Jens Plötner, 54

Jens Plötner, 54

"Putins Mann im Kanzleramt"?

Ein medialer Shitstorm ergießt sich über den bis dato kaum bekannten außen- und sicherheitspolitischen Berater des Bundeskanzlers. Er heißt Jens Plötner und hat sich schlecht benommen. So schlecht, dass ein Mann namens Jens Schnellenbach (Beruf: Ökonom) ihn als "Putins Mann im Kanzleramt" tituliert und der frühere Deutschland-Chef der Agentur Reuters von "Plötner-Gate" spricht.

Von gis

Am 20. Juni war Kanzlerberater Plötner bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin eingeladen. Hier sollte er Einblicke in die Außenpolitik von Olaf Scholz geben. Die Gäste: überwiegend Mitglieder der DGAP, meist frühere Diplomaten oder Außenpolitikexperten. Anwesend war auch Noah Barkin, früher Deutschlandchef der Agentur Reuters, inzwischen beim US-Forschungsinstitut Rhodium Group. Er war befremdet über Plötners Auftritt und twitterte sein Befremden umgehend in die Welt hinaus. Plötner sagte nämlich auf die Frage nach dem beschleunigten EU-Beitritt der Ukraine: "Nur weil man angegriffen wird, wird man nicht automatisch ein besserer Rechtsstaat". So einfach wie sachlich und zutreffend. Die Ukraine erfüllt mit ihrem ultrareaktionären Regierungschef, den gleichgeschalteten Medien, dem Verbot fast aller Oppositionsparteien und dem faschistischen Asow-Regime als offiziellem Armee-Bestandteil kein einziges der Kopenhagener Kriterien, die die EU vor die Mitgliedschaft gesetzt hat (siehe hier: EU-Kommission befürwortet EU-Kandidatenstatus der Ukraine).

 

Dann verstieg Plötner sich auch noch zu den Aussagen, man solle die Debatte über zu geringe Marder-Lieferungen an die Ukraine nicht gar so fiebrig führen, Russland und China nicht in einen Topf werfen und vielleicht auch mal der Diskussion über das künftige Verhältnis zu Russland Raum geben. Vor nicht allzu langer Zeit hatten führende Monopolvertreter in Deutschland gar nicht so anders geredet, vor Sanktionen gegen China gewarnt und auch die gegen Russland nicht so scharf gestalten wollen; so Ola Källenius, Chef von Mercedes-Benz: "Deutschland (muss) handlungsfähig bleiben. Dafür braucht es jederzeit Energie aus dem Osten."

 

Jetzt aber, seit dem Übergang der NATO und des BRD-Imperialismus zum offenen Kriegskurs gegen das neuimperialistische Russland, sind Worte wie die von Plötner mindestens Vaterlandsverrat. Wer kann über diese Ungeheuerlichkeit natürlich keinesfalls schweigen? Richtig, Agnes Strack-Zimmermann. Wo immer jemand auftaucht, der nicht so laut "Krieg! Schwere Waffen für die Ukraine! Panzer von Krauss-Maffei" schreit wie sie selbst und ihre Freunde Baerbock, Merz, Habeck und Hofreiter, ist sie zur Stelle. Plötner habe ein "Denken, das uns in den letzten Jahrzehnten in diese furchtbare Situation gebracht hat". Ob sie demnächst Scholz' Rücktritt fordert? Dessen Bundesregierung betreibt zwar eine offen imperialistische Außen- und Militärpolitik, aber er hat halt diesen Plötner als Berater ...