Pogrom-Nacht vor 30 Jahren

Pogrom-Nacht vor 30 Jahren

Faschistische Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen

Dieses Jahr jähren sich die faschistischen Ausschreitungen gegen Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen zum 30. Mal. Vom 19. bis 28. August 1992 versammelte sich ein faschistischer, rassistischer Mob vor dem „Sonnenblumenhaus“, in dem damals die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber untergebracht war.

Korrespondenz aus Rostock
Faschistische Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen
Es brannte ein Haus. Wäre es nach den Tätern gegangen, hätten Menschen gebrannt ... (foto: Screenshot)

Damals wie heute berichten bürgerliche Medien darüber mit dem völlig falschen Tenor, dass die Bevölkerung von Lichtenhagen auf der Seite des faschistischen Mobs gestanden hätte. Tatsächlich wurde dieser Mob in Westdeutschland zusammengezogen, tagelang. Unter den Augen des Staatsapparats und der Behörden - die unternahmen: nichts. Als sich der Pogrom 2012 zum zwanzigsten Mal jährte, schrieb die damalige Landesleitung Nord-Ost der MLPD: "Vor 20 Jahren gingen Bilder um die Welt, von ... Angriffen auf Asylbewerber und Wohnungen vietnamesischer Arbeiter im Sonnenblumenhaus. Rostocker Menschen protestierten gegen die unmenschlichen Zustände in der völlig überfüllten Asylstelle. Neofaschisten aus ganz Deutschland missbrauchten diesen Protest für eine mörderische Jagd auf ausländische Kollegen und Asylbewerber."

 

Gegen ca. 19 Uhr warfen faschistische Kräfte Steine und Molotowcocktails. Tagelang hielten die brutalen Übergriffe auf Ausländer in Rostock-Lichtenhagen an. Politiker und Polizei griffen nicht ein.

 

Es waren Ausschreitungen mit Vorankündigung: "In der Nacht vom Samstag zum Sonntag räumen wir in Lichtenhagen auf. Das wird eine heiße Nacht", droht ein anonymer Anrufer bei der Rostocker Tageszeitung Norddeutsche Neueste Nachrichten am 19. August 1992. Und die Ostseezeitung zitiert am 21. August drei Jugendliche, die ankündigen, dass "die Roma 'aufgeklatscht'" werden sollen. "Die Leute, die hier wohnen, werden aus den Fenstern schauen und Beifall klatschen", prophezeien die drei jungen Leute. Für die Angriffe waren Faschisten aus ganz Norddeutschland angereist.

 

Rostocker Korrespondenten berichten aktuell: "Am Mittwoch, den 10. August fand ein Rundgang in Rostock-Lichtenhagen statt. Um 16 Uhr kamen verschiedene Personen am Sonnenblumenhaus auf der Wiese zusammen und sprachen über diese ganzen verheerenden Vorgänge. Wir besichtigen einen wichtigen Gedenkstein, der an diese Ereignisse erinnern soll. Wichtig war den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch die Frage, wie es dazu kam, das sich in dieser gefährlichen Lage die Polizei und Feuerwehr zurückzogen - und wer von den damaligen Politikern den Rückzugbefehl erteilt hatte, bzw. wer von denen eine Mitverantwortung trägt.

 

Da wünschen sich viele aus Rostock und Mecklenburg-Vorpommern - wie ich auch - eine lückenlose Aufklärung des ganzen Sachverhalts, die es bis heute nicht gibt.

 

Wir sind dann alle von Lichtenhagen aus mit der S-Bahn Richtung Rathaus zur nächsten Erinnerungs-Gedenktafel gefahren.

 

Zum Schluss hat eine Reporterin von NDR 1 Kulturjournal ein Interview mit mir und einer anderen Teilnehmerin vor Ort geführt. Das konnte man sich am Donnerstagabend um 19.15 Uhr im Radio anhören.

 

Ich habe dabei zwei neue Kontakte kennengelernt. Wir waren uns einig, dass wir gemeinsam den aktiven Widerstand gegen rechte und faschistische Gewalt entwickeln müssen."