Flughafen Frankfurt

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Personalmangel, Qualitätsmängel und Chaos

Unter dem Motto „Personalmangel, Qualitätsmangel und Chaos am Flughafen - Verantwortlich sind die Flughafenchefs“ hat eine Gruppe „Flughafen ArbeiterInnen“ am 23. Juli 2022 zu einer ersten Protestaktion aufgerufen.

Korrespondenz
Personalmangel, Qualitätsmängel und Chaos
Arbeiterinnen und Arbeiter protestieren gegen miserable Arbeitsbedingungen am Frankfurter Flughafen (rf-foto)

Im Terminal 1 beteiligten sich ca. 40 Kolleginnen und Kollegen an der Aktion. Die Presse war vielfältig vertreten.

 

Die in Schlangen wartenden Urlaubsreisenden erfuhren von den unmenschlichen Ausbeutungsbedingungen, denen die Arbeiterinnen und Arbeiter ausgesetzt sind. Lufthansa und der Flughafenbetreiber Fraport haben in der Corona-Zeit bis zu 8.000 Arbeitsplätze vernichtet. Insbesondere wurden viele Leiharbeiter einfach nach Hause geschickt. In bewegenden Beiträgen am offenen Mikrofon berichteten die Kolleginnen und Kollegen über ihre Arbeitsbedingungen, ständige Überlastung, Überstunden, kurzfristige Einbestellung für ab 2-Stundenschichten an wechselnden Arbeitsplätzen, Hungerlöhne und oftmals kriegen sie den Unmut der Reisenden ab.

 

Das Lohnniveau ist laut ver.di dermaßen schlecht, dass 20% der Beschäftigten vom Mindestlohn betroffen sind. In einem Beitrag wurde kritisiert, dass 100 Mrd. für die Rüstungsindustrie da sind, für die Arbeiterfamilien jedoch nur Tropfen auf den heißen Stein, mit dem Versuch, den Unmut zu beruhigen.

 

Die Flughafenarbeiterinnen und -arbeiter lehnen die geplante kurzfristige Anwerbung von Arbeitern aus der Türkei ab. Sie forderten u.a. feste Neueinstellungen, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Entschädigung für die Passagiere etc. Das sind berechtigte Anliegen. Diese Forderungen können in konkreten Kämpfen durchgesetzt werden, Leiharbeit und Arbeitsplatzvernichtung sind aber im Kapitalismus nicht grundsätzlich zu verhindern.

 

In Diskussionen besteht eine Verunsicherung über die Ursachen der verschärften Angriffe auf die Arbeiter. Wir machten deutlich, dass die Kollegen sich über die gesellschaftlichen Ursachen und Zusammenhänge von Inflation, den Ukrainekrieg und Vorbereitung eines Dritten Weltkrieges einen eigenen Durchblick verschaffen müssen. Dass es einen Zusammenhang von Krieg und Abwälzung der Kriegslasten auf die Masse der Bevölkerung gibt, spüren viele, wobei aber die Vorbereitung aller imperialistischen Länder auf den Dritten Weltkrieg umstritten ist. Zwei junge Arbeiterinnen kauften bewusst die Broschüre „Der Ukrainekrieg und die offene Krise des imperialistischen Weltsystems“, weil sie merkten, sie haben so viele offene Fragen. Das Argument, dass ihnen niemand abnehmen kann, sich einen klaren Standpunkt zu erkämpfen, überzeugte sie.