Strategische Bedeutung

Strategische Bedeutung

Wettrüsten um die Arktis

Die Rote Fahne berichtete über die NATO-Pläne im Nordatlantik* und Bundeskanzler Scholz verkündete am 7. Juni 2022 den Aufbau einer „robusten Kampfbrigade“ unter Führung der deutschen Armee in Litauen.

Von Klaus Wallenstein
Wettrüsten um die Arktis
Abschmelzendes Polareis

Dies ist Teil des aggressiven Wettrüstens zur militärischen Absicherung der Beherrschung des Nordpolarmeeres. In diesem Kontext planen die US-Streitkräfte die Aufstellung einer neuen Luftlandedivision (11th Airborne Division), die für Einsätze in der Arktis ausgerüstet ist. Ergänzend zu den in Alaska stationierten Infanteriebrigaden soll diese mobil über weite Distanzen einsetzbar sein und dort auch „üben und nicht nur wie bisher, mit strategischen Kräften regelmäßig Präsenz zeigen“ (www.soldat-und-technik/2022/05).

 

Der Kampf um die Arktis hat strategische Bedeutung für die Weltherrschaft. Das Abschmelzen des Polareises eröffnet den Zugang zu bisher unerschlossenen Rohstoffen. 30 Prozent der unerschlossenen globalen Gas- und 13 Prozent der Ölvorkommen werden in der Arktis vermutet, sowie wertvolle Mineralien. [1] Bis Mitte 2040 wird die ganzjährige eisfreie Nutzung der Seewege (Nordostpassage und Nordwestpassage) durch die Arktis erwartet. Aktuell wird noch hauptsächlich die Nordostpassage zwischen Juli und November genutzt. Diese befindet sich dummerweise ausschließlich in der Wirtschaftszone Russlands. Neben Russland und den USA beabsichtigt nämlich auch China, seine Präsenz in der Region im Zuge des Projektes „polare Seidenstrasse“ zu erhöhen. Dazu hat sich China mit der Macht des Stärkeren selbst zum „arktisnahen Staat“ erklärt.

 

Die CNPC (China National Petroleum Corporation hat mit Rosneft vertraglich vereinbart, die Barentssee (das Meer nördlich von Finnland) geologisch zu erkunden. CNPC besitzt 20 Prozent Anteile am sibirischen „Jamal-Projekt“ [2]. Dort wurde 2017 die erste Flüssiggasanlage nördlich des Polarkreises gebaut. 2018 wurde die erste Lieferung über die Nordostpassage nach China getätigt. Russland und China hoffen über die deutlich kürzere Route langfristig mit dem Suezkanal konkurrieren zu können.

 

Von Donald Trumps Außenminister Pompeo wurde dem Anspruch Russlands auf völkerrechtliche Souveränität über die Nordostpassage (gemäß dem UN-Seerechtsübereinkommen) bereits als „unrechtmäßig“ der Krieg erklärt. Seitdem haben sich die Widersprüche im Wirtschaftskrieg und akuter Weltkriegsvorbereitung massiv verschärft.          

 

[1]    A. Fürniß, Machtkampf um die polare Seidenstraße, 16.6.2021, www.katapult-magazin.de

[2]    Die Jamal-Gaspipeline führt über Belarus und Polen nach Deutschland.