Expoldierende Energiekosten

Expoldierende Energiekosten

Wintershall Dea verdient an steigenden Gaspreisen¹

Geschätzte 93 Mrd. Euro haben die Energieexporte in den ersten hundert Tagen des Ukraine-Kriegs in die Staatskasse Putins gespült, 60 Prozent davon aus Europa. Trotz Lieferückgangs steigert Putin die Einnahmen wegen steigender Energiepreise. Doch nicht nur Putin verdient daran.

Von gp

Europas größter unabhängiger Energieproduzent, die deutsche Wintershall Dea verdient Rekordsummen durch den Verkauf russischen Gases. Wintershall Dea ist eine 70-prozentige Tochter der BASF. BASF hat im zweiten Quartal mit einem operativen Ergebnis von 2,34 Mrd. Euro trotz gestiegener Energiepreise einen satten Gewinn eingefahren. Ein Großteil davon, nämlich 1,3 Mrd. Euro, fallen auf die Tochter Wintershall Dea. Von den 1,3 Mrd. Euro gehen 850 Mio. Euro auf das Russlandgeschäft. Wintershall Dea fördert nämlich zusammen mit dem russischen Gaskonzerne Gasprom Gas in Westsibirien.

 

Dies geht auf einen Deal zwischen Wintershall Dea und Gasprom zurück, der bereits 2013 eingefädelt und dann – verzögert wegen der Krim-Annexion durch Russland - 2015 abgeschlossen wurde. Der Deal sah so aus: Wintershall Dea trat den größten deutschen Gasspeicher in Rhede an Gasprom ab und bekam dafür Anteile an Gasfeldern in Sibirien. Mit dem BASF-Deal bekam Gazprom Zugriff auf rund ein Viertel der deutschen Gasspeicher.

 

2015 schrieb der damalige BASF-Chef Kurt Bock an den damaligen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und drängte auf einen schnellen Abschluss des Deals, ohne neue Genehmigung. Gabriel unterschrieb und genehmigte noch dazu eine Bürgschaft von 1 Mrd. Euro. Putin und Gasprom versprachen sich von der Zusammenarbeit mit BASF und Wintershall Dea „eine stärkere Lobbyarbeit“ und einen „besseren Schutz vor Sanktionen.“

 

Putin die alleinige Schuld an den steigenden Gaspreisen zu geben, ist Teil der psychologischen Kriegsführung und nimmt die deutschen Monopole aus der Schusslinie.