Ukrainekrieg

Ukrainekrieg

Wie die psychologische Kriegführung agiert

Nach den schrecklichen Erfahrungen der beiden Weltkriege ist der Friedenswille unter den Massen tief verankert. Deshalb tut die psychologische Kriegführung so, als sei sie auf Frieden ausgerichtet.

Von pib
Wie die psychologische Kriegführung agiert
Journalisten bei der Arbeit (foto: Arne Müseler / www.arne-mueseler.com (CC BY-SA 3.0))

In der neuen Publikation der MLPD "Der Ukrainekrieg und die offene Krise des imperialistischen Weltsystems" heißt es dazu: „Seit Anfang 2022 begann weltweit die Manipulation der öffentlichen Meinung mit psychologischer Kriegführung, um die Massen für einen imperialistischen Krieg zu gewinnen.“

 

In der Kriegstheorie von Clausewitz war die psychologische Kriegführung vor allem darauf ausgerichtet, den Feind durch Fehlinformationen usw. in seiner Kriegführung zu schwächen. Inzwischen wurde das weiterentwickelt, um die eigene Bevölkerung für einen Krieg zu gewinnen. So heißt es auf der Homepage des Verteidigungsministeriums zur Erläuterung des Begriffs der „hybriden Kriegsführung“: „Wenn es gelingt, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, hat man schon einen großen Teilerfolg erreicht. Die eigene Bevölkerung soll mobilisiert und von der Richtigkeit der Sache überzeugt werden.“

 

Bevor man den bewaffneten Krieg beginnt, muss man mit psychologischen „Waffen“ die Massen dafür gewinnen. Was sind dafür wesentliche Elemente?

 

Die hauptsächlichen Methoden dabei sind, dass in einer über alle Kanäle hinweg relativ gleichgeschalteten Presse die Berichterstattung so geführt wird, dass Frieden nur mit Waffenlieferungen erzwungen werden könne und es dazu keine Alternative gäbe. Unter der Losung „Keine Waffen in Kriegsgebiete“ galt über Jahre in der öffentlichen Meinung als selbstverständlich, dass eine solche Politik eskaliert. Doch heute wird in nahezu jeder Talkshow nach dem Narrativ diskutiert: Wer gegen Waffenlieferungen ist, ist unsolidarisch mit der ukrainischen Bevölkerung. Wer widerspricht, kann bei Maischberger, Plasberg oder Will kaum noch einen Satz zuende sprechen. Die Aussage von Prof. Hackes in einer Talkshow, dass Waffenlieferungen eine ganz ungeheure Gefahr beinhalten, wird von der Bildzeitung kurzerhand als „jammervollster Schwanengesang“ abgetan.

 

Manipulation der Gefühle durch eine subjektive statt objektive Berichterstattung. So zeigen die Berichte über den russischen Raketenangriff auf Krementschuk einen zerstörten Supermarkt in Großaufnahmen. Das Leid der ukrainischen Opfer der russischen Brutalität wird in Nahaufnahme gezeigt. Schnitt. Nun kommen im TV stets Politiker der NATO, die in Endlosschleife beteuern, nur wegen diesem Leid Russland eine Niederlage beibringen zu wollen. So soll eine Kausalität hergestellt werden: Ursache: Leid – Folge: NATO-Taktik. Doch warum nehmen dann dieselben Politiker ohne jedes Zeichen der Rührung hin, in welchem Leid Kurden unter den türkischen Luftangriffen oder Menschen in Ostafrika unter Hunger und Dürre leben? Natürlich gehören zur Kriegsberichterstattung die Auswirkungen auf die Massen. Doch die Motive der Kriegsparteien werden systematisch ausgeblendet. Auffällig ist der Unterschied zur damaligen Berichterstattung über den Afghanistan-Krieg. So sah man z.B. den brutalen Luftangriff der Bundeswehr in Kundus auf fast 100 Zivilisten nur in abstrakten Luftbildern.

 

Der Ukrainekrieg und die offene Krise des imperialistischen Weltsystems

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Mit interaktiven Anmerkungen

Die Ursachen des Kriegs werden auf die Person Putins fokussiert. So belehrt uns der britische Noch-Premier Boris Johnson, dass die einzige Ursache für den Ukrainekrieg Putins „toxische Männlichkeit“ sei. Diese Logik fiele leider auf ihn selbst zurück, nachdem bekannt wurde, dass auf der letzten Weihnachtsfeier in der Downing Street 10 der „Sexist des Jahres“ geehrt wurde und die Auswahl schwer fiel, da 56 Abgeordneten sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen wird. Doch selbst beim Erzfeind Putin wird das Wesen der Sache vertuscht: Dass Putin nämlich im Interesse des russischen Monopolkapitals handelt. Vielmehr werden immer wieder Hoffnungen in Oligarchen geweckt, dass diese sich eines Tages gegen Putin richten. Auch der russische Angriffskrieg ist nur die Fortsetzung seiner Politik mit anderen Mitteln – eben jener Politik, mit der die NATO noch vor wenigen Jahren eine freundschaftliche Zusammenarbeit heuchelte.

 

Mittels kontinuierlich verbreitetem Antikommunismus wird ständig zwischen Putin und dem Kommunismus ein unlösbarer Zusammenhang behauptet. Putin war jedoch noch nie ein Kommunist und bezeichnet sich auch selbst nicht als solchen. Doch das interessiert die westlichen Meinungsmacher nicht.

 

Teil der psychologischen Kriegführung ist ebenfalls ein extremer Personenkult um den ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Wie ein Social-Media-Star inszeniert, wurde ihm in wenigen Wochen in mindestens zwölf Parlamenten weltweit mit Standing Ovations gehuldigt. Kein Wort mehr von seiner reaktionären Gesinnung, der Korruption unter seiner schützenden Hand, seinem sinkenden Stern im Ansehen der Bevölkerung bis zu Kriegsbeginn.

 

In der psychologischen Kriegführung spielen Begriffsbildungen eine essenzielle Rolle. Putin leugnet natürlich den imperialistischen Charakter seines Angriffs, sondern bezeichnet ihn als „militärische Sonderoperation“. Der Sprachwissenschaftler Martin Wengeler von der Uni Trier kritisiert im SWR, dass der Krieg in Afghanistan von 2001 an über Jahre hinweg als „Friedensmission“ bezeichnet wurde – erst nach acht Jahren gestand Minister Guttenberg 2009 ein, dass es um „kriegsähnliche Zustände“ ginge. Folglich fliehen Menschen aus Afghanisten auch aus einem „sicheren Herkunftsland“, denn schließlich herrscht dort kein Krieg. Wengeler: „Die einen haben gesagt: … wir sollten offen sagen, wie es ist, während die andere Seite lange darum gerungen hat: wie kann ich das so nennen, dass ich Zustimmung erziele.“ So im Westen wie im Osten.

 

Gleichzeitig bekommen sie zunehmend Probleme mit ihrer psychologischen Kriegführung. So glauben etwa immer weniger Menschen, dass die Inflation vom Ukrainekrieg kommt. Es entwickelt sich, nicht zuletzt mit Unterstützung der Widerstandskomitees und der MLPD eine Diskussion um Lohnnachschlag in den Betrieben. Nicht nur weil die Kollegen mehr Geld brauchen, sondern auch als bewusster Kampf gegen die offen imperialistische Außen- und Militärpolitik der Bundesregierung und das Abwälzen der Krisen- und Kriegslasten auf die Massen.