Podiumsdiskussion im Rahmen von "40 Jahre MLPD"

Podiumsdiskussion im Rahmen von "40 Jahre MLPD"

Es gärt auf der Welt!

Am 27. August fand im Rahmen der Feier zum 40-jährigen Bestehen der MLPD eine Podiumsdiskussion mit Gesprächsrunde zum Thema "Es gärt auf der Welt ... Arbeiterkämpfe und revolutionäre Entwicklungen gegen Faschismus, Krieg und für eine gesellschaftliche Alternative" statt.

Korrespondenz aus Ingolstadt

Auf dem Podium saßen Vertreter und Vertreterinnen revolutionärer Parteien und Organisationen aus Sri Lanka, Bangladesch, den USA, den Niederlanden und aus Deutschland. Von den Philippinen, aus Paraquay, dem Kongo, Südafrika und Argentinien wurden Grüße vorgetragen.

 

Die Kämpfe in Sri Lanka, so der Vertreter von dort, die in eine revolutionäre Situation und die Stürmung des Präsidentenpalasts mündeten, waren spontan entstandene Kämpfe nach den extremen Preiserhöhungen. Sie basierten aber auch auf einer organisierten kämpferischen Tradition und waren verbunden mit sehr vielen politischen Auseinandersetzungen. Es war zum ersten Mal nach 30 Jahren Krieg, dass die Spaltung in Nationalitäten überwunden wurde. "Habt keine Angst, dass die Menschen nicht kämpfen würden. Wir haben einen Präsidenten los, aber wir haben noch keine Partei, die in der Lage ist, diesen Kampf zu führen", so der Genosse aus Sri Lanka. Organisieren ist wichtig, der Kapitalismus ist organisiert, wir müssen es auch sein!

 

In Bangladesch gibt es große Arbeiterkämpfe. Jetzt der Streik der Teearbeiter, die um eine Erhöhung des Lohnes von 1 Euro auf 3 Euro am Tag kämpfen. Das Angebot von 25 Cent ist bei einer Inflation von 30 Prozent nicht zu akzeptieren. Am Donnerstag ist Generalstreik. "Wir führen in Bangladesch und in der BRD den gleichen Kampf. Und: Es ist sehr wichtig, dass wir die ICOR haben!"

 

Aus Griechenland berichtet Iordanis Georgiou, dass am 1. September 260.000 Haushalten der Strom abgedreht wird. Am Wochenende finden Massendemonstrationen statt. Der US-Imperialismus traut der griechischen Polizei nicht zu, die Sache in den Griff zu bekommen. Die Hafenstadt Alexandroupolis ist ein wichtiges Aufmarschgebiet für den Krieg, deshalb soll dort US-Militärpolizei eingesetzt werden. Die Cosco- und die Nickel-Arbeiter richten ihre Grüße an unsere Veranstaltung aus. Jetzt bereiten die griechischen Ölarbeiter einen Streik vor.

 

Der Genosse aus den USA sieht in seinem Land das gleiche Völkergefängnis, wie es Lenin für Russland zur Zeit des Zarismus beschrieben hat. 2020 gab es nach der Ermordung von George Floyd eine Bewegung, die 20 Millionen Menschen erfasste. Das war nicht einfach spontan, sondern wurde organisiert vorbereitet. Ausgehend von dieser Stadt fanden Demonstrationen in zwölf weiteren Städten statt. Diese Kämpfe müssen sich mit denen der Arbeiterklasse gegen Monopolkapital und Imperialismus verbinden.

 

In den Niederlanden, so sage man, sei nichts los. Das stimmt nicht, so Jeroen Toussaint von der ICOR-Organisation Rode Morgen. Er hatte Verspätung, die Frauen nach Tunis auch, weil die niederländischen Eisenbahner streiken. Das erfährt man über die ICOR. In den Bauernprotesten entlädt sich eine große Wut auf die Regierung. Es findet ein Kampf um die Richtung statt: Ob die Bewegung nach links geht oder vom Sozialchauvinismus beeinflusst wird. "Wir haben unter der Jugend eine Welle des Interesses an Rode Morgen angesichts der menschenfeindlichen Asylpolitik der Regierung. Wir müssen es lernen, sie dauerhaft zu organisieren."

 

Peter Weispfenning vom Zentralkomitee der ICOR-Partei MLPD betont, dass der weltweite Gärungsprozess genauer untersucht werden muss, wie sich die Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems entwickelt. Es gibt Kämpfe in Bangladesch, im Iran gab es 4000 Arbeiterkämpfe, in Lateinamerika gibt es einen Linkstrend nach der Rechtsentwicklung, die Hafenarbeiter verstehen sich von Hamburg bis Piräus als eine Klasse, es gab in der BRD den ersten gemeinsamen Streik der Hafenarbeiter an der ganzen Küste. Damit es zu einer revolutionären Gärung kommt, zum Übergang in die zweite Etappe des Klassenkampfs, müssen die Massen mit der kleinbürgerlich-antikommunistischen Denkweise fertig werden. Internationalistische Arbeit ist nichts Zusätzliches, hier müssen wir alle mehr investieren. Wenn die Massen in Sri Lanka einen Präsidenten verjagen, stehen sie den internationalen Konzernen und dem Imperialismus gegenüber, das erfordert die organisierte internationale Solidarität. Internationale Organisationsformen wie die Bergarbeiterkoordinierung, der Hafenarbeitererfahrungsaustausch und eine internationale Bauernplattform sind sehr bedeutend und neben der ICOR momentan besonders die antiimperialistische Einheitsfront.

 

Monika Gärtner-Engel, Hauptkoordinatorin der ICOR und Internationalismusverantwortliche der MLPD: "Internationalismus ist nicht nur informieren, sondern kooperieren. Die Frauen werden noch grob unterschätzt, sie sind wichtiger Bestandteil des internationalen Industrieproletariats. Und die theoretische Arbeit nicht unterschätzen. Wer z.B. Indien als halbfeudal und halbkolonial einschätzt und nicht als neuimperialistisches Land, wird falsch kämpfen und zum Sozialchauvinismus abgleiten."