Polizei und Behörden versagten ihr jeglichen Schutz

Polizei und Behörden versagten ihr jeglichen Schutz

Lisa-Maria Kellermayr: Mahnwache wird Protestdemonstration

Am Montag gedachten in Wien 3000 Menschen mit einer Mahnwache, die zur Protestdemonstration wurde, der oberösterreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr. Die junge Frau, sie war 36 Jahre alt, wusste keinen anderen Ausweg mehr: Sie hat sich am 29. Juli 2022 das Leben genommen.

Von gis

Monatelang war sie dem Psychoterror von Folter- und Morddrohungen ausgesetzt. Die Drohungen kamen per E-Mail, Whatsapp und Facebook. Aber auch persönlich tauchten einige der Hetzer in ihrer Praxis auf, gaben vor, ärztlich behandelt werden zu wollen und nahmen Handy-Videos ihres Praxisbetriebs auf. Kellermayr hatte als Ärztin Corona-Erkrankte behandelt und sich öffentlich für mehr Gesundheitsschutz und eine Corona-Impfpflicht eingesetzt.

 

Im November 2021 kritisierte sie, dass eine Demonstration von Impfgegnern den Haupteingang zu einem Klinikum in Wels und auch die Rettungsausfahrt des Roten Kreuzes blockiert hätten. Die Polizei nannte den Tweet der Ärztin eine Falschmeldung: Eine zweite Zufahrt sei für Krankenwagen verfügbar gewesen. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Ärztin in den sogenannten Social Media beschimpft und bedroht. Sie bat Behörden und Polizei um Hilfe. Diese wurde ihr demonstrativ verweigert. Der österreichische Fernsehsender „Puls 24“ zitiert aus einem Aktenvermerk der oberösterreichischen Polizei: „Insgesamt wurde zunehmend der Eindruck gewonnen, dass Frau Dr. Kellermayr sich über verschiedene Schienen bemüht, die öffentliche Wahrnehmung ihrer Person zu erweitern, indem sie Druck auf die Ermittlungsbehörden ausübt.“ Der Pressesprecher der LPD sagte, sie wolle nur ihr eigenes Fortkommen befördern. Kellermayr engagiert einen bewaffneten Wachmann für ihre Praxis, installiert Sicherheitstüren. Ende Juni 2022 schloss sie ihre Praxis zunächst vorübergehend, dann endgültig. Selbst posthum wird die Ärztin verhöhnt.

 

Nach einigem Zögern ermitteln österreichische und deutsche Behörden inzwischen in der faschistoiden Impfgegnerszene. Heute wurden bei einer Hausdurchsuchung bei einem Verdächtigen in Fürstenfeldbruck (Oberbayern) Datenträger mit wüsten Drohbriefen an die Ärztin gefunden. Man beobachte sie, werde sie finden und "Kreaturen wie Sie" mit allen Mitteln verfolgen.

 

Politikerinnen und Politiker zeigen sich bestürzt, darunter der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Absurd ist angesichts der konkreten Vorkommnisse die Forderung des Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz: Die Ermittlungsbehörden müssten besser ausgestattet werden. Die Polizei, die Kellermayrs Hilferufe nicht nur ignoriert, sondern verhöhnt hat, besser ausstatten? Nein, die Forderung muss sein, die Drohungen gegen die Ärztin lückenlos aufzuklären und unnachgiebig zu bestrafen. Ebenso das Verhalten der Polizei konsequent aufzudecken und die Verantwortlichen aus dem Amt zu entfernen. Und schließlich alle faschistischen Organisationen, aus denen die Drahtzieher der sogenannten Querdenker stammen, zu verbieten.