Transnet-Streik
Fauler Kompromiss - Internationaler Hafenarbeitererfahrungsaustausch solidarisch mit Streik
In allen südafrikanischen Häfen wird seit dem gestrigen Donnerstag, dem 20. Oktober 2022, wieder gearbeitet.
Nachdem die Gewerkschaft UNTU am 17. Oktober abgeschlossen hatte, forderte gestern auch die Gewerkschaft SATAWU ihre Mitglieder auf, wieder zu arbeiten. Zwar wurde noch nichts unterschrieben. Es laufen noch Verhandlungen darüber, Entlassungen nach dem Streik auszuschließen. Aber ein Unterschied in der Lohnhöhe zu dem Vertrag zwischen Transnet und UNTU ist nicht zu erwarten: 6% im ersten, 5,5% im zweiten und 6% im dritten Jahr. Das ist angesichts der Kampfbereitschaft der gesamten Belegschaft ein oberfauler Kompromiss.
Transnet war es gelungen, einen Keil zwischen die beiden Gewerkschaften zu treiben und bilaterale Verhandlungen zu führen. Das hatte es vorher noch nie gegeben. Viele Kollegen sind enttäuscht und wütend. Sie fordern den Zusammenschluss der beiden Gewerkschaften. Diese Einigung wird viele von ihnen noch tiefer in die Armut reißen. Denn was sind 6% mehr Lohn, wenn man mit 8000 Rand (447 €) eine Familie ernähren muss? Die offizielle Inflationsrate liegt bei 7,6%. Die Preise für Maismehl stiegen aber in einem Jahr um 11%, für Brot um 15%, für Speiseöl um 69%.
Die deutsche Koordinierungsgruppe des internationalen Hafenarbeitererfahrungsaustauschs hatte den südafrikanischen Kolleginnen und Kollegen vollen Erfolg gewünscht:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir wünschen euch vollen Erfolg in eurem Kampf für die berechtigte Lohnforderung von 12%. Überall auf der Welt sollen die Arbeiter jetzt die Lasten der Krise tragen. Dagegen muss man sich weltweit zur Wehr setzen. In vielen Häfen, in Deutschland, Großbritannien, Griechenland, u.a. waren die Hafenarbeiter ebenfalls führend in den Lohnforderungen und Kampf gegen die immense Inflation. In Italien und Griechenland verbanden sie das auch mit dem Aktiven Widerstand gegen die Kriegsgefahr.
Wenn die Kapitalisten bei euch in der Autoindustrie, in den Minen und in der Agrarindustrie die Folgen des Streiks auf die Kollegen dort abwälzen, ist das nicht eure Schuld. Es ist eher Anlass, dass sich die Kolleginnen und Kollegen dort mit euch verbünden. Wir werden euren Streik breit bekannt machen.
Der internationale Hafenarbeitererfahrungsaustausch hat sich seit 2008 zur Aufgabe gemacht, solche Kämpfe breit bekannt zu machen und aktiv zu unterstützen. Wir haben uns in der Vergangenheit rund alle drei Jahre getroffen, nur unterbrochen in der Zeit der dramatischen Phase von Corona. 2023 wollen wir uns wieder treffen, um die Erfahrungen auszutauschen und gemeinsamen Lehren zu ziehen. Wir würden uns über eure Beteiligung dann freuen.
You'll never walk alone!
Koordinierungsgruppe aus Deutschland