40 Jahre MLPD

40 Jahre MLPD

Gesprächsrunde zum Ukrainekrieg mit Teilnehmern aus Russland und aus der Ukraine

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40. Geburtstag der MLPD fanden zahlreiche interessante Veranstaltungen und Gesprächsrunden statt. "Rote Fahne News" veröffentlicht einige Berichte im Nachgang.

Korrespondenz aus Ingolstadt

Monika Gärtner Engel, Internationalismus-Verantwortliche der MLPD und Hauptkoordinatorin der revolutionären Weltorganisation ICOR, moderierte die Veranstaltung.

 

Ein Genosse aus Russland berichtete, dass sie von der Eröffnung des Krieges überrascht wurden und auch geschockt waren. Es gebe noch keine organisierte Widerstandsbewegung gegen den Krieg. Er verglich die Situation mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges, wo es gelang, eine nationalistisch-chauvinistische Stimmung bei einem Teil der Massen zu erzeugen. Erst im Verlauf des Krieges kam es zu einem Erwachen, der Volkswiderstand entwickelte sich. Der Rubel ist jetzt zwischen 20 und 25 % aufgewertet, und die Sanktionen zeigen nicht die von den westlichen Imperialisten erhoffe Wirkung. Er schätzt, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung des Krieg noch unterstützt.

 

Jeglicher Widerstand soll unterdrückt werden. Gefängnisstrafen sind noch die Nebenseite, es werden hauptsächlich drastische Geldstrafen von z.T. mehreren Monatslöhnen verhängt, um die Betroffenen wirtschaftlich zu ruinieren. Ein Genosse aus der Ukraine berichtete, dass auch seine Familie und viele Bekannte noch nicht verstehen, warum er gegen Selenskyi ist. Aus beiden Ländern wurde berichtet, wie gezielt nationalistische und faschistische Kräfte aufgebaut werden und eine antikommunistische Hetze verstärkt wird. Genossen aus Russland betonten die Bedeutung der Organisierung der Arbeiter, des internationalistischen Zusammenschlusses und dass dafür eine entsprechnede Aufklärungsarbeit notwendig ist. Die russischen Revolutionäre treten für Hilfsorganisationen auch für die Ukraine ein, und betonten, dass der Kampf auf das Ziel des Sozialismus ausgerichtet werden muss.

 

Ein Genosse aus der Ukraine verglich die Situation mit vor über 100 Jahren, wo auch Reaktionäre aus beiden Ländern im Kampf lagen, nur dass heute als einem entscheidendem Faktor noch die Rote Armee fehlt. Entgegen der Unterstützung des Kriegs durch die russische revisionistische Partei müssen wir den Geist Lenins hochhalten. Keine Seite kann den Krieg gewinnen. Russland hat 70% der ukrainischen Industrie zerstört, die in den 1930iger Jahren in der sozialistischen Industrialisierung aufgebaut worden war.

 

Monika Gärtner-Engel zog eine erste Bilanz:

 

  • Mit dem Sozialchauvinismus fertig werden. Die maoistische russische Partei, die nicht persönlich anwesend sein kann, musste ein führendes Mitglied wegen seines sozialchauvinistischen Standpunktes ausschließen, und hat sich dadurch gestärkt.
  • Putin und Selenskyi begründen ihren Krieg antikommunistisch. Der Kampf gegen den Antikommunismus ist eine wesentliche Position im Kampf gegen den imperialistischen Krieg.
  • Es ist schon Standard geworden, beide Seiten in diesem Krieg als imperialistisch zu bezeichnen. Wir müssen uns aber auch mit der Richtung im neorevisionistischen Lager auseinandersetzen, die den russischen Imperialismus als „nicht so schlimm“ bezeichnet. Wir halten es mit Lenin, der gesagt hat, dass es am Charakter des Krieges nichts ändert, welcher der imperialistischen Räuber stärker ist oder wer zuerst geschossen hat. Es ist auch nicht richtig, von einem Selbstverteidigungsrecht der Ukraine zu sprechen. Das Proletariat der Ukraine muss einen Zweifrontenkrieg gegen Selenskyi und den russischen Imperialismus führen.
  • Es muss die Auseinandersetzung um die Einschätzung einer neuen Phase der beschleunigten Destabilisierung des Imperialistischen Weltsystems geführt werden, entgegen dem Standpunkt, der Krieg sei Ausdruck der Stärke des Imperialismus.
  • Es ist richtig, ein Ende des Krieges zu fordern, aber die Strategie und Taktik zielt auf den Übergang von der strategischen Defensive der internationalen Arbeiterklasse zur strategischen Offensive bis zur sozialistischen Revolution.

 

Es war eine lebhafte Diskussion, in der auch Widersprüche kameradschaftlich diskutiert und nicht unter den Teppich gekehrt wurden. Verschiedene Beiträge betonten die Notwendigkeit, einen Dritten Weltkrieg zu verhindern, der unter den heutigen Bedingungen atomar geführt und damit den Untergang der Menschheit in Kauf nehmen würde. Es wurde auch geklärt, dass Russland den Krieg nicht führt, weil Putin verrückt ist, dass dieser ein sehr bewusster und geschickter Vertreter des Imperialismus ist. Ein Teilnehmer arbeitete anhand der Erfahrungen in Griechenland die Bedeutung und Notwendigkeit heraus, dass die Arbeiterklasse die führende Rolle im aktiven Widerstand hat. Die Genossen aus Sri Lanka positionierten sich gegen die NATO und Putin. Sie arbeiteten heraus, dass sie in ihren Kämpfen viel erreicht haben, aber es unbedingt der Führung durch eine revolutionäre Partei bedarf.

 

Die Genossen aus der Ukraine kündigten an, uns alle in den nächsten 40 Jahren nach Kiew zur Aufstellung einer Marx-Statue einzuladen. Monika Gärtner-Engel plädierte dafür, das schon in 10 Jahren zu machen.