Shengal

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Marlene und Matej sind wieder frei! Vier Wochen waren sie in einem irakischen Gefängnis des Geheimdienstes

Vier Wochen waren sie in einem irakischen Gefängnis des Geheimdienstes. Am 20. April 2022 lernte ich die deutsche Journalistin Marlene Förster und den slovenischen Journalisten Matej Kavcic auf dem Neujahresfest der êzidischen Bevölkerung im Shengal kennen. Auf der Heimfahrt wurden sie an einem Checkpoint von irakischen Soldaten verhaftet.

Zuschrift von Ulrike Held, Tübingen

Marlene ist eine lebendige, optimistische junge Frau, engagiert für das Schicksal der êzidischen Bevölkerung Shengals. Sie erzählte mir von ihrer journalistischen Arbeit. Sie recherchiert mit ihrem Kollegen seit Monaten die Situation der êzidischen Gemeinschaft. Der faschistische Islamische Staat (IS) überfiel die êzidische Gemeinschaft 2014, ermordete die Männer, verschleppte, vergewaltigte und versklavte die Frauen und machte nicht vor Kindern halt. Nach dem Sieg durch die bewaffneten Kräfte der Volksbefreiungseinheiten kehrten viele Êziden aus den Flüchtlingslagern zurück in den Shengal, mit dem Wunsch, dort ein eigenes friedliches, unabhängiges Gebiet aufzubauen. Doch von friedlich kann keine Rede sein. Es herrscht Krieg von Seiten der irakischen Zentralregierung, von der Türkei und Druck durch Barzani, Regierung im Nordirak.

 

Marlene und Matej wollten die Situation der êzidischen Menschen im Shengal in Europa bekannt machen. Am Abend des 20. April wurden die beiden an einem Checkpoint von Soldaten der Irakischen Zentralregierung verhaftet und nach Bagdad ins Gefängnis des Geheimdienstes verschleppt. Ihnen wurde Terrorismus und Spionage vorgeworfen. Der Terrorismusvorwurf ist zurückgenommen, die Anklage wegen Spionage bleibt. Die irakische Regierung will verhindern, dass die Situation der Êziden im Shengal in der Welt bekannt wird. Auch ich habe erlebt, dass irakische Soldaten immer wieder heftige Kämpfe um die Checkpoints provozieren, bei denen êzidische Kämpferinnen und Kämpfer und auch Zivilisten getötet werden.

 

In den Shengalbergen bombardieren türkische Streitkräfte rücksichtslos und völkerrechtswidrig mit der Begründung der Selbstverteidigung gegen Terroristen. Von einem Angriff von Terroristen hat man aber nichts gehört. Wie bei allen imperialistischen Kriegen wird mit Lügen und Verdrehungen gearbeitet, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Sie ermorden dabei Zivilisten, zerstören Kindergärten und ein Krankenhaus. Aber die Türkei ist ja in der NATO, gehört also trotz Faschismus und Krieg zu den „Guten“. Es werden Geschäfte mit ihnen gemacht und sie halten Deutschland die Flüchtlinge vom Leib. Und mit Faschisten zusammenzuarbeiten ist ja für die deutsche Ampel-Regierung kein Problem, wie man an den Gasverhandlungen mit Katar sieht.

 

Nur durch die Initiative Free Marlene und Matej wurde die Freilassung der beiden erkämpft. Sie wurden in ihre Heimatländer abgeschoben. In der Presseerklärung der Initiative erklärt Malte Buchholz: “Wir werden uns in den nächsten Tagen erneut an die Presse wenden, denn der Fall wirft weiterhin viele Fragen auf: Wie kam es zu der Abschiebung, wird es weiterhin zu einem Verfahren im Irak kommen? Wie bewertet die deutsche Regierung diesen Angriff auf die Pressefreiheit? Was ist die Rolle des Auswärtigen Amts, warum haben die deutschen Behörden so spät gehandelt? Welche Rolle spielten hier die deutsch-türkischen Beziehungen?” (Presseerklärung vom 20. Mai 2022)

 

Ich freue mich, dass die beiden mutigen Menschen wieder frei sind und gratuliere der Initiative herzlich zu ihrer Arbeit. Den Fragen von Malte Buchholz kann ich mich einfach anschließen. Ich bin für die klare Verurteilung des Krieges der Türkei und des Irak gegen die Êziden.

 

  • Für sofortige Einstellung aller Kriegshandlungen im Shengal durch die Türkei und die irakische Zentralregierung!
  • Für die nationale und soziale Unabhängigkeit der êzidischen Bevölkerung!

 

Ulrike Held (Frauenverband Courage Tübingen)

 

Weitere Informationen hier sind in der Pressemitteilung der Initiative