documenta 15

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Antisemitismusvorwürfe sollen ablenken

Am Rande der documenta 15 sprach ein Kollege aus Kassel gleich zu Beginn der Ausstellung mit Ahmed und Ahmed von der Palästinensischen Gemeinde Kassel und der Palästinensischen Gemeinde Frankfurt zu den Antisemitismusvorwürfen gegen die Ausstellung und zur Lage in Palästina.

Interview mit Vertretern der Palästinensischen Gemeinde
Antisemitismusvorwürfe sollen ablenken
Ahmed aus Kassel und Ahmed aus Frankfurt am Main von der Palästinensischen Gemeinde (rf-foto)

Ihr seid hier, um Euch mit den von „Antideutschen“ mit Antisemitismusvorwürfen diskreditierten Kuratoren der documenta 15 zu solidarisieren. Warum ist das wichtig?

 

Ahmed (Kassel): Wir finden es wichtig, dass wir den „Antideutschen“ keine Plattform für falsche Vorwürfe bieten. Diese Antisemitismusvorwürfe haben keine Grundlage und kommen ausschließlich von zwei Personen, die dieses "Bündnis gegen Antisemitismus" darstellen. Sie bezeichnen andauernd alles mögliche als Antisemitismus: Wassermangel in Gaza anzusprechen ist für diese Leute Antisemitismus; Reisefreiheit für Palästinenser ist Antisemitismus usw. Leider bietet die deutsche Presse diesen beiden Personen eine immense Plattform, die sie gar nicht verdient haben. Was hat es mit Antisemitismus zu tun, wenn wir die Lebensumstände und das Leiden der Menschen in Palästina ansprechen?

 

Ahmed (Frankfurt): Es ist ein Grundrecht von Künstlern und allen Menschen, eigene Meinungen zu äußern. Und es ist notwendig, Israel zu kritisieren. Es ist ein Land wie jedes andere, aber seine Vorgehensweise gegen die Palästinenser wird kaum beachtet, weil jede Stimme, die Israel kritisiert, mit Antisemitismus in Verbindung gebracht wird. Dagegen wehren wir uns.

 

Diese Hetze wurde losgetreten, während in Palästina israelische Bulldozer Häuser niederreißen….

 

Ahmed (Kassel): Das war schon immer so. Immer, wenn das Militär Menschen vertreibt und Häuser zerstört, wird versucht, davon abzulenken. Gerade hat der Oberste israelische Gerichtshof entschieden, 20.000 Familien zu vertreiben. Keiner redet darüber, weil immer davon abgelenkt wird. Tagtäglich sterben Menschen, passiert Gewalt durch Siedler, Polizei und Militär. Ca. 450 Kinder unter 16 Jahren sind im Gefängnis.

 

Ahmed (Frankfurt): Heute werden Opfer als Täter dargestellt und die Täter stehen da wie Friedenstauben.

 

Wie seht ihr den Stand der Debatte?

 

Beide: Wir hoffen, dass es diesen Nebeneffekt gibt und das Ruangrupa, die documenta und vor allem das palästinensische Künstlerkollektiv mehr Besucher und Echo bekommen. Wir hoffen, dass sich die Menschen mehr mit all dem beschäftigen.

 

Danke für das Gespräch und noch viel Erfolg weiterhin.

 

(gekürzt)