48-Stunden-Streik

48-Stunden-Streik

„Wir sind der Hafen!“ - Scharfer Protest gegen erzwungene Friedenspflicht in Hamburg

Der aktuelle 48-Stundenstreik ist nach den 24-Stundenstreiks am 9. und 23. Juni der dritte und längste gewerkschaftliche Tarifstreik der Hafenarbeiter seit 44 Jahren! Ver.di verlangt für die 12 000 Hafenarbeiter unter anderem einen nicht näher bezifferten „tatsächlichen Inflationsausgleich“ sowie eine Erhöhung der Stundenlöhne um 1,20 Euro bei einer Laufzeit von 12 Monaten.

Von MLPD Hamburg
„Wir sind der Hafen!“ - Scharfer Protest gegen erzwungene Friedenspflicht in Hamburg

Zuletzt hatte der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) 9,6 Prozent für die konventionellen Betriebe bei einer Laufzeit von 24 Monaten angeboten. „4,8 Prozent auf 12 Monate? Das ist ein Witz und nicht zu akzeptieren“, so ein Hafenarbeiter. Die Hafenarbeiter sind kampfentschlossen und nutzen den Druck, der durch den Stau von nichtentladenen Schiffen für die Unternehmen entsteht. Die Verhandlungsführerin des ZDS, Ulrike Riedel, nannte den Streikaufruf angesichts der zu Lasten von Verbrauchern und Unternehmen gestörten Lieferketten „unverantwortlich“ und verwies auf aktuelle Tarifabschlüsse in anderen Branchen mit „teilweise deutlich niedrigeren Konditionen.“

 

„Unverantwortlich“ ist, dass der Lohn der Hafenarbeiter für ihre schwere Arbeit viel zu niedrig ist und die Hafenarbeiter wegen der steigenden Inflation hunderte Euro real weniger in der Tasche haben. Gestern Abend, am 14. Juli 2022, erwirkte der Unternehmerverband in Hamburg, dass ver.di bis zum 26. August 2022 zu keinem weiteren Warnstreik in Hamburg aufrufen darf. Die Empörung war enorm und prägte auch heute die Demonstration von geschätzt 5.000 Hafenarbeiterinnen und Hafenarbeitern aus Emden, Wilhelmshaven, Brake, Bremerhaven, Bremen und Hamburg. Es war jedem klar: Wenn der größte Hafen aus der Streikfront rausgehalten wird, schwächt es die gesamte Kampfkraft.

 

„Wir sind der Hafen“ war nicht nur einfach dahin gesagt, viele Kollegen hatten sich auf den Weg nach Hamburg gemacht. Ob es die Kollegen aus Bremerhaven waren, die mitten in der Nacht mit dem 9-Euro-Ticket anreisten oder die Kollegen, die von ihrem Nachtschichtstreikposten ansatzlos auf die Demo kamen. Gänsehaut hatten viele und drückten das auch so aus.

 

Gleich zu Anfang gab es Grußworte u. a. von Vertrauensleuten / Kollegen von Airbus, vom Frauenverband Courage und auch das Grußwort aus den Niederlanden von „De Volle Lading“ (Zeitung von und für Hafenarbeiter in Rotterdam und anderen niederländischen Häfen). Alle wurden vom ver.di-Lautsprecherwagen vorgetragen. Auch aus anderen Bereichen wie Daimler Bremen und vom Uni-Klinik-Streik kamen Vertreter und drückten am ver.di Mikrofon ihre Solidarität aus. Schon vorher hatte ein Vertrauensmann aus dem Hafen Hamburg auf den Uni-Klinik-Streik hingewiesen. Kollegen von der Hamburger Hochbahn konnten auf der Abschlusskundgebung ebenfalls ihre Grüße entrichten. Das zeigte eine enorme Breite und Offenheit über die eigene Branche hinaus, die Solidarität zu organisieren. Einige Kinder der Hafenarbeiterfamilien demonstrierten mit. Am offenen Mikrofon gefragt warum, war die einfache Antwort: „Weil mein Papi Hafenarbeiter ist!“

 

Für eine Unterschriftenliste zur Solidarität mit den griechischen Cosco-Arbeitern unterschrieben 31 Kollegen. Die MLPD Hamburg verteilte die Erklärung der Landesleitung Nord zum Hafenarbeiterstreik.

 

Als die Einsatzkräfte der Polizei am Schluss dachten, sie könnten den Hafenarbeitern eins auswischen, hatten sie sich gründlich verrechnet. Auf den Ruf „Wir sind der Hafen!“ drängte eine Wand entschlossener Hafenarbeiter die Polizei zurück. Dass das Hamburger Abendblatt daraus eine Räuberpistole wegen ein paar Böllern und Pyros machen will, wird dem Blatt nicht helfen. Ein Kollege zog das Fazit: „Jetzt wissen wir wo die Polizei und der Staat steht – nicht auf unserer Seite!“ So klar die Ablehnung war – so viel Unklarheiten herrschen noch darüber, dass es eben kein Grundrecht auf Streik gibt, sondern nur ein Zugeständnis für Tarifkampfmaßnahmen. Wie schnell das gekippt werden kann, sieht man gerade. Darum ist die Forderung nach einem allseitigen und vollständigen gesetzlichen Streikrecht eben hochaktuell – gerade wenn Streiks große Wirkung zeigen und Sympathien haben!