Antifaschismus

Antifaschismus

Pfeift die Ukraine den Faschistenfreund Melnyk zurück?

In einem Interview mit dem Reporter Tilo Jung hatte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, seine Verehrung des ukrainischen Faschistenführers Stepan Bandera mehrfach gerechtfertigt. Er leugnete, dass Banderas Truppen an der Ermordung von 800.000 Juden in der Ukraine beteiligt waren, dass sie an Massakern an Hunderttausenden Polen in der Westukraine beteiligt waren und, dass Stepan Bandera mit den Hitler- und Mussolini-Faschisten eng zusammenarbeitete.

Korrespondenz aus Gelsenkirchen
Pfeift die Ukraine den Faschistenfreund Melnyk zurück?
Mitglieder einer Hundertschaft von Banderas Truppe in Uniformen der faschistischen deutschen Wehrmacht im Jahr 1944 im Gebiet Lviv (foto: Unbekannter Fotograf (CC BY-SA 4.0))

Das ging der rechten Regierungen in Polen zu weit. Der polnische Außenminister Zbigniew Rau beschwerte sich bei seinem ukrainischen Kollegen. Monatelang war Melnyk aber auch in Polen, als Einpeitscher für mehr Waffenlieferungen seitens Deutschland gefeiert worden. Der Unmut der polnischen Regierung ergibt sich nicht aus der Leugnung von Banderas Beteiligung an der Judenvernichtung, sondern allein aus nationalistischen polnischen Interessen. Die ukrainische Regierung lenkte ganz offenbar schnell ein, weil Polen der wichtigste Partner in der NATO-Ost-Truppenaufstockung und für Waffenlierungen ist. Über den polnischen Flughafen Rzeszów werden ein Großteil der NATO-Waffenlieferungen an die Ukraine abgefertigt. Auf diese Waffenlieferungen ist die Ukraine, die stellvertretend für die NATO Krieg führt, absolut angewiesen.

 

Auch wenn das neue Interview anschaulich zeigt, wie Melnyk Banderas Verbrechen platt leugnet und herunterspielt, zeigt es doch wenig Neues. Rote Fahne News hatte bereits sehr früh über die Gesinnung Melnyks berichtet (mehr dazu hier). In dem jetzt geführten Interview wird auch Melnyks antikommunistische Haltung deutlich. Er wirft Josef Stalin vor, sich Bandera als „Feindbild“ ausgesucht zu haben. Da hat er insofern Recht, als dass Stalin sich Bandera völlig zu Recht zum Feind gemacht hat. Bandera ist als einer der schlimmsten Kriegsverbrecher der Ukraine für Massaker verantwortlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Sowjetunion, Polen und auch Israel unter anderem gefordert, dass Bandera in Nürnberg als Kriegsverbrecher angeklagt wird. Tatsächlich lebte er noch einige Jahre völlig unbehelligt in Deutschland.

 

Sehr weit kann es mit der Distanzierung von Melnyk auch nicht gediehen sein, wenn jetzt im Gespräch ist, dass er in die Ukraine ins Außenministerium wechseln soll, womöglich sogar als stellvertretender Außenminister.

 

Mehr zu Melnyks Kriegshetze, seinen Ausfällen gegen Links („sollen die Klappe halten“) und seiner Verteidigung des faschistischen Asow-Regimes kann man in der Studie „Der Ukrainekrieg und die offene Krise des imperialistischen Weltsystems“ lesen.

Der Ukrainekrieg und die offene Krise des imperialistischen Weltsystems

zur Broschüre

Webseite Revolutionärer Weg

Hier im Webshop bestellen

Mit interaktiven Anmerkungen