Griechische Hafenarbeiter, Stahlarbeiter, Bergarbeiter

Griechische Hafenarbeiter, Stahlarbeiter, Bergarbeiter

Kämpferischer Gruß aus Griechenland zur Demo in Berlin am 2. Juli

Ein Highlight auf der gestrigen Antikriegs-Demonstration in Berlin war der Vortrag der kämpferischen Grüße griechischer Gewerkschafter, Gewerkschafterinnen und Friedenskämpfer an die Demonstranten. Die griechische Arbeiterklasse hat in den letzten Monaten bedeutende Kämpfe ausgefochten und bildet das Rückgrat des aktiven Widerstands gegen Militarisierung und Weltkriegsvorbereitung in ihrem Land. Monika Gärtner-Engel, Hauptkoordinatorin der revolutionären Weltorganisation ICOR, hat bei einer Griechenlandreise im Juni mit ihnen gesprochen.

Kämpferischer Gruß aus Griechenland zur Demo in Berlin am 2. Juli
Eine Versammlung der Cosco-Arbeiter, nachdem sie einen Tarifvertrag mit dem chinesischen Monopol erstritten hatten (Foto: Gewerkschaft Enedep)

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, liebe Menschen von Berlin! Wir, Markos Bekris, Präsident der ENEDEP-Gewerkschaft der Cosco-Hafenarbeiter von Piräus; Panagiotis Politis, Vorsitzender der Stahlarbeiter und Bergarbeiter der Betrieblichen Gewerkschaft von Larkos; sowie Sofia, Panagiotis, Nastos und Basilis vom Streikkomitee der Stahlarbeiter von Aspropirgos grüßen euch kämpferisch aus Griechenland!

 

Wir gratulieren Euch zu eurer Friedensdemonstration gegen den imperialistischen Krieg in Ukraine und euren breiten Zusammenschluss. Wir möchten uns recht herzlich bedanken für Eure Einladung, als Redner heute teilzunehmen, was uns über ICOR und MLPD übermittelt wurde. Markos Bekris von Cosco wollte kommen und sprechen. Aber er musste kurzfristig ins Krankenhaus und für Ersatz war es zu spät. So schicken wir Euch neben unseren solidarischen Grüßen einen Bericht aus den Gesprächen über unsere Erfahrungen der letzten Zeit.

 

In der griechischen Arbeiterbewegung entsteht derzeit ein wichtiger Aufschwung der Kämpfe. Dabei verbindet sich der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne, gegen Arbeitsplatzvernichtung ... mit dem politischen Kampf gegen die Regierung, die massiven Polizeieinsätze gegen uns und gegen den imperialistischen Krieg um die Ukraine. All das haben wir zusammengeführt im Generalstreik am 6. April in 70 Städten. An diesem Generalstreik war die Beteiligung der Arbeiter und der Jugend sehr groß. Das Signal gaben die Hafenarbeiter von Patras. Kein Schiff kam rein und raus.

 

Um was geht es in den einzelnen Betrieben? Die Mitsotakis-Regierung will den Betrieb Larkos, eine Nickel-Eisen-Mine, die bisher zu 50% dem Staat gehört, privatisieren. Das ist noch Teil der verbrecherischen Troika-Auflagen. Die bisherige Belegschaft soll dann entlassen oder allenfalls zu viel schlechteren Bedingungen wieder eingestellt werden. Das würde über 1000 Berg- und Stahlarbeiter brotlos oder arm machen. Die Familien aus den Werkswohnungen wollen sie herauswerfen auf die Straße.

 

Wir alle gemeinsam verurteilen diesen imperialistischen Krieg vonseiten Russlands und vonseiten Nato-USA und EU. Als Russland in die Ukraine einmarschiert ist, stellten wir uns klar auf die Seite des ukrainisches Volkes. Unsere griechische Regierung stellte sich voll auf die Seite der USA und hat den Hafen von Alexandroupoli voll dem US-Imperialismus überlassen. Die größten Kriegsschiffe der USA und Frankreichs haben die Ägäis in ihrer Hand. In Griechisch-Mazedonien sehen wir nur noch Transporte von Kriegsmaterial nach Ukraine auf den Straßen. Griechische Soldaten und Polizisten werden an die Grenze zu Ukraine versetzt. Wir fragen uns: Wohin soll das führen?

 

Unser Volk hat im Kampf gegen den Hitler-Faschismus sehr blutige Erfahrungen machen müssen und auch ab 1967 gegen die 7-jährige blutige Militärdiktatur unter Federführung der CIA in Griechenland. Noch heute suchen hunderte von Müttern ihre ermordeten Söhne und Töchter. Ermordet durch die Papadopoulos-Diktatur. Wir haben lang gekämpft, die Faschisten der Chrisi Avgi (= "Goldene Morgenröte") aus dem griechischen Parlament heraus zu schmeißen! Als der ukrainische Präsident Selenskyj im griechischen und im zyprischen Parlament sprach, hat er tatsächlich zwei Faschisten der ukrainischen faschistischen Asow-Einheit mitgebracht und ließ sie sprechen! Wir waren total sauer und entsetzt und haben sofort Protestmärsche durchgeführt! Faschisten im Parlament sprechen zu lassen, ist für uns No Go. Kein Spielraum für Faschisten!

 

Auch die zyprische griechische Bevölkerung war tief verletzt, als Selenskyj im zyprischen Parlament sprach, ohne ein Wort gegen die türkische Invasion 1973 zu sprechen. Es schmerzt uns sehr, wie das ukrainische Volk unter diesem Krieg leidet. Aber auch das russische Volk leidet unter dem Krieg und der Diktatur von Putin.

