Dokumentiert

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Proletarischer Ehrgeiz und die Massenlinie waren seine Triebkraft! Zum Todestag von Ludwig Tammer

Im September 1972, vor 50 Jahren, starb Ludwig Tammer, einer der Mitbegründer des Kommunistischen Arbeiterbunds Deutschlands (KABD), der Vorläuferorganisation der MLPD. Ludwig Tammer war ein prinzipienfester und kämpferischer Marxist-Leninist. Als Mitbegründer des KABD hatte er einen großen Anteil am Parteiaufbau und der MLPD-Gründung, die er nicht mehr erlebt hat.

Von einem Korrespondenten aus Albstadt (erschienen in „Rote Fahne“ 38 / 97)
Proletarischer Ehrgeiz und die Massenlinie waren seine Triebkraft! Zum Todestag von Ludwig Tammer
Ludwig Tammer

Unter der Überschrift "Proletarischer Ehrgeiz und die Massenlinie waren seine Triebkraft! Zum 25. Todestag von Ludwig Tammer," erschien in der Roten Fahne 38/97 ein Artikel  eines Korrespondenten aus Albstadt. Rote Fahne News dokumentiert diesen Artikel anlässlich des 50. Todestags von Ludwig Tammer:

 

In einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen zusammenschließen, um sich für ihre Interessen einzusetzen, und der Gedanke an eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung wächst, wird in den bürgerlichen Medien nichts unversucht gelassen, gegen den Marxismus-Leninismus Vorbehalte aufzubauen. An die Spitze stellt sich zur Zeit der Focus, der in einem „K-Gruppen-Report“ das Scheitern ehemaliger kleinbürgerlicher Führer der „ML-Bewegung“, wie zum Beispiel Heide Rühle (jetzige Bundesgeschäftsführerin von Bündnis / Grünen und 1974 aus dem KABD ausgetreten) zum Beweis für das angebliche Scheitern des echten Sozialismus machen will. Gescheitert ist der Versuch, sich zu selbsternannten kleinbürgerlichen Führern der Arbeiterbewegung aufzuschwingen. Er endete bei so manchem in Pöstchen im kapitalistischen System. Erfolg hatte dagegen der proletarische Weg im Parteiaufbau der MLPD mit einem klaren Trennungsstrich zur kleinbürgerlichen „ML-Bewegung“. Dafür standen Genossen wie Ludwig Tammer.

 

Im September 1997 jährt sich zum 25. Mal der Tag, an dem Genossinnen und Genossen des KABD (Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands) ihren Genossen Ludwig Tammer in Tübingen zu Grabe trugen. Damals waren nur wenige Wochen seit der Vereinigung von KAB (ML) und KPD / ML (RW) am 6. und 7. August 1972 zum KABD vergangen. Im Jahr 1982 ging aus dem KABD die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) hervor.

 

Für den Aufbau dieser revolutionären Partei der Arbeiterklasse hatte sich Ludwig seit Mitte der 1960er-Jahre konsequent in seinem kurzen Leben eingesetzt. Ärzte hatten ihn schon früh wegen seiner schweren Erkrankung aufgegeben, aber er hat dem Tod noch einige Zeit abgerungen. Ludwig beherrschte seine fortschreitende Krankheit, statt dass sie ihn beherrschte. So konnte er den ersten Höhepunkt im Kampf um den Aufbau unserer Partei neuen Typs noch erleben: Die Gründung des KABD.

 

Ludwig verbreitete mit großer Überzeugungskraft die Maotsetungideen im süddeutschen Raum, seit die „Polemik über die Generallinie“ der KP-Chinas 1963 erschien. Er stammte aus einer Arbeiterfamilie aus Stuttgart, die ihm den Besuch der Universität ermöglichte. Der Marxismus-Leninismus war für ihn nicht Buchwissen. Wer mit ihm sprach, mit ihm zusammen Flugblätter erstellte und vor Betrieben und an der Uni verteilte, Kontakte zu Arbeitern herstellte, im Bemühen, sie für die Selbstbefreiung der Arbeiterklasse zu schulen und zu organisieren, bekam genau mit, dass es ihm um die Einheit von Wort und Tat ging. Wer dagegen verstieß, hatte nichts zu lachen und wurde auch schon mal als „Laschmann“ bezeichnet. Weder die Trotzkisten, die mit massiven Störmanövern die junge Einheit der Marxisten-Leninisten aushebeln wollten, noch die Revisionisten, vor allem der DKP, die 1968 vor dem Innenminister der BRD zu Kreuze krochen. Sie erhielten in aller Öffentlichkeit eine gehörige Abfuhr: Im Zentralen Aktionskomitee, das dem Aufbau der „revolutionären Jugend / Marxisten-Leninisten“ diente, und im Chinaarbeitskreis in Tübingen, an dem bis zu 200 Besucher pro Abend kamen.

 

Mit der gleichen Konsequenz sorgte er für ein frisches, lebendiges, streitbares Organisationleben, was damals eher die Ausnahme war. Viele Studenten bekannten sich Ende der 1960er-Jahre zum Marxismus-Leninismus, nutzten ihn jedoch für ihre kleinbürgerlich-ehrgeizigen Ziele. Das musste aufgedeckt und niedergerungen werden. Die kleinbürgerliche Denkweise schlug damals sehr hohe Wellen. Davon blieb auch der KAB (ML) nicht verschont. In der Vorbereitung der Vereinigung mit den Genossen aus Nordrhein-Westfalen um Willi Dickhut kam auch einiges an revisionistischem und reformistischem Plunder aus Süddeutschland in Vorschlägen zum gemeinsamen Grundsatzprogramm auf den Tisch. Ludwig nahm da kein Blatt vor den Mund und übte prinzipielle Kritik auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus, wobei er keine Rücksicht auf Personen nahm, auch dann, wenn sie damals in der Leitung waren.

 

Die Lebensweise von Ludwig war von der Massenlinie geprägt. Im Geist der Kulturrevolution legte er an sich und andere einen guten Maßstab: „Was denn soll das Kriterium sein, ob ein junger Mensch Revolutionär ist? Wie kann man das feststellen? Es gibt nur ein Kriterium: Will er sich mit den breiten Massen der Arbeiter und Bauern verbinden und tut er das auch tatsächlich oder nicht.“(„Worte Mao Tsetungs“, S.344). Das geschah auf prinzipieller Grundlage: Wer ihn ihm Pfleghof in Tübingen besuchte, konnte die Kisten und Kartons an revolutionären Schriften vor allem aus China nicht übersehen, die überzeugend vertrieben werden sollten und wurden. Aber nicht ohne eigene Klarheit. Literaturvertrieb, Schulungsarbeit und die Gewinnung neuer Kräfte waren eine Einheit.

 

So wurden zahlreiche junge Leute für die revolutionäre Sache der Arbeiterklasse gewonnen und im Geist der Maotsetungideen erzogen: „In den Massen steckt ein gewaltiger Drang zum Sozialismus. … Jene, die nur ausgetretenen Pfaden folgen können, unterschätzen stets den Enthusiasmus des Volkes. … Solche Leute sind immer passiv, an einem entscheidenden Wendepunkt bleiben sie immer stehen und können nicht weiter, stets muss ihnen ein tüchtiger Klaps auf den Rücken gegeben werden, ehe sie einen Schritt vorwärts tun.“ („Worte Mao Tsetungs“, S.143 / 144). Zu solchen Leuten gehörte Ludwig Tammer ganz und gar nicht. Aus diesem Grund gedenken wir heute auch seiner.