Leserbrief zu Kurzmeldung „Problemzeit für Obdachlose“

Leserbrief zu Kurzmeldung „Problemzeit für Obdachlose“

Aus eigenem Erleben

Zur Kurzmeldung „Problemzeit für Obdachlose“, die am 14. August erschienen ist, erreicht die Rote Fahne Redaktion der folgende Leserbrief:

Korrespondenz aus Dresden

Das ist ein sehr wichtiger Artikel. Und das erinnert mich an ein Erlebnis dieses Jahr im Sommer: Es war Anfang Juli, und es war heiß.

 

Da bin ich durch die Stadt gelaufen, und komme dazu, wie sich ein Junge um einen reglos am Boden liegenden Mann kümmert. Selbstverständlich schau ich da auch nach, was los ist – ebenso ein junges Ehepaar. Viele andere gehen einfach vorbei.

 

Der Mann am Boden ist nicht ansprechbar und wird, nachdem wir uns schnell abgestimmt hatten, von dem Paar mittels Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Stabiler Seitenlage versorgt . Währenddessen rufe ich die 112 an und muss dann ein Gespräch führen, an das ich jetzt noch mit Grausen zurückdenke.

 

Nachdem ich nämlich, assistiert durch weitere Infos durch den Jungen, die entsprechenden Informationen durchgegeben habe (nicht ansprechbar, ungefähres Alter, keine sichtbaren Verletzungen, wie langen mindestens liegt der Mann schon da usw.) kommt von dem Mann am andern Ende des Telefons die süffisante Frage: "Ist das etwa ein Obdachloser?"

 

Im ersten Moment liegt mir auf der Zunge, zu antworten, dass das den am Telefon einen Sch...dreck angeht, weil das ein Mensch ist und nur das zählt. Ich habe mich aber beherrschen können und nur gesagt, dass ich das nicht weiß.

 

Auf jeden Fall aber habe ich mich dann, als der Rettungswagen da war, insbesondere bei dem Jungen bedankt, weil der der offensichtlich Erste war, der sich überhaupt um den Mann am Boden gekümmert hatte.


Egal, wer da hilflos am Boden liegt, ob Obdachloser oder Millionär, es ist einfach die reine Menschenpflicht, das simpelste Gebot der Humanität, da auf jeden Fall zu helfen und dieser 112-Mensch ist das sprechende Beispiel grenzenloser Voreingenommenheit.