Ukraine-Krieg

Ukraine-Krieg

Gegenseitige Drohungen mit Nuklearwaffen nehmen zu - Weltkriegsgefahr verschärft sich

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Donnerstag in einem Videoauftritt einen atomaren Präventivschlag der NATO gegen Russland gefordert.

Von gis
Gegenseitige Drohungen mit Nuklearwaffen nehmen zu - Weltkriegsgefahr verschärft sich
Der Atombombenabwurf über der japanischen Stadt Nagasaki 1945 (Foto: gemeinfrei)

Die NATO müsse die Möglichkeit eines russischen Atomwaffeneinsatzes verhindern, das könnte durch Präventivschläge geschehen. Zuvor hatte Putin mehrfach mit dem Einsatz atomarer Waffen gedroht. Auch hier ist es nicht entscheidend, welcher Imperialist die Drohungen zuerst ausgestoßen hat. Beide nehmen für ihr Weltmachtstreben in skrupelloser Menschenverachtung die Vernichtung der Menschheit in Kauf.

Selenskyj fordert atomaren Präventivschlag - und rudert erstmal zurück

"Die NATO muss die Möglichkeit eines Atomwaffeneinsatzes durch Russland ausschließen. Wichtig ist aber – ich wende mich wie vor dem 24. Februar deshalb an die Weltgemeinschaft – dass es Präventivschläge sind, damit sie wissen, was ihnen blüht, wenn sie sie anwenden", so Selenskyj. Er betonte: „Nicht umgekehrt: Auf Schläge von Russland warten, um dann zu sagen: ,Ach du kommst mir so, dann bekommst du jetzt von uns'.“ Ein Präventivschlag der NATO hätte erstens verheerende Folgen und zweitens würde er ja einen russischen Atomwaffeneinsatz keineswegs ausschließen - im Gegenteil. Die Eskalation wäre vorprogrammiert, ein Dritter Weltkrieg könnte akut ausbrechen. Aus dem Kreml prompt der Aufschrei, Selenskyj rufe zum Dritten Weltkrieg auf. Vertreter der westlichen Imperialisten kontern Drohungen Russlands. Heuchlerisch sieht US-Präsident Joe Biden "die Gefahr einer atomaren Konfrontation nach Drohungen aus dem Kreml so groß wie seit 60 Jahren nicht mehr." Ach so, und selbst hat der US-Imperialismus gar nichts mit der akuten Gefahr eines atomar geführten Dritten Weltkriegs zu tun? Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Prag beim informellen EU-Gipfel: "Der Einsatz von Atomwaffen ist inakzeptabel. Das wäre gefährlich für die Welt. Unsere Antwort muss sein: Das sollen alle bleiben lassen."

NATO-Manöver "Steadfast Noon" trainiert Atomkrieg

"Bleiben lassen" soll den Einsatz von Atomwaffen aus Sicht von Biden, Macron und Scholz das neuimperialistische Russland. Man selbst übt indessen schon mal. Mitte Oktober findet das europaweite NATO-Manöver "Steadfast Noon" (= "Standhafter Mittag") statt. Beteiligt sind die USA und alle NATO-Staaten unter dem Motto der so genannten nuklearen Teilhabe, der technischen und politischen Beteiligung von Nato-Staaten an der Atomkriegsstrategie der USA. Im Rahmen der nuklearen Teilhabe haben die USA in Büchel (Deutschland), Kleine Brogel (Belgien), Aviano und Ghedi (Italien), Volkel (Niederlande) und Inçirlik (Türkei). geschätzt 150 taktische Atomwaffen, frei fallende Atombomben vom Typ B61, stationiert. Die Luftwaffe der Bundeswehr wird üben, wie man Atombomben aus unterirdischen Lagern an deutschen Kampfjets anbringt und diese Bomben im Einsatzziel abwirft. Das Konstrukt der nuklearen Teilhabe verfolgt den wahnsinnigen und mörderischen Plan, einen Atomkrieg regional begrenzen und „gewinnen“ zu können. Dafür wurde mit Hochdruck die neuartige Atombombe B 61-12 entwickelt. Sie soll präzise lenkbar sein. Schätzungen zufolge verfügt diese Waffe eine nach Bedarf einstellbare Sprengkraft von 0,3 bis 50 Kilotonnen TNT. Die erste Atombombe, die von den USA am 6. August 1945 auf die japanische Stadt Hiroshima abgeworfen wurde, hatte eine Sprengkraft von 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe zerstörte 80 Prozent der Stadt In Hiroshima starben insgesamt 90.000 bis 150.000 von 340.000 Einwohnern.

