Todesverachtung
Iranerinnen und Iraner weichen nicht zurück!
Für ihren großen Mut bis hin zur Todesverachtung muss man den protestierenden Iranern Hochachtung zollen. Diese Todesverachtung hat sich schon in den aufstandsähnlichen Bewegungen seit 2017 begonnen herauszubilden.
Zum Teil stehen nahezu unbewaffnete Demonstranten unerschrocken den bis an die Zähne bewaffneten Truppen und Polizeieinheiten gegenüber und greifen diese bei entsprechenden Gelegenheiten an. Mobile Polizeiwachen, sogar Einrichtungen und Symbole der gefürchteten „Revolutionsgarden“ werden inzwischen angegriffen und gehen in Flammen auf. Es ist ein wesentliches Merkmal einer revolutionären Gärung, dass die Massen bei Zusammenstößen mit dem staatlichen Gewaltapparat und verschärfter Repression nicht zurückweichen, sondern sich der Kampf sogar verstärkt.
Besonders wüten die iranischen Sicherheitskräfte in der Provinz Sistan und Belutschistan. Allein am 30. September wurden dort 82 Menschen getötet bei der Niederschlagung der Proteste. Es wurden auch 100 Erdölarbeiter festgenommen, was mit großer Todesgefahr einhergeht. Streikführer verschwinden, kommen in Polizeigewahrsam um oder werden wie bei der mutmaßlichen Säuberungsaktion im Teheraner Envin-Gefängnis kaltblütig ermordet. Dort wurden schon anderthalb Stunden vor dem Brand Schüsse gehört. [1] In Saqez wurden Revolutionsgarden eingesetzt, die mit scharfer Munition auf Zivilisten schießen. Zunehmend bewaffnen sich aber auch iranische Widerstandskämpfer. Sie attackieren unter Lebensgefahr Polizeiwachen, erbeuten Waffen, bauen massenhaft Molotow-Cocktails und greifen mit ihnen Institutionen und Repräsentanten des faschistischen Regimes an.
Um die Schulmädchen zum Schweigen zu bringen, die sogar ihre fundamentalistischen Direktoren vertreiben, werden Razzien an Schulen durchgeführt. Im Nordwesten des Iran kamen dabei drei Schülerinnen ums Leben, 80 mussten ins Krankenhaus und eine liegt im Koma. Aber der Kampf geht weiter!
Im Teheraner Arbeiterstadtteil Naziabad sollen es zu Solidarisierung von Polizisten gekommen sein. [2] Es gibt bisher allerdings keine gesicherten Berichte darüber, dass sonst aus den Reihen der Soldaten und Sicherheitskräften bedeutende Teile zu den Massen übergehen und „die Seite wechseln“.
Ganz offensichtlich haben die Iraner gelernt, dass es diese Todesverachtung braucht, um das Regime zu stürzen. Schon der geniale Revolutionsführer Lenin hatte auf diese Grundbedingung einer erfolgreichen Revolution hingewiesen: "Todesverachtung muss die Massen ergreifen und den Sieg sichern." Es ist bemerkenswert, dass bei jedem Angriff zugleich weitere Menschen protestieren, eingreifen und auf die Straße gehen. So beim Envin-Gefängnis, aber auch bei vielen anderen Gelegenheiten, obwohl sie sich gerade da in größte Gefahr begeben.
Auch bei der Internationalismus Live Veranstaltung am Montag, 24.10. in Köln gibt es Gelegenheit über solche Fragen zu diskutieren. Beginn ist 18 Uhr, Einlass 17.30 – Kulturbunker in Köln-Mülheim, Berliner Straße 20