Vorwärtsgang

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Für volle 8 Prozent und Lohnnachschlag

Mit dieser Überschrift macht die aktuelle Ausgabe vom 1.9.2022 des "Vorwärtsgang", Zeitung von Kolleginnen und Kollegen für Kolleginnen und Kollegen in den deutschen VW-, Audi-, Porsche- und MAN-Werken, auf. Hier Auszüge aus dem Leitartikel:

Für volle 8 Prozent und Lohnnachschlag
Kundgebung der VW-Leiharbeiter in Kassel im Februar 2022 (rf-foto)

"Die Mehrheitseigner wie die neuen "Wertepartner der Bundesregierung" in Katar und der Porsche/Piech-Clan müssen sich angesichts Milliardenergebnissen bei VW keine Sorge machen um Inflation, Gas- und Spritkosten. Ganz im Gegensatz zu uns.

 

Was tun? Erstens: Voller Einsatz der gewerkschaftlichen Kampfkraft für die geforderten 8 Prozent. Für sofortige 24-Stunden-Streiks, Urabstimmung und Vollstreik. Üblicherweise trifft man sich bei Tarifverhandlungen irgendwo "in der Mitte". Das ist diesmal nicht akzeptabel! Denn selbst wenn wir die 8 Prozent bekommen, dann haben wir durch die Inflation schon Tausende Euro verloren.

 

Deswegen zweitens: Für selbständige Streiks, um VW zur Zahlung von Lohnnachschlag zu bringen. Das haben Arbeiter bei Hella, Mahle und Daimler in den 1970er- und 1980er-Jahren auch schon erfolgreich durchgeführt. In Hannover, Kassel, Wolfsburg und Braunschweig wird das in einigen Bereichen schon intensiv diskutiert, verbunden mit Pausenversammlungen. Ein Bereich in Kassel hat die Forderung nach 6.000 Euro Lohnnachschlag für 2022 beschlossen.

 

(...)  Wer Kinder hat, ein Haus abbezahlt, HTV II, Lohngruppe 7-8 hat, der muss auch heute schon jeden Cent umdrehen. Außerdem: Was soll denn daran gut sein, wenn die Situation gerade noch aushaltbar ist, wenn man 15 bis 20 Prozent reale Inflation vielleicht gerade noch so verkraften kann? Sollen wir solange warten, bis wir finanziell ruiniert sind?

 

"Was passiert, wenn wir selbständig streiken? Selbständige Streiks sind in Deutschland rechtlich nicht vorgesehen - wir brauchen deshalb ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht. Die Aktionen der Leiharbeiter in Kassel im Februar 2022 haben VW nervös gemacht. Ergebnis: Die Verlängerung der Hälfte der damaligen Leiharbeiter. Anmerkung: Letzte Woche fanden in Kassel zwei neue Solidaritätsaktionen mit den Leiharbeitern statt (Rote Fahne News berichtete).

 

Zugeständnisse von VW sind auch bei Streiks für Lohnnachschlag nicht unrealistisch. Gleichzeitig wird VW versuchen, "Rädelsführer" zu finden, Unterdrückung, Hetze und Spaltung betreiben. Darauf müssen wir eingestellt sein, Solidarität üben und uns mit den Erfahrungen aus bisherigen selbständigen Streiks beschäftigen."

 

Solche Streiks sollen auch bewusst gegen die Abwälzung der Kriegs- und Krisenlasten auf die Massen ausgerichtet sein und genutzt werden, die Arbeiterklasse für den aktiven Widerstand gegen die akute Weltkriegsgefahr zu gewinnen.