 

Die griechische Bevölkerung leidet sehr unter den Folgen der Auflagen der Troika und jetzt den Krisen- und Kriegslasten. Die Löhne sind um 40% gesunken. Die Kapitalisten entlassen die Arbeiter mit festen Verträgen und stellen Kollegen mit ganz niedrigen Löhnen ein. Die Preissteigerungen sind enorm. Wir können kaum atmen. Die Stromrechnungen können wir nicht bezahlen. Wenn du gestern für 150 Euro Strom verbraucht hast, bekommt man heute eine Rechnung von 1000 Euro. Sie begründen es damit, dass sie den Strom im Ausland kaufen müssen. Die Regierung wendet immer mehr Gewalt an gegen den berechtigten Kampf des Volkes.

 

Bei Cosco haben wir es mit einem chinesischen Monopol zu tun. Dieses hat fast den ganzen Hafen von Piräus gekauft, um seine ökonomische Macht in Europa auszubauen. Die Arbeitsbedingungen sind lebensgefährlich, die Löhne niedrig und die Arbeitsverträge menschenunwürdig. Kollegen müssen ohne Sicherheitsmaßnahmen ihre Arbeit durchführen. Im Oktober 2021 ist unser Kollege Dimitris bei seiner Arbeit gestorben - beim Transport eines Containers über Schienen ist sein Körper in zwei Teile geteilt worden. Da haben wir beschlossen: So geht es nicht weiter. Wir organisierten eine Versammlung und beschlossen zu streiken, bis unsere Forderungen der Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der ordentlichen Arbeitsverträge und höhere Löhne durchgesetzt werden.

 

7 Tage lang wurden keine Schiffe umgeladen. Die Bucht von Salamina war voll mit Container-Schiffen. Unser Herz hat hoch geschlagen als wir sahen, welche Kraft in uns steckt, wenn wir uns einig sind und welche Kraft wir ausstrahlen. Wir haben mit den Belegschaften aller wartenden Schiffe über walkie talkie Kontakt aufgenommen. Und siehe da: 80% haben zurückgefunkt: Ihr habt recht! Wir stehen hinter Euch!

 

Seitdem haben wir 44 Tage insgesamt gestreikt, 10 000 haben uns beim großen Fest im Hafen die Solidarität erklärt. Wir sind auch nicht zurückgewichen, als unser Kampf für illegal erklärt wurde und am 30. April Sondereinsatzkräfte der Polizei uns bedrohten, das Werk abriegelten und Streikbrecher einschleusten. Doch die haben nichts zustande gebracht.

 

Letztendlich haben wir bezogen auf die Arbeitsbedingungen und einheitliche Verträge unsere wesentlichen Forderungen durchgesetzt. Wer kämpft kann gewinnen – auch gegen ein riesiges Monopol! Auch gegen die Kriegstreiber!

 

Die Larko-Arbeiter, die Ölarbeiter von Kavalla, die Lidl-Kollegen, die Studenten, die Angestellten in den Krankenhäusern - auch sie führen wichtige Kämpfe für ein Leben, das die Arbeit der Menschen in Würde ermöglichen soll, wo sie ihre Familien ernähren können. Wir alle haben uns dem Aufruf der Larko-Kollegen angeschlossen, die sich an die griechische Regierung wandten, dass wir nicht nur für den Erhalt unserer Arbeitsplätze, höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, sondern auch gegen diesen imperialistischen Krieg. Wir sagen: Wir werden Euren Krieg nie akzeptieren und eure Kriegslasten nicht bezahlen.

 

Wir sind stolz auf unsere Bahnarbeiter, die im Hafen von Alexandroupoli fast zwei Wochen lang verhindert haben, dass schwere Waffen der USA und der Nato abgeladen werden für diesen Krieg. Die Bevölkerung von Athen und Piräus hat verhindert, dass an unserem Nationalfeiertag der französische Flugzeugträger im Hafen von Piräus eine Jubelshow durchführt. Im Hafen von Thessaloniki versuchten tausende Griechen, vor allem Arbeiter und Jugendliche, zu verhindern, dass aus dem englischen Schiff Waffen für den Krieg entladen werden. Die Polizei geht bei den Demonstrationen mit brutaler Gewalt vor. Sie haben einen Jugendlichen krankenhausreif geschlagen und mehrere Verhaftungen durchgeführt.

 

In unserem Land finden ständig Demonstrationen gegen diesen imperialistischen Krieg statt. Weltweit müssen wir uns zusammenschließen gegen diesen Krieg. Nur unsere gemeinsame Kraft im aktiven Widerstand kann ihn stoppen. Das müssen wir tun! Sonst besteht die Gefahr eines Dritten Atomaren Weltkrieges! Das dürfen die Menschen dieser Welt niemals zulassen. Wir sind keine Lämmer, die sich an die Schlachtbank treiben lassen.

 

Schluss mit dem Krieg! Russland muss die die besetzten Gebiete von Ukraine sofort räumen! Die NATO ihre Truppen aus Osteuropa zurückziehen! Frieden wird aber erst sein, wenn ein anderes Gesellschaftssystem herrscht, das nicht von Profit und Macht, sondern von der Solidarität der Arbeiter und der Völker geleitet ist.

 

Unsere Herzen sind bei Euch und wir senden euch solidarische und kämpferische Friedensgrüße!

 

Es lebe die Arbeitereinheit und die internationale Solidarität!