Leserbrief zum Fernsehtipp: „Arte“-Dokumentation: „Hiroshima - Stalins Niederlage“

Leserbrief zum Fernsehtipp: „Arte“-Dokumentation: „Hiroshima - Stalins Niederlage“

Diese Aussage halte ich für falsch

„Eine Dokumentation die sich lohnt“ - diese Aussage halte ich für falsch. Richtig ist, das dort aufgezeigt wird, das nicht der Abwurf der Atombomben der Grund für die Kapitulation Japans war, sondern der Einmarsch der Roten Armee in die Mandschurei. Truman hat Stalin am Rande der Potsdamer Konferenz darüber informiert, dass die USA über eine neue Waffe mit ungewöhnlicher Zerstörungskraft verfügen.

Korrespondenz aus Sonneberg

In der Dokumentation wird daraufhin die Behauptung aufgestellt, dass Stalin folgende Bemerkung gemacht habe: Er freue sich, diese Nachricht zu hören und hoffe die Amerikaner würden diese Waffe gegen die Japaner nutzbringend einsetzen. Das ist eine Lüge und dient dazu, das damalige Ansehen der Sowjetunion in den Dreck zu ziehen. Es entsteht der Eindruck Stalin hätte einen Abwurf befürwortet und das macht die Dokumentation meiner Meinung nach zum Werkzeug der antikommunistischen Geschichtsfälschung.

 

Der amerikanische Präsident und der britische Premierminister hofften, mit der Atombombe den Krieg gegen Japan schneller beenden und dem sowjetischen Vormarsch auf Japan zuvorzukommen, sowie durch ihren alleinigen Besitz zugleich über ein mächtiges Druckmittel in den Verhandlungen mit der Sowjetunion zu verfügen - das ist ihnen nicht gelungen.

 

So schreibt Churchill in seinen Memoiren über die Reaktion von Stalin nachdem ihn Truman informierte: „Es war ungemein wichtig, die Wirkung abzuschätzen, die diese umwälzende Neuigkeit auf ihn ausübte. Ich sehe alles vor mir, als wäre es gestern gewesen. Eine neue Bombe! Von unerhörter Sprengkraft! Vermutlich kriegsentscheidend gegen Japan! Welcher Glücksfall! Das war mein im Moment gewonnener Eindruck, und so war ich überzeugt, dass ihm die Bedeutung dessen, was ihm gesagt wurde, völlig entging. Die Atombombe hatte im Rahmen seiner ungeheuren Nöte und Mühen offenbar keine Rolle gespielt. (...) Während wir auf unsere Autos warteten, fand ich mich neben Truman. 'Wie ist es abgegangen?' fragte ich. 'Er stellte keine einzige Frage', antwortete er. (Quelle: Winston S. Churchill: Der Zweite Weltkrieg. Bern 1954, S. 1095f.) Doch Churchill irrte sich gründlich, als er annahm, dass Stalin über die amerikanischen Fortschritte bei der Entwicklung der Atombombe nicht im Bilde gewesen sei.


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