Argument

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Länger arbeiten aus "Solidarität mit den Armen"?

"Der Fachkräftemangel ist so bedrohlich, dass wir wahrscheinlich in den nächsten zehn Jahren einen Wohlstandsverlust hinnehmen müssen", sorgt sich Rainer Dulger, Chef des Monopolverbands BDA.

Korrespondenz auf Gelsenkirchen

Dabei denkt Herr Dulger bei "Wohlstandsverlust" nicht etwa an sinkende Profite der deutschen Monopole. Nein, ganz selbstlos ist seine größte Sorge: "Der Staat könnte sich dann nicht mehr die Hilfen von heute für Arme und Bedürftige leisten."¹

 

Und dagegen muss natürlich etwas getan werden. Neben der erleichterten Zuwanderung von benötigten Fachkräften sieht Dulger vor allem eine Lösung: Länger arbeiten. Er spricht sich für eine "Dynamisierung des Renteneintrittsalters"² aus – auf Deutsch: Wir sollen ganz nach den Bedürfnissen des Kapitals bis 70, 75, 80 Jahre arbeiten. Alles natürlich nur aus Solidarität mit den "Armen und Bedürftigen"!

 

Nein Herr Dulger, dieses Märchen der "Solidarität" nimmt Ihnen keiner ab. Länger arbeiten – ob Verlängerung der Lebensarbeitszeit oder der Wochenarbeitszeit, wie es derzeit unter anderem Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel fordert – hilft nicht den "Armen und Bedürftigen", sondern steigert nur die Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter und die Profite der Monopole.

 

Dagegen hat die MLPD in ihrem sozialpolitischen Kampfprogramm vom Arbeiterstandpunkt aus wirksame Forderungen zur Bekämpfung der wachsenden Armut aufgestellt. Unter anderem: Höhere Löhne und Sozialleistungen, 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, umsatzbezogene Sozialsteuer für die Unternehmen, höhere Steuern für Großunternehmen und große Vermögen usw. Dazu gehört übrigens auch die Forderung nach einer Ausbildungsquote von mindestens zehn Prozent der Beschäftigten in der Großindustrie – wäre das nicht ein Tipp für Herrn Dulger gegen den "Fachkräftemangel"?

 

Gegen den "Wohlstandsverlust" der Arbeiterinnen, Arbeiter und breiten Massen durch die massiv steigende Inflation gilt es aktuell vor allem, in den Betrieben den selbständigen Kampf um Lohnnachschlag aufzunehmen! Auch wenn das wiederum Herrn Dulger gar nicht gefallen wird …

 

Hier geht es zum sozialpolitischen Forderungs- und Kampfprogramm der MLPD