Metalltarifrunde

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8 Prozent mehr Lohn und eine Teuerungszulage obendrein!

Die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie zwischen der IG Metall und den regionalen Metallverbänden starten zwischen dem 12. und dem 19. September. Der Lohntarifvertrag ist auf Ende September gekündigt, weshalb die sogenannte Friedenspflicht am 28. Oktober endet.

Von wb
8 Prozent mehr Lohn und eine Teuerungszulage obendrein!
Kämpferischer Warnstreik bei TKSE (rf-foto)

Der Verhandlungsführer Oliver Barta vom Kapitalistenverband Hessenmetall diffamiert die 8 Prozent-Forderung als „'abseits jeglicher Realität'. Der nach der langen Corona-Krise erhoffte Aufschwung falle aus. Stattdessen stehe man vor einer Rezession“ [1], was durch den Ukrainekrieg weiter verschärft würde.

 

Tatsächlich gab es seit der letzten Tarifrunde einen immensen Lohnraub. Inzwischen liegt die Inflationsrate für Arbeiterfamilien bei 20 Prozent. Gerade jetzt gab es da nochmal einen richtigen Schub durch die Energiepreise, die Gasumlage noch gar nicht mitgerechnet. In der Zeit seit der Aufstellung der 8-Prozentforderung bis jetzt ist die Teuerungs weiter fortgeschritten. Deshalb nehmen die Diskussionen über Teuerungszulage und den Kampf um Lohnnachschlag in den Betrieben zu.

 

Der Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf, der sonst eher für scharfe Attacken auf die Gewerkschaften bekannt ist, versucht, auf die Regierung abzulenken: „Kurz vor der anstehenden Tarifrunde (zeigte er sich) offen für steuer- und abgabenfreie Einmalzahlungen.“, die bis zu 3000 Euro laut „Entlastungspaket3“ der Bundesregierung möglich sind. Das ist eine Reaktion auf eine wachsende Stimmung, dass es eine Teuerungszulage braucht.

 

Einmalzahlungen sind für sich jedoch keine nachhaltige Lösung, schließlich verteuert sich jeden Monat unser Leben. Dafür braucht es den Einsatz der vollen gewerkschaftlichen Kampfkraft: 8 Prozent – ohne Wenn und Aber - konsequent, mit einer Laufzeit von 12 Monaten. Für eine reale Teuerungszulage muss das verbunden werden mit der Forderung und Vorbereitung eines selbständigen Kampfes für einen monatlichen Lohnnachschlag für den Reallohnverlust aus der letzten Tarifrunde und die fehlende Differenz zur Inflation. Dazu müssen die Belegschaften oder Abteilungen selbst Forderungen aufstellen.

 

In den Betrieben wächst die Empörung z.B. über die Gasumlage. So berichten Korrespondenten von entfalteten Diskussionen und der Kritik von Kollegen: „Verluste sollen wir tragen, aber die Profite wurden nicht auf alle aufgeteilt“. Mit Blick auf die Preise an der Tankstelle, im Supermarkt oder die Strom- oder Gasnachzahlungen sind die angekündigten Entlastungen des neuen „robusten“ Pakets der Ampel-Bundesregierung nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es greift immer breiter die Meinung um sich: „Es muss endlich wieder gestreikt werden“, „nicht ein 1,2-Stunden Warnstreik, sondern direkt 1 oder 2 Tage“. Selbstbewusst erweitern Kollegen ihre Forderung und schreiben auf eine große Pappe „8% plus Inflationsausgleich“, drei machten kleine Schilder „500€ Lohnnachschlag – pro Monat, wohlgemerkt“.

 

Es erfordert die selbständige Initiative der Gewerkschaftsbasis. Die IG Metall-Führung hat bereits angekündigt, im Falle eines „Gaslieferstopps zu einer Neubewertung der Situation“ [2] zu kommen. Eine Umschreibung, dass sie auch eine Verschiebung der Tarifrunde in Erwägung zieht, um den Wirtschafts- und militärischen Krieg seitens der Nato und des BRD-Imperialismus in sozialchauvinistischer Manier zu unterstützen. Das kann aber nicht Sache der Arbeiter sein, weshalb die Losung „Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter“ auf viel Zustimmung stößt. Es ist wichtig, den Kampf um höhere Löhne mit dem aktiven Widerstand gegen die Gefahr eines 3. Weltkriegs zu verbinden. Auch dieser muss selbständig geführt werden.

 

Wie groß die Furcht der Monopolverbände vor selbständigen Kämpfen um Lohnnachschlag ist, machte vor kurzem BDA-Präsident Rainer Dulger deutlich. Auf keinen Fall dürfe es, so Dulger, nach Tarifabschlüssen neue Diskussionen und Forderungen um weitere Zulagen und Zuschläge geben. Dazu gebe es ja die Möglichkeit, 3000 Euro steuerfrei aus dem Entlastungspaket 3 zu bekommen. Ein Grund mehr für die Metallerinnen und Metaller, selbstbewusst in die Tarifrunde und selbständige Kämpfe um Lohnnachschlag zu gehen!