Russland spielt genauso mit dem nuklearen Feuer

Der tschetschenische Putin-Unterstützer Ramsan Kadyrow hat erst vor einer Woche Russland öffentlich zum Einsatz taktischer Atomwaffen geraten. Es war bei weitem nicht die erste Drohung aus dem Lager Russlands. Ebenso wie die "nukleare Teilhabe" Deutschlands "eigentlich" durch den Atomwaffensperrvertrag untersagt ist, "verbietet" die russische Militärdoktrin den Einsatz taktischer Atomwaffen. Außer, so die Neue Züricher Zeitung vom 8. Oktober: "Wenn zuvor ein atomarer Angriff des Gegners erfolgte oder, im Falle eines konventionellen Angriffs, wenn das Überleben des Staates infrage gestellt ist." Wenn Putin unter den gegenwärtigen Umständen, so die NZZ, einen Einsatz befehlen würde, würde er seine eigene Militärdoktin verletzen. Was, so schlussfolgert der Artikel, am Ende aber egal wäre: "Diese ist für ihn als Oberbefehlshaber aber letztlich nicht bindend." So ist es: Wenn es um den eigenen Kriegsvorteil geht, sind die Friedensverlautbarungen und Sperrverträge das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Die teilweise Sprengung der Krim-Brücke könnte ein solcher Anlass sein. Wobei man bisher ja noch nicht einmal weiß, wer den Anschlag durchgeführt hat. Oder ein Schusswechsel in einem der von Russland formal annektierten Gebiete. Im Falle des Einsatzes taktischer Atomwaffen durch Russland werden verschiedene Szenarien entwickelt, darunter erstmal ein "Warnschuss" über dem Schwarzen Meer oder unterirdisch. Die Planspiele laufen wie bei der NATO darauf hinaus, einen Atomkrieg begrenzen und gewinnen zu können.

Der Ukrainekrieg und die offene Krise des imperialistischen Weltsystems

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Mit interaktiven Anmerkungen

Ein Atomkrieg muss verhindert werden!

Dass ein Atomkrieg durch plötzliche Vernunft der kriegsführenden Kräfte unterbleibt oder wegen eines angeblichen "geringen Wirkungsradius" der "Mini-Nukes" begrenzt werden könne, sind gefährliche Illusionen. In der Broschüre der MLPD "Der Ukrainekrieg und die offene Krise des imperialistischen Weltsystems" wird auf Seite 45 die Atom-Expertin Nina Tannenwald zitiert: "Selbst eine Nuklearwaffe mit 'kleiner Sprengkraft' (0,3 Kilotonnen) würde Schäden verursachen, weit über die eines konventionellen Sprengstoffs hinaus. Radioaktiver Niederschlag würde Luft, Boden, Wasser und die Nahrungsmittelversorgung verseuchen." Die "kleinen" Atomwaffen machen einen Atomschlag mit der Folge einer unkontrollierten Eskalation viel wahrscheinlicher. Die inflationär ausgestoßenen gegenseitigen Drohungen der letzten Tage zeigen das. Ein Einsatz taktischer Atomwaffen durch Russland würde, so Jake Sullivan, Bidens Berater für Nationale Sicherheit, "katastrophale Folgen" für Russland nach sich ziehen. Ein Atomkrieg hätte katastrophale Folgen für die Menschheit.

 

Verbindlicher Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen! Verbot und Vernichtung aller ABC-Waffen! Wenn eine weltweite Friedensbewegung dafür aufsteht, können diese Forderungen durchgesetzt werden.