Preisexplosion fand ohne jede Lohnerhöhung statt

Preisexplosion fand ohne jede Lohnerhöhung statt

Das Märchen von der Lohn-Preis-Spirale

Die bürgerliche Zeitung "Die Welt", zuverlässig auf Seiten der Kapitalisten, fragt angesichts der historischen Inflation den Präsidenten von Gesamtmetall Stefan Wolf: „Die IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn, ist das dann nicht sogar eine moderate Forderung?“

Von ro

Laut Stefan Wolf ist die Forderung aber „völlig aus der Zeit gefallen“. Angesichts der hohen Gaspreise dürfe man nicht „die Firmen der Metall- und Elektro-Industrie mit Lohnerhöhungen weiter“ belasten. Herr Wolf hat dafür eine recht eigenwillige Argumentation. „Die IG Metall verletzt auch ihre eigene Logik: Bei null Prozent Inflation hat sie auch zwei Prozent als Inflationsausgleich gefordert, angeblich, um die Zielinflation von zwei Prozent zu erreichen. Wenn die tatsächliche Inflation nun höher liegt, dann müsste sie logischerweise weniger fordern.“ Sprich: Wenn die Arbeiter bei niedriger Inflation höhere Löhne fordern, müssen sie natürlich bei hoher Inflation niedrigere Löhne fordern. Da muss man erstmal drauf kommen! Nichtmal der Welt-Redakteur ist damit zu überzeugen. Er ist sichtlich bemüht, Stefan Wolf eine argumentative Brücke zu bauen. „In anderen Branchen gibt es hohe Abschlüsse. … Ökonomen warnen vor einer Lohn-Preis-Spirale.“

 

Dieser nimmt den Ball auf: „Ich teile die Angst. Drohende Preisexplosionen sind ein zweites Argument gegen höhere Löhne.“ [1] Und obwohl die Preisexplosion ja bereits ohne jegliche Lohnerhöhung stattgefunden hat, sind natürlich wieder die Löhne schuld. Es wird Zeit dieses Märchen endlich zu beerdigen. Nicht die Löhne sind der Grund für explodierende Preise. Die Preise werden von den Kapitalisten gemacht. Und neben den Kosten für Strom, Gas und die Löhne der Arbeiter gibt es eben noch eine geheime Zutat, über die Herr Wolf und Co. nicht so gerne sprechen. Das ist der Profit, der Gewinn der Unternehmen. Und es ist in aller erster Linie das unersättliche Streben nach Maximalprofit, das die Preise nach oben treibt. Schon breit in der Kritik stehen die Öl-Monopole, die im Ukrainekrieg mit völlig überteuerten Benzin- und Dieselpreisen Traumprofite machen. Statt von einer Lohn-Preis-Spirale müssen wir von einer Gewinn-Preis-Spirale sprechen. „Eine Gewinn-Preis-Spirale bedeutet, dass steigende Preise zu großen Teilen keine natürliche Ursache haben – wie etwa knappe Ressourcen oder steigend Nachfrage –, sondern auf höhere Gewinnmargen bei den Unternehmen zurückzuführen sind.“ [2]

 

Um diese Spirale in der Praxis zu finden, braucht man übrigens keine so blühende Fantasie wie Herr Wolf. In der Pandemie wurden zeitweise die Steuern für die Gastronomen gesenkt. Als das wieder aufgehoben wurde, haben die Gastronomen breit die Preise erhöht. Immobilienkonzerne erhöhen die Mieten, ohne dass ihre Kosten gestiegen wären. Sie „orientieren“ sich an der Inflation und befeuern sie damit weiter. Und auch die Autobauer aus der Metall- und Elektroindustrie lassen sich nicht lumpen. Der ADAC rechnet vor, dass sich Neuwagenpreise seit 2017 um 19% erhöht haben und die für Kleinwagen um sagenhafte 44%! Bei Elektroautos wird die staatliche Förderung sogar kackfrech schon miteingepreist. Unterschiedliche Verkaufspreise in Europa, je nach dem wie hoch die staatliche Förderung ist. Früher erhöhten Autofirmen einmal im Jahr die Preise, Audi tut das inzwischen viermal im Jahr! Selbst dem ADAC erscheint bei allem Verständnis für Chipmangel und Co. „manche Preisgestaltung sehr ambitioniert“. Er schlussfolgert: „Die gestiegenen Autopreise erweisen sich also als Inflationstreiber.“ [3]

 

Es sind die Kapitalisten die aus Gewinnsucht die Inflation treiben. Höhere Löhne sind völlig gerechtfertigt und notwendig. Allen Kolleginnen und Kollegen eine kämpferische Tarifrunde und vollen Mut für den notwendigen Kampf um zusätzlichen Lohnnachschlag!