Argument

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Ein Postmodernist auf Kriegskurs

Paul Mason ist ein selbstbewusster Mensch. Einleitend stellt er sich in einem überlangen Artikel in der "Frankfurter Rundschau" (FR) vor: "1960 geboren, rebellierte ich früh gegen meine katholische Erziehung, mit 16 wurde ich Marxist, mit 19 nahm ich an Massenstreiks teil, und mit 62 kämpfe ich immer noch: Gegen Neoliberalismus, Totalitarismus, Faschismus und den modernen Überwachungsstaat." Doch der "Marxist" Mason ist kein Marxist, sondern eines der führenden Gesichter des Postmodernismus aus Großbritannien.

Von lg

In der FR vom 21. Mai wird ihm gleich auf dem Titel als Schlagzeile gehuldigt - und es verschlägt mir die Sprache, als ich dem Hinweis auf Seite 31/32 folge: Nicht nur, dass er Olaf Scholz lobt, "für seine Zeitenwende, als auch dafür, dass er eine traumatisierte SPD schrittweise auf den Weg hin zu einer offensiveren Verteidigungspolitik gebracht hat".

 

Nein, er kriegt es fertig die imperialistische Kriegspolitik der NATO in die Tradition des Kampf der Bergleute gegen Thatcher in Großbritannien; gegen die Apartheid in Südafrika; der Jugendlichen in Gaza in Palästina, sowie gegen den Kapitalismus im Allgemeinen zu stellen. Denn Putin und Xi Jinping wollten eine "totalitäre Welt", in der es "keine universellen Werte mehr gibt". Und deshalb sei "Widerstand" angesagt, um die "Freiheit" und die "bestehende Sicherheitsordnung Europas" zu verteidigen.

 

Diesen Widerstand definiert er wie folgt: "Widerstand gegenüber Putin heißt heute nicht nur, der Ukraine Waffen und Munition zu liefern, solange die Menschen das dort wollen. Es heißt auch, Geld und Geheimdienstinformationen zu liefern. Es heißt, die Ukraine beim Cyber-Krieg gegen Russland zu unterstützen, Sanktionen zu verhängen, die die russische Wirtschaft handlungsunfähig macht, und es heißt, demokratische Oppositionsbewegungen von Minsk bis Vladivostok zu unterstützen." Friedrich Merz hätte es nicht besser sagen können.

 

Mit einem Handstreich diffamiert er die Friedensbewegung, laut der man sich angeblich "dem Aggressor direkt ergeben" solle. Aber wer das nicht wolle, der müsse zum Widerstand bereit sein.

 

Und nun steigert sich Mister Widerstandskämpfer so in Kriegsgeheul, dass er ausspricht, was sich noch kaum ein Regierungspolitiker traut: "Auch Deutschland muss das Risiko eines unprovozierten nuklearen Erstschlags auf die Ukraine als reale Möglichkeit akzeptieren und bereit sein, darauf mit allen verfügbaren Mitteln konventioneller Kriegsführung zu reagieren. Immer mit dem Ziel, das politische System rund um Putin kollabieren zu lassen. Ein nuklearer Gegenschlag sollte dabei unter allen Umständen ausgeschlossen werden." Man dürfe schließlich keine Angst haben.

 

Einen Atomkrieg in Kauf nehmen! So tief sind die Postmodernisten gesunken, die auszogen, der Arbeiterklasse ihre revolutionäre Rolle streitig zu machen, um selbst das Zepter des" "Freiheitskampfs" in die Hand zu nehmen. Selbst der Atomkrieg muss dafür als reale Option akzeptiert werden. Nein danke. Da bleibe ich lieber bei Marx und der Arbeiterklasse.

 

Wer mehr über Mason & Co wissen will, dem sei das neue Buch von Stefan Engel "Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus" empfohlen, indem er ein Kapitel dem Postmodernismus widmet. Auch im Film der MLPD über Friedrich Engels bekommt Paul Mason sein Fett weg. Siehe hier