Odenwald

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Plädoyer für Waffenlieferungen bei einer Friedensdemo?

Ostermarsch in Erbach (Odenwald). 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer marschierten vom schönen Erbach nach Michelstadt, Courage-Frauen und ein Unterschriftensammler für eine neue Friedensbewegung aus Heilbronn mit dabei.

Korrespondenz

Beim Auftakt sprachen sich eine Kirchenvertreterin und der DGB für Waffenlieferungen an die Ukraine aus – wenn auch ein bisschen versteckt und mit Bauchweh. Viel Kopfschütteln bei den Anwesenden: Aufrüstung bei einer Friedensdemo?

 

Bereits im Vorfeld war in den Medien auf Spaltung geschaltet worden: FDP und Innenminister von Baden-Württemberg, die sich sonst einen Dreck um die Ostermärsche scheren, sorgten sich plötzlich, dass es („linksextremistische") Kritik an der NATO und der Bundesregierung geben könnte, und erklärten den Pazifisten, „Frieden schaffen ohne Waffen" sei derzeit naiv. Die DKP wiederum attackierte den Westen scharf, schreibt aber v.a.vom Krieg der Ukraine gegen Donbass und „begründeten Forderungen Russlands nach Sicherheitsgarantien". Aggression gibt es da nur auf NATO-Seite.

 

Eine ganz andere Richtung vertraten wir mit dem Courage-Transparent „Die Politik der Herrschenden widerspricht den Interessen der Völker weltweit" und der Parole „Fest entschlossen, einen Weltkrieg verhindern – unterschreibt für eine neue Friedensbewegung". Eine Friedensbewegung nur den Massen verpflichtet, die sich nicht für eine imperialistische Seite einspannen lässt – das stieß auf viel Zustimmung, und ein Zeitungsredakteur wollte genau wissen, was es damit auf sich hat.

 

Aber es gab auch viele Zweifel, dass ein Zusammenschluss und eine große Bewegung gelingen kann. Und dass von beiden imperialistischen Seiten ein Weltkrieg tatsächlich und konkret vorbereitet wird, sehen die meisten noch nicht. Die Schlusskundgebung wurde von einer Schülerband musikalisch umrahmt, und dort griff der DGB-Redner die Richtung der Waffenlieferung unter dem Mantel Frieden-Schaffen an und rief alle Teilnehmer auf, das weiter zu diskutieren und zu klären. Zu einem tiefgehenden Austausch haben wir Heilbronner uns dann vor der Heimfahrt im Eiscafe in die Sonne gesetzt. Es wurde deutlich, dass in der Friedensbewegung ein scharfer Richtungsstreit entstanden ist, auf den wir mit unserer Unterschriftensammlung entscheidend eingreifen konnten und können.