Nordrhein-Westfalen

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Verlockungen des Innenministers Reul

Nicht nur bei der Bundeswehr werden mit mäßigem Erfolg händeringend Jugendlich dafür umworben, sich beim Bund zu verpflichten, sondern auch bei der Polizei. Und so war NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am 17. August ganz aus dem Häuschen, als ihm in Wuppertal 341 angehende Polizeianwärter und Anwärterinnen präsentiert wurden. Nächstes Jahr sollen es noch mehr werden. Das Besondere: Erstmals verfügten die 16- bis 17-jährigen Anwärter nicht über ein Abi, sondern „nur“ über einen Realschul-, oder Berufskollegabschluss.

Korrespondenz aus Wuppertal
Verlockungen des Innenministers Reul
Ein "Pionierprojekt mit Perspektive"? Bild von Bereitschaftspolizei beim Einsatz beim G20-Gipel 2017 in Hamburg. Die Folgen des brutalen Einsatzes sind bekannt (rf-foto)

Um die Jugendlichen zum Einstieg zu beeindrucken wurde ihnen gleich ein Wasserwerfereinsatz und der Einsatz einer Hundertschaft vorgeführt.

 

Im Unterrichtsraum redete sich Reul dann so richtig in Begeisterung - mit seinem Vorschlag: “Ich brauche dringend Leute bei der Kriminalpolizei. Das ist irre spannend Leute. Sie müssen doch nicht alle auf dem Auto sitzen und Verbrecher durch die Stadt jagen, da haben wir genug davon. Wir brauchen dringend Leute, die den Kopf anstrengen und die sich hinsetzen, die im wahrsten Sinne tüfteln, die ermitteln“. (WDR-Lokalzeit Berg.-Land 17.08.2022)

 

Die Polizeianwärter absolvieren nun eine zweijährige Fachoberschule und werden dann, nach erfolgreichem Abschluss, Prüfung der Diensttauglichkeit und charakterlicher Eignung, gesichert bei der Polizei angestellt. Sie können – differenziert – u. a. mit dem Studium an der Polizeihochschule anfangen.

 

Vorgegaukelt wird damit ein „Pionierprojekt mit Perspektive“, wo sich Jugendlich für einen interessanten, abwechslungsreichen Beruf mit coolem Teamgeist, wo sich die Kollegen super verstehen und wo es nicht wie in anderen Berufen Routine gibt bzw. wo man sich aktiv bewegen kann begeistern sollen.

 

Die Ernüchterung wird spätestens beim Tränengas- und Knüppeleinsatz gegen Teilnehmer am aktiven Widerstand gegen Umweltzerstörung und Weltkriegsgefahr oder wie in Hamburg gegen streikende Hafenarbeiter kommen. Bei Quittierung des Dienstes gibt es dann jedoch weder Arbeitslosengeld noch Renten-, oder andere Ansprüche.

 

Der Kampf gegen die Militarisierung umfasst nicht nur die Bundeswehr. Im Parteiprogramm der MLPD heißt es dazu unter „10. Friedenskampf und antimilitaristischer Kampf. Die MLPD lehnt eine Berufsarmee in Deutschland ab. Die Verpflichtung bei Bundeswehr und Polizei ist kein Ausweg für die Jugend. Die MLPD verteidigt das Recht auf Kriegsdienstverweigerung, kritisiert aber den Pazifismus als untaugliche Methode gegen Militarismus und Kriegsgefahr.“ (Seite 138)

 

Ein ganz anderes „Pionierprojekt mit Perspektive“, wo sich Jugendlich für interessante, abwechslungsreiche Aufgaben mit coolem Teamgeist, wo sich die Kollegen super verstehen und wo es nicht wie wo anders Routine gibt und wo man sich aktiv bewegen kann begeistern können, ist der Jugendverband REBELL. Dort kann man auch eine Superberufsberatung bekommen – freilich nicht zur Verpflichtung beim Bund oder der Polizei.