Wirtschaftskrieg

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Supergewinne indischer Übermonopole durch Ölgeschäft mit Russland

Über „einen Gewinnsprung von 46,3 Prozent im Juni-Quartal“ auf 2,25 Mrd. $ jubelte das indische Übermonopol „Reliance Industries Ltd“ am 22. Juli. Die Nachrichtenagentur Reuters vom 22. Juli nannte ganz offenherzig die Gründe dafür in einem bemerkenswerten Ringtausch zwischen den beiden Neuimperialisten Russland und Indien zum einen und der EU zum anderen:

Korrespondenz aus Solingen

„Reliance entwickelte sich zu einem der wichtigsten Abnehmer von verbilligtem russischem Rohöl, nachdem einige westliche Abnehmer nach Moskaus Einmarsch in der Ukraine Ende Februar einen Bogen darum gemacht hatten. Der private Raffineriebetreiber steigerte im Laufe des Quartals auch die Treibstoffexporte, insbesondere in europäische Länder, die aufgrund der Sanktionen gegen Russland mit Engpässen zu kämpfen haben.“ Russland verkauft sein Öl deutlich verbilligt (angeblich um 30 %) an indische Monopole, die das Rohöl raffinieren und dann wiederum mit einer üppigen Gewinnspanne nach Europa weiterverkaufen.

 

Die „Reliance Industries Ltd“ ist das größte indische Privatunternehmen mit Sitz in Mumbai und an der Börse notiert. Seine Schwerpunkte sind die Erdölgewinnung, Erdgasgewinnung (aus dem indischen Ozean ),  Erdölraffinerien. Ihm gehört die weltweit größte Raffinerie in der Sonderwirtschaftszone Jamnagar. Es liegt unter den 500 größten Übermonopolen auf Platz 155 der Fortune-Liste „Gobal 500“ von 2021.  International verflochten ist es mit anderen großen Ölmultis – so durch ein Joint Venture mit BP und einen hohen Kapitalanteil der saudiarabischen Aramco, des inzwischen weltweit nach Marktkapitalisierung wertvollsten Unternehmens. Verschiedene neuimperialistische Länder nutzen den Ukrainekrieg, um selbst an Macht und Einfluss dazuzugewinnen.

  • Die westlichen Sanktionen können unter den Bedingungen der internationalisierten Produktion das neuimperialistische Russland nicht maßgeblich schwächen.
  • Andere Neuimperialisten wie Indien werden zu zeitweiligen Verbündeten von Russland und Kriegsgewinnlern.
  • Leidtragende sind unter anderen die indischen Volksmassen. Denn die indischen Ölmonopole verkaufen das Öl jetzt unter den Kriegsbedingungen zu Maximalprofiten auf dem Weltmarkt, statt wie bisher unter den Weltmarktpreisen im Inland.
  • Die EU als Abnehmer des in Indien raffinierten russischen Öls gerät zumindest teilweise in Widerspruch zu den Interessen des US-Imperialismus.
  • „Mit der Ukrainekrise kulminiert der zwischenimperialistische Konkurrenzkampf um die Energie- und Rohstoffbasis.“ Diese Aussage aus der Broschüre „Der Ukrainekrieg und die offene Krise des imperialistischen Weltsystems“ bestätigt sich einmal mehr.