Zwickau

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Metall-Tarifrunde: Vorsicht vor Neben- und Abstellgleisen!

Nach zwei Jahren fand am 30. Juni endlich wieder eine Präsenz-Betriebsversammlung im VW-Fahrzeugwerk Zwickau statt.

Korrespondenz

Über 4000 Kolleginnen und Kollegen der Früh- und Normalschicht beteiligten sich. Viele waren froh, die Gemeinschaft zu spüren. Die IG Metall-Tarifrunde war direkt und indirekt Gegenstand einiger Redebeiträge: VW-Markenvorstand Vollmer begründete ausführlich, „man“ (also die Konzern-Belegschaft!) müsse die Finanzierung für den Umbau zur Elektromobilität in den nächsten 15 (!) Jahren erst mal finanzieren. Auf deutsch: Rendite steigern, Produktivität erhöhen, Kosten senken, andere Autokonzerne ausstechen - ohne Rücksicht auf deren Belegschaften -, fleißig arbeiten. Tarifabschlüsse müssten sich 'einordnen'. Aha. Der 1.Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, Thomas Knabel sprach von kraftvoller Tarifrunde und berechtigten Forderungen, blieb aber deutlich undeutlich, um dann die Vorstandempfehlung von 8% Prozent einzuflechten – dünner Beifall. Hatte es nicht eben geheißen, dass VW in den letzten beiden Jahren die Gewinne bei kleiner werdenden Volumen an produzierten Fahrzeugen jeweils gesteigert hat?! Gleichzeitig wurde geworben, die Unterschriftensammlung („Krisengewinne abschöpfen, Gaspreise deckeln-Strompreise senken Alle entlasten. Sozial gerecht, auch im kommenden Jahr“) zu zeichnen. Gefühlt: Neben- und Abstellgleise, statt Volldampf zur Durchsetzung einer (nötig zweistelligen) Forderung in einer kämpferischen Tarifrunde. Sollen uns die ganz „normalen“ Gewinne gar nicht mehr interessieren? Sollen wir schon vor der Tarifrunde ein Einsehen haben, dass da nicht 'viel drin' ist und an die Regierung appellieren, statt zu kämpfen? Was heißt eigentlich „alle“ entlasten statt umsatzbezogene Steuer zu Finanzierung der Sozialbeiträge auf Kosten der Profite? Wachsende Staatsverschuldung landet via Inflation, Massensteuern usw. schon jetzt auf unseren Rücken. Dagegen braucht es auch selbständige Streiks um Lohnnachschlag.