Selbständige Streiks gegen die Vorbereitung eines Dritten Weltkriegs

Selbständige Streiks gegen die Vorbereitung eines Dritten Weltkriegs

Das hätte Willi Dickhut geantwortet

Warum legt die MLPD so großen Wert auf die Frage selbständiger Streiks um Lohnnachschlag? Ist das nicht ökonomistisch angesichts der Gefahr eines III. Weltkriegs?

Korrespondenz aus Wuppertal
Das hätte Willi Dickhut geantwortet
Willi Dickhut (rf-foto)

Zur Bedeutung und zum Verhältnis selbständiger ökonomischer und politischer Streiks schrieb Willi Dickhut, Vordenker und Mitbegründer der MLPD, am 25. Januar 1974:

„Das setzt ein hohes Klassenbewußtsein – über das gewerkschaftliche Bewußtsein hinaus – voraus, was nicht von heute auf morgen erreicht werden kann. Die Entwicklung der selbständigen Kämpfe zu Klassenkämpfen (obwohl sie in ihrer Gesamtheit schon Klassenkampf bedeuten), kann nur stufenweise erfolgen: ökonomische Streiks, ökonomisch-politische Streiks, politische Massenstreiks, verbunden mit Massendemonstrationen und Kundgebungen“. (Aus: „Briefwechsel zu Theorie und Praxis des Parteiaufbaus“, Seite 95/96)

Am 3. April 1973 schrieb Willi Dickhut:

„Die Arbeiterklasse kann den politischen Kampf um die Macht nicht in dem reformistischen Rahmen des gewerkschaftlichen Kampfes vorbereiten und durchführen. Sie muss gegebenenfalls diesen reformistischen Rahmen der Gewerkschaften durchbrechen und zu selbständigen Kämpfen übergehen(…).

 

An diese selbständigen Kämpfe müssen die Arbeiter herangeführt werden, und zwar muss da angefangen werden, wo es am leichtesten möglich ist, an der ökonomischen Front. In den früheren Jahren waren fast alle Streiks von Gewerkschaften geführt, das heißt, sie standen unter Führung der Gewerkschaftsbürokratie. Erstmals durchbrachen im September 1969 die Arbeiter diese Tradition und gingen zu selbständigen Kämpfen über zur Durchsetzung rein ökonomischer Forderungen.

 

Dennoch hatten diese Streiks große politische Bedeutung, weil es in der BRD kein Streikrecht gibt. Das Grundgesetz garantiert nur ein Koalitionsrecht, aber nicht das Streikrecht. Es besteht nur eine nicht gesetzlich verankerte Übereinkunft, daß gewerkschaftliche Streiks um Tariffragen stillschweigend anerkannt werden, nicht aber politische Streiks der Gewerkschaften. Somit richtet sich jeder Streik, der den reformistischen Rahmen der Gewerkschaften durchbricht, mittelbar gegen die staatliche Ordnung. Da diese selbständigen ökonomischen und politischen Kämpfe nur unter Führung der revolutionären Arbeiterpartei zu revolutionären Aktionen führen können, müssen sie von den Kommunisten propagiert und vorbereitet werden. Das ist aber ein Prozess der Verwandlung bisheriger gewerkschaftlicher Kämpfe in selbständige. Diese Entwicklung zu selbständigen politischen Kämpfen kann nur über den Weg der selbständigen ökonomischen Kämpfe vor sich gehen, denn die Arbeiter müssen an diese Kampfformen herangeführt und gewöhnt werden. Dazu bietet gegenwärtig der Kampf um Erhöhung der übertariflichen Löhne eine günstige Gelegenheit“ (Aus: „Briefwechsel zu Theorie und Praxis des Parteiaufbaus“ Seite 59/60)

 

Das schrieb Willi in den Anfängen des Parteiaufbaus. Es war eine große Hilfe des erfolgreichen Parteiaufbaus. Heute verfügt die MLPD über eine Fülle praktischer Kampferfahrungen, die sie auch theoretisch verarbeitet hat.


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