Es geht nicht um den Schutz der Bevölkerung

Es geht nicht um den Schutz der Bevölkerung

Panikmache und Verharmlosung

Mit Lebensmitteln für 10 Tage und Batterieradio für den Krieg wappnen? Über alle bürgerlichen Medien wird versucht, die Massen mit Panikmeldungen zu verunsichern und für den Krisen- und Kriegskurs zu gewinnen.

Korrespondenz

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wendet sich auf seiner Homepage an die Bevölkerung: „Sind Sie fit in puncto Notfallvorsorge? Haben Sie einen Vorrat zu Hause, wenn draußen ein Sturm tobt? Sind Ihre wichtigsten Dokumente griffbereit, wenn ein Feuer oder eine Bombenentschärfung Sie aus dem Haus zwingen?"

 

Gebetsmühlenartig wird das in Verbindung mit Drohkulissen wie zu erwartenden Stromausfällen im Winter immer wieder aufgegriffen. In Bayern führt das Medizinische Katastrophen-Hilfswerk (MHW) Selbsthilfekurse für den Fall eines bundesweiten Stromausfalles durch. Nach der Sprengattacke auf die Nordstream-Pipelines warnte das Bundeskriminalamt (BKA) in einem Schreiben an Wirtschaftsunternehmen, dass mit weiteren Angriffen auf die kritische Infrastruktur „möglicherweise auch in quantitativ und gegebenenfalls auch in qualitativ gesteigerter Form" gerechnet werden müsse. Als potentielle Ziele nannte das BKA Stromleitungen, Internetkabel oder Windkraftanlagen, auch mit Cyberattacken müsse gerechnet werden. „Die kritische Infrastruktur ist die Achillesferse unserer Gesellschaft", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) und er lobte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), die ein Dach-Gesetz zum „Schutz der kritischen Infrastruktur"auf den Weg bringen wolle (FAZ, 21.10.22)

 

Es geht hier nicht um den Schutz der Bevölkerung, sondern um Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Industrieproduktion im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung auf deutschem Boden. Völlig unterschlagen wird jedoch die Tatsache, dass es für die Zivilbevölkerung so gut wie keinen Schutz gibt. Von einst 2.000 Schutzräumen gibt es heute noch 599 öffentliche Bunker in Deutschland. Ein wenig mehr als eine halbe Millionen Menschen könnten hier Schutz finden, so die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). In Berlin gibt es neben dem Tiefbunker unter der Badstraße zwei weitere öffentliche und funktionsfähige Anlagen.

 

Das sind jedoch Ausnahmen, erklärt Dietmar Arnold, Vorsitzender des Vereins Berliner Unterwelten: "Unser Verein betreut diese Anlage bereits seit dem Jahr 2001. Wir haben dafür gesorgt, dass die Technik weiterhin funktioniert. Also die Anlage wäre im Ernstfall noch verwendbar." (SWR 28.4.22). Millionen von Menschen wären einem Krieg, insbesondere mit atomaren, biologischen oder chemischen Kampfstoffen vollkommen hilflos ausgeliefert. Ausgehend von der verbrecherischen Annahme, dass ein Atomkrieg „beherrschbar" wäre, hat die Schweizer Firma Oppidum in Tschechien eine riesige Bunkeranlage für Superreiche erstellt. Der größte Bunker für Milliardäre erstreckt sich über 323.000 Quadratmeter unter der Erde in Tschechien. In der Hochsicherheitsanlage können Menschen bis zu zehn Jahre ohne externe Versorgung überleben. Am Luxus wurde nicht gespart: Im Bunker gibt es Konferenzräume, Pools und Kinosäle. Im Untergrund gibt es ein großes Apartment für 6.750- und sechs kleine für 1.720 Menschen (nach Stern, 20.10.22)

 

Die andere Seite der Panikmache ist eine völlige Verharmlosung eines Atomkrieges. So zitiert der „BusinessInsider" so genannte „Experten": „Ein Experte sagt: Begebt euch vor der Explosion in die Mitte des Gebäudes oder in einen Keller, entfernt von Fenstern oder Türen. Das minimiert Verletzungen durch herumfliegendes Glas, es verhindert Blendung durch die Explosion und thermische Verbrennungen. Ist euer Schutzraum nicht ideal, habt ihr nach der Explosion etwa 10 bis 15 Minuten Zeit, einen besseren zu suchen – idealerweise in einem fensterlosen Keller, in dem Erde und Beton dabei helfen, die nach der Explosion austretende Strahlung zu blockieren. Es gibt einen Lichtblick: Wenn man sich in einen Innenraum begibt, kann man diese verheerenden Auswirkungen stark einschränken oder sogar ganz abschirmen, da auch die Kraft einer Atomwaffe nicht unbegrenzt ist, sondern auf einem eingeschränkten Bereich stattfindet. Das macht es für die meisten Menschen möglich, eine einzelne Explosion und sogar einen zeitlich begrenzten nuklearen Schlagabtausch zu überleben (30.01.2018)

 

Welch verantwortungslose Verharmlosung! Selbst wenn man eine einzelne Atomexplosion überlebt, werden Millionen Menschen im nuklaren Winter zu Tode kommen, werden riesige Landstriche durch Verstrahlung unbewohnbar, sterben Millionen möglicherweise nicht sofort, sondern qualvoll an Spätfolgen der Verstrahlung. Ein Atomkrieg muss verhindert werden! Aktiver Widerstand!