgebung fand auf dem Fischmarkt statt. Das hatte durchaus seine Berechtigung gegenüber einem der offensichtlichsten Rüstungsbetriebe: Der Werft Blohm + Voss. Sie ist inzwischen Teil der Lürssen-Werft und es werden dort hauptsächlich Yachten von Superreichen ausgerüstet, u. a. von russischen Oligarchen, aber auch Kriegsschiffe werden weiterhin gebaut. Außerdem finden umfangreiche Waffen- (Munition für Handfeuerwaffen etc.) und Atomtransporte durch den Hamburger Hafen statt.

 

Entfaltet war die Vorbereitung des Hamburger Ostermarsches. Traditionell ist er in der Hand von DKP-nahen Kräften, die lange die These vom weniger gefährlichen Imperialismus Russlands vertraten. Diese Rücksichtname stand schon lange in der Kritik - angesichts des Kriegs in der Ukraine forderten diesmal bekannte Vertreterinnen und Vertreter, wie Holger Artus, die Friedensbewegung müsse einen Neustart machen, und sagten ihre Teilnahme ab. Mit 2100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ließen es sich trotzdem viele, gerade auch junge Menschen nicht nehmen, ihren Friedenswillen und den Wunsch nach Widerstand gegen die akute Weltkriegsgefahr deutlich zum Ausdruck zu bringen. Es dominierten rote Fahnen und Friedenstauben, selbstgemachte oder eigens für den aktuellen Zweck entworfene Transparente. Ein Eisenbahner der EVG hatte ein Schild mit dem Satz von Wolfgang Borchert gemalt: „Du. Mann auf dem Bahnhof. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst das Signal zur Abfahrt geben, für den Munitionszug und für den Truppentransport, dann gibt es nur eins: Sag NEIN!“

 

Das Internationalistische Bündnis trat gut sichtbar mit einer eigenen Auftaktkundgebung mit der Musikgruppe Pepperoni am Rande des Kundgebungsorts auf. Die Konföderation der Migranten aus der Türkei in Deutschland (ATIF) verlas auf Deutsch ihre bundesweite Erklärung und war, genauso wie die Konföderation für Demokratische Rechte in Europa (ADHK), mit ihren Fahnen gut sichtbar. Das Plakat der MLPD Hamburg, „Hände weg von der Ukraine“ war wieder ein Hingucker und zog viele Interessierte an. Die Frage, ob Russland „nur“ seine Landesgrenzen verteidigen würde und die Ukraine nicht als neuimperialistisches Land überfallen habe, war ein wesentliches Thema in den Gesprächen. Vor und während der Kundgebung und Demonstration wurde die Auseinandersetzung weiter mit Beiträgen am offenen Mikrofon und Aufrufen, den Aufbau einer neuen Friedensbewegung zu unterstützen, befördert und entfaltet.

 

Leider meldeten sich dieses Mal noch wenig neue Rednerinnen oder Redner zu Wort. Die Umweltgewerkschaft Hamburg verteilte einen eigenen Flyer, in dem sie auf den massive Rollback der Umweltpolitik als Teil der Kriegsvorbereitungen aufmerksam machte. „Unsere ‚grünen‘ Außenministerin und Wirtschaftsminister beteiligen sich aktiv als Kriegstreiber, haben alle Wahlversprechen von Abrüstung und Umweltschutz in atemberaubendem Tempo über Bord geworfen. Weitere fossile Verbrennung mit Fracking-Gas aus den USA und Erdgas aus Quatar – alles kein Problem mehr?"

 

Am offenen Mikrofon machte Joachim Griesbaum für die ICOR¹ Europa deutlich, was die Losung der kommunistischen Bewegung: „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ heute bedeutet. Er wies aufs Schärfste die Verunglimpfung der Friedensbewegung und der Ostermärsche als „Fünfte Kolonne“ Putins durch Graf Lambsdorff zurück.

 

Uwe Wagner, Landesvorsitzender Nord der MLPD, griff u. a. die Politik der Grünen an und belegte mit Zitaten aus derem Wahlkampfprogramm, wie diese Partei heute mit ihrer Außenministerin, Frau Baerbock, den Schwenk vom imperialistischen Pazifismus zu einer offen imperialistischen Kriegsbeteiligung Deutschlands vollzogen hat.

 

Die Musik von Pepperoni zog die Leute an. Viele sangen bei bekannten Liedern mit. So auch am Ende der Demonstration, als wir in unserem Block vor der Kulisse des Hamburger Hafens das Einheitsfrontlied und die Internationale sangen.