Dokutipp
„Glücklichsein um jeden Preis“ - Anklage an die bürgerliche Psychologie
Die Dokumentation „Glücklichsein um jeden Preis“ verfolgt fundiert die Geschichte der „positiven Psychologie“, die sich heute durch wirklich alle Gesellschaftsbereiche zieht – bis in die Regierungspolitik.
Stichwort „Selbstoptimierung“: Man soll seine Potenziale erkennen und voll ausnutzen, um zu einem „besseren Menschen“ zu werden – aber alles strikt individuell.
Ihre Wurzeln hat die „positive Psychologie“ im frühen US-Kapitalismus, der als erster dem Individualismus als „Streben nach Glück“ Verfassungsrang einräumte.
Ab den 1970er-Jahren wurde sie dann als Alternative zur „verstaubten“ Psychoanalyse dargestellt, die rein problemorientiert arbeitet und die Psyche des Menschen grundsätzlich als krank betrachtet.
Faktenreich wird nachgewiesen, dass die „positive Psychologie“ kaum durch wissenschaftlichen Diskurs, sondern vor allem durch die Unternehmenspolitik von US-Monopolen in der Welt ihren Siegeszug in der ganzen Welt antrat.
Die Doku weist schonungslos auf den schreienden Widerspruch im Kapitalismus hin, dass es heute eine riesengroße „Glücksindustrie“ gibt, es aber zugleich noch nie so viele psychisch kranke Menschen auf der Welt gab.
Es wird die Frage aufgeworfen, ob nicht sowohl die Psychoanalyse, als auch die „positive Psychologie“ die Hauptaufgabe haben, die Menschen zu fügsamen Untertanen zu machen, die alle ihre Probleme individualisieren, damit sie nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse in Frage stellen.
Viele einzelne Methoden der bürgerlichen Psychologie sind durchaus sinnvoll dafür, mit psychischen Problemen umzugehen. Doch man muss sich immer bewusst machen, welcher systemische Zweck verfolgt wird. Dazu leistet diese Doku einen wichtigen Beitrag.
Die Frage lässt sich in Kombination mit dem Rote Fahne-Artikel „Politische Arbeit mit Depressionen“ aus revolutionärer Sicht beantworten.