Jena

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Querfront, Antideutsche, Trotzkisten und der Ukrainekrieg

Auch für Jena haben Faschisten von „Freies Thüringen“ am vergangenen Montag zur Protestdemo aufgerufen. Anders als in vielen anderen Städten Thüringens gab es hier aber keine Fahnen.

Korrespondenz

Sei es, weil sich der Anmelder der Demonstration nicht in die „rechte Ecke“ schieben lassen wollte, oder weil er sonst Gegendemonstranten befürchtet hätte. Vom Inhalt her unterschied es sich aber nicht von den anderen Aufmärschen dieser Art. Ein Man trug ein T-Shirt mit der Aufschrift „Frieden, Freiheit, Souveränität“ und eine lebensgroße Puppe im Schutzanzug wurde hochgehalten, auf der „Herbstmode 2022“ stand.

 

Der Demonstrationszug von etwa 70 Personen setzte sich für eine halbe Stande in Bewegung und zog um die Innenstadt herum. Anschließend fand in einem Innenhof die Abschlusskundgebung statt. Ein Redner betonte, dass die Bundesregierung aus Faschisten bestehe und er ja deshalb Antifaschist sein muss, weil er ja dagegen protestiere. Ein anderer Demonstrant hatte sogar einen Beutel mit dem Schriftzug „FCK NZS“. Die Querfrontstrategie der Faschisten erzielt auch in Jena Wirkung, wenn auch in geringer Zahl.

 

Trotz dieser eher jämmerlich anmutenden Truppe darf man hier die Gefahr der faschistischen Propaganda nicht außer Acht lassen. Zudem gab es keine organisierten Gegenproteste wie noch Anfang des Jahres vom bürgerlichen Bündnis „Jena solidarisch“. Mir fielen aber vier Jugendliche mit einer Antifa-Fahne auf, die den Demonstranten lauthals Sprüche an den Kopf warfen. Ich unterhielt mich mit ihnen über den Charakter der Demonstration. Später kamen wir auch auf das Thema Antideutsche und diskutierten, ob deren Aussage, es hätte noch nie eine erfolgreiche Revolution gegeben, die den Menschen Demokratie und Freiheit brachte, richtig sei. Dem musste ich als Marxist-Leninist natürlich klar widersprechen mit Hinblick auf die Oktoberrevolution 1917 und entgegnete, wie schädigend ihre liquidatorische Taktik für die linke Bewegung ist, jede berechtigte Kritik an Israel oder Selenskyj als antisemitisch darzustellen.

 

Damit trat ich zugleich eine weitere Diskussion über den Ukrainekrieg los. Einer, der sich selbst als Trotzkist sieht, sagte, er ist pro Selensky und auf meine Ausführungen, welche nationalistische und arbeiterfeindliche Politik er betreibt, antwortete er, es sei wichtiger sich erst einmal den NATO-Kurs zu unterstützen und dass die Ukrainer zuerst Russland besiegen müssen, bevor sie gegen ihre eigene Regierung demonstrieren. Wir führten das Gespräch noch etwas fort. Zum Schluss lud ich die Antifaschisten noch zur Herbstdemonstration am 1. Oktober nach Berlin ein. Wir gingen alle mit der Einstellung auseinander wie wichtig es ist, dass sich alle linken und fortschrittlichen Kräfte jetzt gegen die faschistische Querfrontstrategie zusammen schließen müssen. Kein Fußbreit den Faschisten! Wehret den Anfängen!