Briefwechsel

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Diskussion zur Frage der „beschleunigten Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems“

Auf „Rote Fahne News“ wurde am 15. Juni 2022 ein Briefwechsel zwischen einem Leser und der Redaktion „Verkürzt und einseitig?“ veröffentlicht. Es ging darum, wie die Aussage im "Rote Fahne Magazin" 10 / 22 zu verstehen ist: „Denn solange die gegenwärtige Phase der beschleunigten Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems anhält, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder entwickelt sich daraus ein Weltkrieg oder es kommt zur internationalen sozialistischen Revolution.“

Von Rote Fahne Redaktion
Diskussion zur Frage der „beschleunigten Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems“

Dazu erreichte die Redaktion eine berechtigte Leserkritik, dass die Antwort formell gehalten war.

 

Tatsächlich handelt es sich hier um eine zentrale Frage, wie die gegenwärtige Situation einzuschätzen ist und welche Schlussfolgerungen man daraus zieht. Mittlerweile ist die Broschüre von Stefan Engel, Gabi Fechtner und Monika Gärtner-Engel „Der Ukrainekrieg und die offene Krise im imperialistischen Weltsystem“ erschienen.

 

Da heißt es zunächst zur Gesamtqualifizierung der Ausgangslage: „Mit dem Ukrainekrieg und der akuten Gefahr eines Dritten Weltkriegs entstand im Rahmen der Allgemeinen Krise des Kapitalismus eine neue Phase der beschleunigten Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems. Sie bereitet den Boden vor für eine revolutionäre Weltkrise. Damit erfährt die allgemeine Krisenhaftigkeit des Imperialismus eine neue Qualität. Alle hauptsächlichen Widersprüche des imperialistischen Weltsystems verschärfen sich sprunghaft.“ (S. 58)

 

Bei dieser Phase handelt es sich also nicht um eine untergeordnete Entwicklung, sondern einen qualitativen Sprung im Herankommen an eine revolutionäre Weltkrise.

Der Ukrainekrieg und die offene Krise des imperialistischen Weltsystems

Beilage des Zentralkomitees der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) zur Roten Fahne 13/2022 von Stefan Engel, Gabi Fechtner und Monika Gärtner-Engel

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In ihrer Beurteilung müssen wir die Dialektik richtig behandeln zwischen der strategischen Seite und dem konkreten Verlauf der Entwicklung bzw. zwischen den allgemeinen gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, die wirken und den denkbaren konkreten Optionen, die die jetzige Entwicklung und ihre Entwicklungsrichtung verändern können.

 

So heißt es in der Broschüre weiter: „Es gibt in dieser Phase der beschleunigten Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems grundsätzlich nur zwei Optionen: Ausbruch eines Dritten Weltkriegs oder die internationale sozialistische Revolution.

 

Diese Einschätzung folgt den Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung und kritisiert die penetrante Verharmlosung der Schärfe dieser Entwicklung in der öffentlichen Meinungsmache. Es ist auch möglich, dass diese Phase durch den Widerstand der Massen, aufgrund von Widersprüchen zwischen den Imperialisten oder wegen der Kapitulation der einen oder anderen Kriegspartei gestoppt wird. Selbst dann gäbe es aber kein einfaches Zurück mehr zu der Zeit vor dem Ukrainekrieg.“ (S. 63)

 

Es gibt in der gesellschaftlichen Entwicklung keine absoluten Gewissheiten, das wäre ein starres Verständnis. Wir müssen uns in der Strategie und Strategie und Taktik jedoch leiten lassen vom gesetzmäßigen Verlauf der Entwicklung. Deshalb heißt es in der Broschüre: „Die Marxisten-Leninisten auf der ganzen Welt müssen alles in ihrer Macht Stehende tun, um die offene Krise des imperialistischen Weltsystems für eine Revolutionierung des internationalen Industrieproletariats und der breiten Massen zu nutzen.“ (ebenda) Nur wer die ganze Dimension der Entwicklung erkennt, kann offensiv herangehen und sie nutzen im Sinne des Vorwärtsgehens hin zur internationalen sozialistischen Revolution, statt panisch oder oder defensiv zu reagieren.

 

Ausgehend davon müssen in der konkreten Entwicklung oder auch bei der Festlegung der konkreten Taktik ständig z. B. konkrete verschärfende wie entschärfende Tendenzen untersucht und eingeschätzt werden. So kann es überraschende Manöver geben, wie die aktuelle Ankündigung Litauens, den Zugang zur russischen Enklave Kaliningrad für wichtige Waren zu sperren. Das hat in Bezug auf den Krieg in der Ukraine militärisch keinen besonderen Sinn, bedeutet aber eine Provokation des neuimperialistischen Russlands.

 

Dazu heißt es in der aktuellen Broschüre: „Niemand kann den konkreten Verlauf des imperialistischen Kriegs in der Ukraine vorhersehen. Aber die bewusste Verschärfung des Kriegs durch die Kriegsparteien und auch seine Eigendynamik lässt den militärischen Schlagabtausch auf den Übergang in einen Dritten Weltkrieg hinauslaufen. Dem liegt eine Gesetzmäßigkeit zugrunde, die bereits Clausewitz aufdeckte: 'Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, und es gibt in der Anwendung derselben keine Grenzen; so gibt jeder dem anderen das Gesetz, es entsteht eine Wechselwirkung, die dem Begriff nach zum äußersten führen muß.'“(S. 62)

 

Mit den Analysen und Darlegungen in der Schrift von Stefan Engel, Gabi Fechtner und Monika Gärtner-Engel wird die Lage jetzt noch allseitiger und prägnanter eingeschätzt. Dazu haben auch solche Hinweise wie die des Lesers beigetragen. Die Rote Fahne Redaktion freut sich auf eine fruchtbare Auseinandersetzung über weitere Fragen im Zusammenhang mit der Broschüre „Der Ukrainekrieg und die offene Krise im imperialistischen Weltsystem“.

 

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