Inflation

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Inflationsalarm! Kampf um Lohnnachschlag ist angesagt!

Erneut ist die offizielle Inflationsrate in Deutschland massiv gestiegen. Statt der „durchschnittlich“ angegebenen 7,4 Prozent müssen Familien von Arbeitern und kleinen Angestellten heute für die Dinge des täglichen Bedarfs zwischen 12 und 17 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr.

Von ba
Inflationsalarm! Kampf um Lohnnachschlag ist angesagt!

Besonders die Energiepreise steigen stark an. Kraftstoffe legten im April um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu, für leichtes Heizöl mussten die Verbraucher fast zweieinhalb Mal so viel zahlen. Der Gaspreis hat sich sogar verfünffacht. Für viele Familien werden die Jahresabrechnungen daher schockierend sein. Grundnahrungsmittel wie Brötchen, Käse, Milch, Butter, Eier, Rindfleisch, Kaffee – alles wird sprunghaft teurer. Die Preise für Butter stiegen um 44 Prozent, für Rindfleisch um 31, Brötchen um 10, frisches Gemüse um 15 und Mehl um 23 Prozent. Schon der selbst gebrühte Kaffee am Morgen wird für manche zum Luxus. Obst ist für einige fast unerschwinglich geworden.

18 Prozent der Bevölkerung unter die Armutsgrenze gerutscht

Eine aktuelle Umfrage vom Marktfoschungsinstitut YouGov stellt fest, dass 81 Prozent der Befragten ihren Konsum aufgrund der steigenden Preise stark einschränken müssen. Jeder Zweite versucht, Strom zu sparen, und vier von zehn Familien heizen weniger. Jeder Dritte fährt auch weniger Auto. Immer mehr Familien, aber auch Rentner und Rentnerinnen, Alleinerziehende, Erwerbslose usw. geraten in Not. Über 18 Prozent der Menschen in Deutschland sind unterdessen unter die Armutsgrenze gerutscht. Immer mehr müssen die letzten Tage des Monats hungern. Spartips wie „Geh nie ohne Einkaufszettel los“, „Checke Sonderangebote voher“, „Nutze No-Name-Produkte“, „Trink Leitungswasser statt Mineralwasser“ kursieren in Zeitschriften und im Internet. Sogar neue entwickelte Apps sollen dabei helfen.

Soforthilfen in kürzester Zeit aufgebraucht

In den bürgerlichen Medien wird oft gefordert, dass die Bundesregierung die Rekordinflation für die Menschen abfedern müsse. Die Regierung verspricht auch großzügige Hilfen. Aber während sie schnell 100 Milliarden zusätzlich für die Aufrüstung locker machen und weitere zig Milliarden für Waffen an die Ukraine zur Verfügungen stellen kann, sind die – außerdem nur einmaligen - Hilfsgelder zur Abfederung der Inflation ausgesprochen spärlich bemessen. Diese „Soforthilfen“ sind auch in kürzester Zeit wieder aufgebraucht. Und die Misere fängt von vorne an. Da mit den steigenden Preisen auch die Einnahmen des Staates über die Konsumsteuern steigen, finanzieren wir diese Hilfen in Wirklichkeit sogar selbst. Im Grunde wird auf diese Weise das Geld den Mineralölkonzernen in den Rachen geworfen, die mit ihrer Preistreiberei ungeschoren weiter machen können. Und die internationalen Lebensmittelkonzerne wie Nestle und Unilever sowie die Handelskonzerne fahren weiter ihre Riesenextragewinne ein.

Inflation wird weiter steigen

Dass vor allem der Ukraine-Krieg verantworltich ist für die hohe Inflation, wie immer wieder in der bürgerlichen Presse behauptet, ist eine Verschleierung der Wirklichkeit. Warum sind dann weltweit die Preise am Steigen, auch in den vielen Ländern, die gar kein Gas von Russland und keinen Weizen aus der Ukraine beziehen? In den USA z.B. beträgt die offizielle Inflationsrate fast 9 Prozent. Die internationalen Monopole nutzen den Krieg nur dazu, die Massen noch stärker zu schröpfen und auch den kleinen und mittleren Unternehmen das Wasser abzugraben.

Unterdessen pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass die Inflationsrate entgegen früheren Behauptungen in absehbarer Zeit nicht sinken, sondern weiter steigen wird. Die industriellen Erzeugerpreise, d.h. die Kosten für Rohstoffe und Halbfertigwaren, wurden von den entsprechenden Monopolen im März 2022 gegenüber dem März 2021 um 31 Prozent erhöht. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war dies der höchste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. Diese Preissteigerungen rollen erst noch auf die Verbraucher zu.

 

Während Sparguthaben durch die Inflation an Wert verlieren, werden Schulden durch Kredite aus früheren Jahren, die zu festen Zinsen aufgenommen wurden, mit der Inflation entwertet. Und wer ist der größte Schuldner im ganzen Land? Das ist die Bundesregierung! Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die den Monopolen einen künstlich aufgeblähten Absatzmarkt beschert, befeuert damit auch die Inflation, was den verschuldeten Regierungen in die Hände spielt. Die aktuell durch die Aufrüstung noch einmal stark gestiegene Staatsverschuldung in Deutschland wird dadurch wertmäßig verringert.

Zweischneidiges Schwert

Allerdings ist das ein zweischneidiges Schwert. Denn viele kleine und mittlere Firmen können die von den Bergbau-, Energie- und Nahrungsmittelkonzernen betriebene Steigerung der Erzeugerpreise nicht im gleichen Maß auf die Verbraucher abwälzen wie die marktbeherrschenden Industrie- und Handelsmonopole. Vielen von diesen Unternehmen droht mit weiter steigender Inflation die Pleite. Das könnte der Wirtschafts- und Finanzkrise einen neuen Schub verpassen. Je weniger die Massen kaufen können, umso mehr steigt auch die Überproduktion an Waren und das verschärft ebenfalls die Wirtschaftskrise. Versucht die Europäische Zentralbank aber, die Inflation durch Zinsanhebungen einzugrenzen, kann sehr schnell die künstlich geschaffene Nachfrage in sich zusammensacken. Ein zweischneidiges Schwert ist das Anheizen der Inflation für die Herrschenden aber vor allem aus politischen Gründen. Massenkämpfe bis hin zu Hungeraufständen sind möglich.

Gegen Weltkriegsgefahr und für Arbeiterforderungen

Angesagt ist jetzt ein organisierter Kampf für einen Lohnnachschlag und für einen Ausgleich bei den Sozialleistungen in Höhe der tatsächlichen Inflationsrate! Runter mit den Massensteuern – aber drastische progressive Besteuerung der großen Unternehmen auf Kosten ihrer Profite! Gegen die Verzichtspropaganda und die psychologische Kriegsführung auf allen Kanälen ist der aktive Widerstand gegen die Weltkriegsgefahr, ein entschlossener Kampf gegen die Abwälzung der Kriegs- und Krisenlasten auf den Rücken der Arbeiterklasse und der breiten Massen notwendig.