MLPD-Delegation berichtet

MLPD-Delegation berichtet

Rosario/Argentinien: Eine Protestversammlung der besonderen Art

Wir sind zur Zeit mit einer Delegation der MLPD in Argentinien. Bei unserem Besuch und Rundgang durch Rosario konnten wir an einer gewerkschaftlichen Protestversammlung von Krankenschwestern und Ärzten teilnehmen.

Auslandskorrespondenz
Rosario/Argentinien: Eine Protestversammlung der besonderen Art
Foto: Wir kämpfen für würdige Löhne | Keine Kürzung bei der Gesundheit | Nein zum Ausbluten des Krankenhauses | Bessere Arbeitsbedingungen | Bessere Gesundheit für alle

Die Genossen der PRML (Revolutionäre Marxistisch-Leninistische Partei Argentiniens) berichten uns, dass es täglich drei bis vier Demonstrationen oder Protestaktionen in Rosario gibt. Zur Zeit gibt es viele Proteste im Gesundheitswesen. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich auf dem Vorplatz eines Krankenhauses versammelt mit ihren Plakaten. Wir nutzen die Zeit, bevor die Versammlung beginnt, um kurze Interviews zu machen. Die Kolleginnen freuen sich sehr, dass wir darüber berichten möchten.

 

Ich bin Cecilia, ich bin Psychiaterin und arbeite in einem staatlichen Krankenhaus. Wir sind hier, um höhere Löhne zu fordern. Die sind sehr niedrig. Gerade auch jetzt, weil die Inflation in einem Jahr ungefähr um 10 Prozent gestiegen ist.“

 

„Ich bin Alejandra, ich bin Psychologin und arbeite in einem allgemeinen städtischen Krankenhaus hier in Rosario. Es geht auch um die Arbeitsbedingungen, die immer prekärer geworden sind. Nicht nur um den Lohn. Die richten die Politik gar nicht auf die Bedürfnisse der Bevölkerung aus. Das Niveau der Arbeit ist ziemlich gesunken, also, das, was wir den Patienten anbieten können. Dafür gibt es kein Budget; in den letzten Jahren wurde nichts investiert. Rosario war eine Stadt, in der das Gesundheitswesen eine wichtige Rolle gespielt hat, das war ein Grundpfeiler. Aber in den letzten Jahren ist das ziemlich runtergekommen, weil nicht investiert wird, auch nicht in die Ausbildung des Personals.“

 

Dann beginnt die Versammlung. Der Versammlungsleiter begrüßt alle und fragt, wer gern ein paar Worte an die Versammlung richten möchte. So bitten wir auch um das Wort, Otwin Herzig richtet viele herzliche Grüße von unserer Delegation aus Deutschland aus und berichtet auch kurz, dass im Frühjahr an den Universitätskliniken ein 10-wöchiger Streik stattgefunden hat. Wir wünschen ihnen viel Erfolg. Das hat sie sehr gefreut.

 

Diese Versammlung ist nicht einfach eine Protestversammlung. Sie dient auch der Aussprache und Beratung, wie es weitergehen soll. Auffällig ist der demokratische Charakter. Jede(r) kann sprechen und der Gewerkschaftssekretär der ATE, der Gewerkschaft der Beschäftigen im öffentlichen Sektor, lädt alle ein, sich zu Wort zu melden. Es ist mittlerweile die 5. Versammlung. Man spürt den Wunsch, dass sich der Protest besser organisiert weiterentwickelt. So forderte eine Kollegin dann: „Wir brauchen einen Kampfplan, was machen wir wann und welche Forderungen bringen wir vor“. Leider können wir nicht an der ganzen Versammlung teilnehmen und müssen uns verabschieden. Wir werden uns informieren, wie es gelingt, diesen Kampf höherzuentwickeln.