Argument

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Das Wandern ist des Wählers Lust

Bundestagswahlen 2021. "Der Spiegel" resümiert: Die SPD konnte unter’m Strich von fast allen großen Parteien Stimmen gewinnen. Die Wähler wanderten zur SPD, schließlich wollte man weitere vier Jahre mit der CDU verhindern. Schnell wird das sozialdemokratische Jahrzehnt ausgerufen. Die SPD frohlockt.

Von lg
Das Wandern ist des Wählers Lust

Wahlen in Nordrhein-Westfalen: Die SPD hat mal wieder ein historisch schlechtestes Ergebnis. Abrupt endete nach siebeneinhalb Monaten das sozialdemokratische Jahrzehnt. Wieder wanderten die Wähler: Doch diesmal weg von der SPD. 300.000 SPD-Wähler wurden Nichtwähler! 260.000 verlor sie an die Grünen. 40.000 gingen wieder zur CDU. Doch immerhin: 60.000 FDP-Wähler konnte sie diesmal für sich gewinnen. Ob sich ein alter Sozialdemokrat darüber freuen kann?


Dass die Wählerwanderungen bisweilen absurde Züge annehmen, zeigt die Krise der bürgerlichen Parteien und des bürgerlichen Parlamentarismus. Überzeugungswähler sehen anders aus!

 

Doch die Wanderlustigen sollten die Zeit nach der Wahl nutzen, einmal tief in sich zu gehen: Wie lange noch das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel mitmachen? Wie lange noch zwischen Pest und Cholera, oder modern gesprochen: Zwischen Omikron und Delta entscheiden? Denn so bunt die Farbspiele sind, so einheitlich grau ist das bürgerlich-parlamentarische Treiben, dem man somit seine Stimme gibt.

 

Der alte SPD-Reformist Edurad Bernstein sagte, das Ziel sei ihm nix, der Weg sei alles. Wer das auch so sieht, der möge noch lange auf verschlungenen kapitalistischen Wegen umher wandern. Oder wäre ein Ziel vor Augen nicht doch wieder einmal eine schöne Sache für deine Arbeiterstimme?