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8. Mai: Kann man sich einer Beurteilung dieses Krieges enthalten?

Am 8. Mai hatten der Landesvorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und der Stadtverband Halle der Linkspartei zu einer regionalen Gedenkfeier zum Tag der Befreiung vom Hitler-Faschismus geladen.

Korrespondenz
8. Mai: Kann man sich einer Beurteilung dieses Krieges enthalten?

Rund 100 Antifaschistinnen und Antifaschisten aus Halle, Dessau, Aschersleben und anderen Orten versammelten sich ab 10.30 Uhr auf dem Südfriedhof in Halle / Saale. Dort wurden am Gräberfeld der Roten Armee und am Ehrenhain für deutsche Widerstandskämpferinnen und -kämpfer Blumen und Gestecke niedergelegt. Einhellig wurde in den Ansprachen der Krieg in der Ukraine verurteilt.

 

Neben den beiden Hauptreden der VVN-BdA und der Linkspartei sprach Jörg Weidemann von der Landesleitung der MLPD Elbe-Saale. Er forderte unter anderem eine neue Friedensbewegung und sprach sich für einen aktiven Widerstand gegen alle Imperialisten aus. Dafür erhielt er Beifall, aber zum Teil auch Ablehnung. Unter anderem anwesende Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Linkspartei zogen sich während seines Beitrags an die hinterste Ecke der Versammlung zurück.

 

In Gesprächen nach der Gedenkfeier stellte sich heraus, dass es in den Gremien der Linkspartei offenbar eine Empfehlung oder Festlegung gibt, sich in der Beurteilung des Krieges sowie der Ukraine, Russlands und der NATO lieber vage und bedeckt zu halten.

 

Mit einer solchen indifferenten Haltung konnte der Beitrag von Jörg Weidemann nicht dienen. Ob der räumliche Abstand der Abgeordneten ihnen geholfen hat, ist nicht bekannt. Er sorgte aber für einige Kritik unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Deutlich wurde gerade ein Riesenbedürfnis nach Auseinandersetzung und Klärung zum Charakter Russlands - also das Gegenteil von vage und indifferent. Die Broschüre von Stefan Engel über die Entwicklung der neuimperialistischen Länder ging weg wie die berühmten warmen Semmeln. Dazu haben die klaren Worte im Redebeitrag der MLPD sicher beigetragen.

 

Über 20 Euro spendeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zudem für die ICOR-Postkarte mit dem Foto, auf dem Rotarmisten 1945 ihre Fahne auf dem Reichstagsgebäude in Berlin hissten. Die Fahne, die heute, 77 Jahre später, ausgerechnet in Berlin verboten war. „Gegen diesen antikommunistischen Rollback“ verwahrte sich Jörg Weidemann in seinem Statement, was ebenfalls auf viel Applaus stieß. Es endete mit den Worten: „Die Befreierinnen und Befreier das 8. Mai 1945 zu ehren, bedeutet heute, gemeinsam den aktiven Widerstand gegen die Vorbereitung des III. Weltkriegs zu organisieren!“