Gelsenkirchen

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Nur eine Stelltafel für Karl Marx? Pfui Teufel!

Kürzlich traf ich an der Bude in Gelsenkirchen-Horst zufällig einen alten Kollegen. Wir kamen ins Gespräch. Als "Hans Dampf in allen Gassen" kennt er immer alle Meinungen, Neuigkeiten und Gerüchte im Stadtteil. Es ging um den Krieg, die MLPD, die Lenin-Statue und vieles mehr.

Korrespondenz
Nur eine Stelltafel für Karl Marx? Pfui Teufel!
Keine Sorge, auf den Sockel neben der Lenin-Statue kommt noch eine Marx-Statue (rf-foto)

Nach einigen Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf Lenin und die Sowjetunion, mit der er sich angeregt durch die Statue offenkundig intensiv befasst hatte, sagte er: "Aber eins muss ich sagen: Keiner macht so viel für den Stadtteil wie ihr!"

 

Dazu muss man wissen, dass in Gelsenkirchen über Jahrzehnte die SPD diesen Ruf genoss. Die Zeiten ändern sich. Er ergänzt: "Auch die neue Gedenkstätte¹ habt ihr wirklich schön gemacht."

 

Das sagen übrigens sehr viele Horster. Oft stehen Leute aller Altersgruppen bedächtig davor und nachts konnte man schon das ein oder andere Teenie-Fotoshooting beobachten.

 

Aber eine Kritik hatte er anzubringen. Mit gerunzelter Stirn und vorwurfsvollem Blick sagte er am Ende des Gesprächs: "Eins finde ich aber nicht gut! Dass ihr für den Karl Marx nur eine Stelltafel übrig habt!!!" Nee, das fand er sichtbar schäbig.

 

Ich musste laut lachen und konnte ihn beruhigen: "Keine Sorge, eine Statue kommt noch! Die Stelltafel auf dem leeren Podest neben der Lenin-Statue ist nur zur Ankündigung."

 

„Ach so! Dann ist ja gut“, zufrieden spendete er noch 2 Euro für die neue Broschüre über Willi Dickhut und verabschiedete sich mit einer Flasche Veltins in den wohlverdienten Feierabend.