Krieg in der Ukraine

Krieg in der Ukraine

Imperialistische Sprachverrenkungen

Dass man einen Krieg nicht Krieg nennen darf – das gibt es selbstverständlich nur bei „irren Despoten“ wie Putin, der es bei Strafe verboten hat, seine imperialistische Aggression einen Krieg zu nennen. Öffentlich darf nur von einer „Militäroperation“ gesprochen werden. Die lupenreinen Demokraten des Westens würden so was nie tun. Wirklich?

Korrespondenz aus Essen

Bis zum Herbst 2009 durfte der Krieg in Afghanistan in Deutschland nicht Krieg genannt werden. Ein Verstoß dagegen war zwar nicht strafbewehrt, aber das ist auch schon der einzige Unterschied zu Putin. Die bürgerlichen Massenmedien hielten sich weitestgehend an diese Sprachregelung. Noch im Mai 2009 erklärte der damalige Kriegsminister Jung (CDU) auf eine Frage der Frankfurter Rundschau („Wäre es nicht an der Zeit, den Einsatz endlich als das zu bezeichnen, was er in Wirklichkeit längst ist: ein Krieg?“): „Ich halte es für falsch, von einem Krieg zu sprechen. Es ist ein Stabilisierungseinsatz.“ (FR, 12.05.2009).

 

Erst sein Nachfolger, der Plagiator zu Guttenberg, sorgte unfreiwillig dafür, dass die Sprachregelung nicht mehr zu halten war, als er sich im Oktober 2009 in einem Bild-Interview verplapperte. Darin heuchelte er Verständnis dafür, dass deutsche Soldaten das „Empfinden“(!) hätten, sie befänden sich in einem Krieg. Da war es um die im Volk schon längst der Lächerlichkeit preisgegebene Legende von der „Friedensmission“ oder dem „robusten Stabilisierungseinsatz“ geschehen.

 

Die Liste der doppelten Standards in der Frage von Kriegen ließe sich im Abgleich der Sprachregelungen für Kriegsverbrechen von USA, NATO, EU / Deutschland, aber auch früherer Kriegsverbrechen Russlands endlos verlängern. Doch es käme immer dasselbe heraus: Der Versuch, uns einzureden, wenn zwei Imperialisten das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.