Betrieb und Gewerkschaft

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8 Prozent oder die Feuertonne brennt!

Mit rund 1500 Kolleginnen und Kollegen vor dem Haupteingang von Airbus Hamburg wurden die Streikaktionen in der Tarifrunde der IG Metall (Küste) bei Airbus eingeleitet.

Korredspondenz aus Hamburg
8 Prozent oder die Feuertonne brennt!
Airbus-Arbeiter demonstrieren im letzten Jahr zusammen mit Dockern durch Hamburg (rf-foto)

Das war eine sehr gute Beteiligung. Kein Wunder, denn in den Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen wurde klar: „Wir wollen eine tabellenwirksame Lohnerhöhung.“ „8 Prozent ist das mindeste. Sseit 2018 haben wir keine echte Lohnerhöhung mehr gehabt. Eine Einmalzahlung macht das nicht wett. Die brauchen wir auch.“ Andere Kollegen betonten immer wieder: „Eigentlich bräuchten wir mehr!“ In Zwischenrufen bei den Reden riefen Kollegen „12 Prozent“ und „besser 20 Prozent“! Andere überlegten schon: „Eigentlich hätten wir die Straße sperren sollen", und fanden den Gedanken, beim nächsten Mal von der Kundgebung durch ein weit gelegenes Tor wieder zurückzumarschieren, äußerst interessant. Das würde den Verkehr in der Hauptdurchgangsstraße wie auch der Umgehungsstraße um Finkenwerder betreffen.

 

Es war eine kurze einstündige Kundgebung, bei denen alle Rednerinnen und Redner der IG Metall bei Airbus diese Standpunkte der Kollegen aufgriffen. Eingeleitet von der ersten Rednerin, die ganz gut die Verlogenheit der Unternehmer und besonders Airbus angriff und damit schloss: „8 Prozent, oder die Feuertonne brennt!“. Airbus hat gerade ein Rekordergebnis erzielt. Das Hamburger Abendblatt berichtete am 29. Oktober: „In den ersten neun Monaten wurden bei einem Umsatzplus von acht Prozent auf 38,1 Milliarden Euro 3,5 Milliarden Euro operativ verdient – plus drei Prozent.“ Kein Wunder, wo doch die Produktionszahlen nach der Drosselung während der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie von 40 Flugzeuge pro Monat nun wieder auf 60 erhöht werden. Unter den wachsamen Augen des Werksleiters, der sich extra auf das Dach des Torgebäudes stellte, nutzten die Kollegen selbstbewusst die Situation, um Stärke zu demonstrieren.

 

Bedeutsam waren auch die Solidaritätsgrüße von den Vertrauensleuten von Lufthansa-Technik, die das Verhalten von Gesamtmetall schlicht als Provokation der Kollegen - gerade bei Airbus - geißelten und den Kollegen ihre volle Solidarität aussprachen. Immerhin sind die Kollegen bei ver.di organisiert – hier wird der Gedanke einer echten Einheitsgewerkschaft lebendig.

 

Auch der abschließende Redebeitrag vom Vertrauensleutesprecher von Airbus war äußerst kämpferisch. Er begrüßte ausdrücklich die Teilnahme der Airbus-Auszubildenden und Dualen Studentinnen und Studenten am Warnstreik. Er drückte die volle Solidarität aus, dass Airbus sofort die Frechheit der Streichung des Fahrgeldzuschusses zurücknehmen muss. Die klaren und kämpferischen Worte: „8 Prozent auf zwölf Monate, küstenweit! Und wenn hier nicht bald ein vernünftiges Angebot vorliegt …, dann brennt der Tannenbaum schon im November!“ - freuten die Kollegen. Allerdings bleibt die Frage offen, warum eigentlich noch mehr drohen und noch länger warten?

 

In der Diskussion wurde auch Kritik an der Konzertierten Aktion der rechten Gewerkschaftsführung mit den Kapitalistenverbänden deutlich, die Bundeskanzler Scholz eingefädelt hatte. Materialien der MLPD, wie das aktuelle Buch von Stefan Engel, "Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus" oder die aktuelle Brosche "Der Ukrainekrieg und die offene politische Krise des imperialistischen Weltsystems" fanden Interesse bei den Kolleginnen und Kollegen.

 

Sicher werden sich nach der Lektüre des reichlich verteilten Flugblatts Tarif aktuell 1 der MLPD die Kollegen das auch noch mal vertiefen. An ihrer Kampfbereitschaft wird es sicher nicht liegen, Airbus und den anderen Monopolen die passende Antwort zu geben. Die MLPD steht fest an ihrer Seite, sie mit ihrem Know-how dabei zu unterstützen.