Bundesbahn

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Warum werden nur drei Waggons angehängt, wo die Lokomotive sechs ziehen könnte?

Mit dem 9-Euro-Ticket fuhren wir aus dem Urlaub zurück von Brandenburg ins Ruhrgebiet. Die meisten Züge, mit denen wir fuhren, waren hoffnungslos überfüllt.

Von lg
Warum werden nur drei Waggons angehängt, wo die Lokomotive sechs ziehen könnte?
Polizeieinsatz am Zug (rf-foto)

Ein Mitfahrer auf einer Teilstrecke berichtete uns, dass die Lokomotive ohne Probleme fünf oder sechs Waggons ziehen könnte, jedoch anders als früher nur drei angehängt waren. Das mitten in der Urlaubszeit, bei über 30 Grad und während das 9-Euro-Ticket zur Verfügung steht.

 

Entsprechend dicht gedrängt standen die Leute. Das ging so weit, dass an mehreren Bahnhöfen Polizisten der Landespolizeihundertschaft in voller Montur den Zugang zum Zug kontrollierten (siehe Foto) oder Mitfahrende aufforderten, den Zug wieder zu verlassen. Während unser Zug deshalb bei Braunschweig 30 Minuten stehen blieb, fuhr mit freier Fahrt ein Güterzug mit frisch gebauten VW-Autos vorbei.

 

Die Deutsche Bahn setzt die Polizei so unmittelbar gegen die Bahnfahrenden ein, um ihre massenfeindliche Politik beim ÖPNV weiterführen zu können. Ich forderte die Polizisten auf, sich doch lieber einmal so bei der Deutschen Bahn blicken zu lassen, wegen der fahrlässigen Überfüllung der Züge durch zu lange Taktzeiten und zu wenige Waggons. Auch sind Umbaumaßnahmen in manchen Bahnhöfen notwendig. So sind die Treppenaufgänge in Braunschweig dermaßen eng, dass man sich schon an das Unglück bei der Loveparade in Duisburg erinnert fühlte. Ein Mitfahrer: "Wenn hier eine Panik ausbricht, gibt es Tote."

 

Im letzten Zug eskalierte die Situation, als in der 2. Klasse alle wie die Sardinen nebeneinander standen, dazwischen Kinderwagen, Rollatoren und so weiter. Die 1. Klasse dagegen war komplett leer. Doch die Angestellten versicherten uns, sie dürften die 1. Klasse nicht freigeben. Würden wir die Gänge nicht frei machen, würden wir alle Bußgeld bezahlen müssen und sie würden die Polizei holen, damit wir den Zug verlassen. Wir protestierten zu mehreren.

 

Ein Kollege der Linkspartei wurde dabei fälschlicherweise ausfällig gegen die Angestellten, woraufhin diese die Polizei holten und ihn aus dem Zug entfernen ließen. Ich meldete mich als Zeuge. Denn die Situation war wie ein Sinnbild: Überfüllte und unwürdige Bedingungen in der 2. Klasse, wer Freigabe für die 1. Klasse forderte, wurde eingeschüchtert und bedroht. Schließlich wurde unserer Forderung nachgegeben und die 1. Klasse faktisch freigegeben.