Betriebsversammlung bei MAN in Nürnberg

Betriebsversammlung bei MAN in Nürnberg

Ein historischer Tag?

Auf unserer Betriebsversammlung, die vor kurzem stattfand, erklärte uns ein Redner nach dem anderen, dass dies heute ein historischer Tag sei.

Korrespondenz

Worte von großer Bedeutung! Historische Tage, da denkt man an den 9. November 1918, an dem der deutsche Kaiser durch die Novemberrevolution gestürzt und damit der Erste Weltkrieg beendet wurde. Da ist der 8. Mai 1945, der Tag der Befreiung vom Hitler-Faschismus. Oder denken wir an den 9. November 1989, der Tag des Mauerfalls. Ist es nicht vermessen, eine kleine Betriebsversammlung mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hier einzureihen? Noch dazu, wo er nur eine Stunde blieb und nach seinem Presseauftritt direkt abdüste, ohne mit der Belegschaft in Dialog zu treten.

 

Verwundert rieb sich an diesem Tag der eine oder andere Kollege die Augen. Noch bei der letzten Betriebsversammlung, im September 2021, ließ die Geschäftsleitung unsere Forderungen für die Fortsetzung der Ausbildung eiskalt abblitzen. Erst später einigte sie sich mit dem Betriebsrat gerade noch mit Ach und Krach. Nun, im Juni 2022, feiern sie den Dreiklang zwischen MAN, "der Politik" und der Betriebsratsspitze bzw. der IG-Metall-Führung. Was wir von diesem Schulterschluss halten, das haben sie uns nicht gefragt. MAN spannt den Freistaat Bayern vor den Karren und lässt sich einen Teil der „Transformationskosten“, 30 Millionen Euro, von unseren Steuergeldern bezahlen. Polen war somit aus dem Rennen, denn dort hätten sie vom Staat nur 27 Millionen Euro bekommen. Zusätzlich investiert MAN 100 Millionen Euro. 100.000 Batteriepacks pro Jahr will MAN mit 350 Beschäftigten ab 2024 in Nürnberg bauen.

 

Markus Söder: „Damit ist die Zukunft von MAN für heute gesichert.“ Das ist doch ein Märchen! Mit all den Subventionen wurden unsere Arbeitsplätze auch nicht sicherer. Wem nützt dieser Burgfrieden? Bei uns fand und findet eine massive Arbeitsplatzvernichtung statt. Hinter verschlossenen Türen wurde auch gesprochen, wie die Logistik in Zukunft billiger wird. Im Kapitalismus gibt es keine faire Globalisierung oder Transformation. Auf dem Weltmarkt herrscht ein Hauen und Stechen und wir sollen dabei verzichten, damit unser Kapitalist auf Platz 1 landet. Unsere Rechte und Freiheiten müssen wir uns erkämpfen.