Arbeiterbewegung

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Gewerkschaften und selbständige Kämpfe

Die von Kapitalistenverbänden und Gewerkschaftsführungen ausgehandelten Tarifverträge beinhalten eine - mit der Tarifbindung verbundene - „Friedenspflicht“ während deren Laufzeit.

Von gp

Das knebelt die Gewerkschaft und die Beschäftigten. Die Monopole dagegen haben jederzeit das Recht, während der Laufzeit die Preise zu erhöhen, die Ausbeutung zu steigern und Arbeitsplätze zu vernichten. Aufgrund der grundsätzlich widersprüchlichen Interessen kann es deshalb zwischen den Arbeiterinnen, Arbeitern und der Masse der Angestellten keinen Frieden mit den Monopolen geben. Deshalb sind die Kolleginnen und Kollegen gezwungen, bei einer steigenden Inflation von real 15 bis 17 Prozent - wie 1969 und 1973 - aufgrund eines fehlenden allseitigen und vollständigen gesetzlichen Streikrechts selbständig für einen Lohnnachschlag zu streiken. Das gilt auch für politische Streiks gegen die Vorbereitung eines Dritten Weltkrieges!

Wie ist das Verhältnis der Gewerkschaften zu selbständige Streiks?

Im Handbuch für die revolutionäre Kleinarbeit in Betrieb und Gewerkschaft von Willi Dickhut, „Gewerkschaften und Klassenkampf“ heißt es dazu: „Wenn die Gewerkschaften diese Streiks auch nicht unterstützen können, ohne damit rechnen zu müssen, zum Schadensersatz verurteilt zu werden, so könnten sie sich doch aus den selbständigen Streiks heraushalten.“ (S. S. 272) Das heißt aber nicht, Gewerkschafter und Vertrauensleute bei selbständigen Streiks keine Rolle spielen. Im Gegenteil. Um die Masse der Kolleginnen und Kollegen für einen selbständigen Streik zu gewinnen, können und müssen gewerkschaftliche Versammlungen genutzt werden, spielen aktive gewerkschaftliche Vertrauensleute eine wichtige Rolle, auch zur Organisierung der Solidarität mit den Streikenden und um ihnen den Rücken frei zu halten.

 

Die reformistische Gewerkschaftsbürokratie sieht das aber anders. Dazu heißt es in dem Buch: „Aber die reformistische Gewerkschaftsbürokratie, die sich in das kapitalistische System integrieren ließ, fühlt sich im Interesse der Arbeitsgemeinschaft mit den Unternehmern verpflichtet, die selbständigen Streiks abzuwürgen.“ (ebd.)

 

So verbreitete die IG-Metall-Führung Saarbrücken nach der Bekanntgabe der Schließung des Ford-Werkes Saarlouis in 2025 mit 4600 Kolleginnen und Kollegen, dass streiken „verboten“ sei, womit sie sich gegen die Bereitschaft eines Teils der Belegschaft, selbständig zu kämpfen, wendet. Aber nirgends steht geschrieben, dass selbständige Streiks in Deutschland verboten sind. Immer wieder haben sich Belegschaften das Recht dazu genommen, haben selbständig gekämpft und erfuhren breite Solidarität. Die Saarlouiser Ford-Kollegen könnten sich der Solidarität der Bevölkerung im Saarland und der Arbeiterklasse in ganz Deutschland und über Ländergrenzen hinweg sicher sein. Ein solcher Streik hätte eine große Ausstrahlung für andere Belegschaften.

 

Die Unterstützung und Organisierung selbständiger Kämpfe der Arbeiterklasse für wirtschaftliche und politische Forderungen gegen Regierung und Monopole ist deshalb auch die konsequenteste Kritik an der Politik der Klassenzusammenarbeit.

 

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