Mit Gabi Fechtner

Mit Gabi Fechtner

Philosophie Open Air in der Essener City

Das hatte die Essener City noch nicht erlebt: Am 27. Mai stellte die Parteivorsitzende der MLPD, Gabi Fechtner, das Buch „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus“ von Stefan Engel auf dem Kardinal-Hengsbach-Platz mitten in der Essener City vor.

Korrespondenz
Philosophie Open Air in der Essener City
Die MLPD-Vorsitzende Gabi Fechtner stellt "Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus" in der Essener City vor (rf-foto)

Dank Brückentag und sonnigem Wetter war die City gut besucht, besonders von jungen Menschen. 50 bis 60 Leute hörten ständig zu, etwa die Hälfte davon als feste Teilnehmer. Die "fliegenden Buchverkäufer" erreichten weitere Hunderte; viele stöberten am Büchertisch.

 

Gabi Fechtner gab einen gut verständlichen Einblick in das Buchdas alle wesentlichen Spielarten des Opportunismus der heutigen Zeit bis auf ihren weltanschaulichen Grund untersucht. Jeder, der sich heute die Frage nach einer gesellschaftlichen Alternative zum krisengeschüttelten Kapitalismus stellt, muss sich zwangsläufig mit den zahlreichen Varianten der Anpassung an den Kapitalismus auseinandersetzen, wenn er da noch durchblicken will. Dafür ist das Buch ein unschätzbares Grundlagenwerk.

 

Beginnend bei denen, die den Kapitalismus als alternativlos und als Ende der Geschichte betrachteten, spannt es einen Bogen zu den zahlreichen opportunistischen Theorien und Praktiken, die uns die Versöhnung mit dem Kapitalismus als Fortschritt oder gar als Sozialismus verkaufen wollen. Der Vortrag von Gabi Fechtner regte zu einer lebendigen Diskussion mit vielen interessanten Fragen und Beiträgen an. Wie passt die Krise des Opportunismus mit den letzten Wahlergebnissen der Grünen zusammen? Warum betrachtet die MLPD Nordkorea nicht als sozialistisches Land? Auf alle Fragen ging Gabi Fechtner kompetent und überzeugend ein. So machte sie deutlich, dass sich die Krise des Opportunismus vor allem in der gesellschaftlichen Perspektivlosigkeit aller Opportunisten äußert. Das schließt kurzfristige Wahlerfolge aufgrund der noch nicht begrabenen Hoffnungen in ein "kleineres Übel" nicht aus.

 

Erfahrungsberichte von Arbeiterinnen und Arbeitern zogen Lehren aus den Methoden des modernen Reformismus zur Verhinderung eines konsequenten Kampfes um jeden Arbeitsplatz. Immer wieder kam auch die Schädlichkeit und Absurdität des Postmodernismus in der Politik und im Alltag zur Sprache, der uns auf Geschlechter und sexuelle Orientierung reduziert und damit spaltet.

 

Die Open-Air-Veranstaltung, eingerahmt von zwei schönen Liedern, erwies sich als tolle Methode, auch mit anspruchsvollen weltanschaulichen Themen viel mehr und besonders junge Menschen zu erreichen, die zu einer Saalveranstaltung nicht unbedingt gekommen wären.