IG-Metall-Warnstreiks in vielen Betrieben

IG-Metall-Warnstreiks in vielen Betrieben

"Nieder mit dem Lohnsystem" - viele Diskussionen

Gestern und heute fanden und finden deutschlandweit in vielen Betrieben weitere Warnstreiks der IG Metall in der laufenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie statt.

Korrespondenzen
"Nieder mit dem Lohnsystem" - viele Diskussionen
IG-Metall-Warnstreik in Erfurt (rf-foto)

Erfurt

Die MLPD Erfurt war heute aktiv beim gemeinsamen Warnstreik der Kolleginnen und Kollegen von Siemens und Schuler Pressen. Viele kannten schon das zuvor bei Siemens verteilte Flugblatt "Tarif aktuell Nr. 2" mit der Losung von Marx "Nieder mit dem Lohnsystem" und dem Aufruf "Jetzt Urabstimmung und Vollstreik". Auffällig war, dass die Diskussion um diese Frage wie selbstverständlich erschien und keiner meinte, "das gehört hier nicht her". Die Kollegen stimmten zu, dass sie es sind, die die Werte schaffen, aber am wenigsten von diesen Werten selbst erhalten. Wenn wir uns einig sind, dass die Marx'sche Losung Wirklichkeit werden muss, also die kapitalistische Ausbeutung abgeschafft werden muss, dann müssen wir über das "Wie" diskutieren. Und so waren wir schnell bei der Vorstellung des Buchs "Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus" mit seinem Abschnitt zum Reformismus, wo nachgewiesen wird, dass er die Arbeiter dazu bringen soll, den Kapitalismus für alternativlos zu halten. Einige
fotografierten sich das Cover ab und wollten sich im Internet weiter darüber informieren. Mit einigen diskutierten wir dann über die notwendige Verarbeitung des Verrats am Sozialismus. Einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus, wie ihn sich manche als vermeintlichen "Mittelweg" wünschen, gibt es nicht.

Bietigheim-Bissingen

Drei Demo-Züge starteten um 10:00 Uhr von verschiedenen Firmen in Richtung Bahnhofsvorplatz. Laut und kämpferisch bekräftigten die Kolleginnen und Kollegen aus mehr als 15 Betrieben ihre Kampfbereitschaft für die Durchsetzung der 8-Prozentforderung der IG Metall. In allen Gesprächen wurde klar: Das ist eigentlich zu wenig: Eine Kollegin meinte: „20 Prozent wären O.K.“ In dieser kämpferischen Stimmung stieß das Flugblatt der MLPD „Urabstimmung und Vollstreik jetzt!“ auf große Zustimmung. Als ein Azubi das Flugblatt nahm und das Foto von Karl Marx sah, meine er: „Kommunismus? Ich bin für Kommunismus!“ - „Dann werde Mitglied in der MLPD, sie setzt sich dafür ein, dass Marx‘ Spruch ‚Nieder mit dem Lohnsystem!‘ verwirklicht werden kann.“ Gerne nahm er eine Visitenkarte. Die zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, kündigte in ihrer Ansprache an, dass, wenn es heute zu keiner Einigung zwischen der IG Metall und den Kapitalistenverbänden kommt, ab kommenden Montag die Urabstimmung über Streik eingeleitet wird. In Baden-Württemberg soll über Vollstreik abgestimmt werden, in anderen Tarifbezirken über einen 24-Stunden-Streik. Bei den Demo-Zügen und der Kundgebung beteiligten sich ca. 1000 Menschen. Mehrere Tausende beteiligten sich insgesamt an den Aktionen der IG Metall, so Matthias Fuchs, Geschäftsführer der IG Metall Ludwigsburg und Waiblingen.

Köln

8000 vor dem Ford Werken auf der Straße! Heute fand der zweite Warnstreik bei den Ford Werken in Köln in der Tarifrunde 2022 statt. Radio Köln meldet 8000 Teilnehmer aus zehn verschiedenen Betrieben. Zum ersten Mal seit vielen Jahren war die Streikkundgebung nicht im Werk, sondern auf der Emdener Straße, die vierspurige Hauptverkehrsstraße entlang des Werksgeländes. Eine von Kollegen vorgeschlagene Demonstration durch den großen Verteilerkreis in der Nähe war in Absprache mit der Polizei wegen möglicher Verkehrsbehinderungen nicht ausgewählt worden. Zu Beginn sprachen Vertrauensleute aus den verschiedenen Abteilungen. Sie forderten die volle Durchsetzung der 8% und ein Kollege legte klar dar, dass 8% durchgekämpft werden müssen, dass es aber nicht reicht. Er forderte zugleich einen Lohnnachschlag. Bei diesen Redebeiträgen wurde die kämpferische Stimmung unter den Kollegen sehr deutlich. Die Hauptrede hielt der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler. Schon zu Beginn seiner Rede orientierte er auf einen Kompromiss bis Freitag durch die Verhandlungen in Baden-Württemberg. Sein einziges Versprechen im Interesse der Kollegen war, dass das Weihnachtsgeld nicht angerührt werde. Nach einem Redebeitrag des Betriebsratsvorsitzenden Benjamin Gruschkea machten sich die beiden auch gleich auf den Weg nach Ludwigsburg zum zentralen Verhandlungslokal. In zahlreichen Gesprächen mit Genossen der MLPD zeigten die Kollegen wenig Hoffnung, dass mehr als ein fauler Kompromiss rauskommt. Teils sehr grundsätzlich wurde diskutiert, wie man die Gewerkschaften zu Kampforganisationen macht, über die gesellschaftliche Alternative Sozialismus und dass man sich organisieren muss in der revolutionären Arbeiterpartei.

Mannheim

Die Südkabelkollegen hatten gestern und vorgestern nach einer Urabstimmung mit 90,6% Ja-Stimmen 48 Stunden gestreikt und erreicht, dass ihre Firma nach zwei Jahren wieder in die Tarifbindung zurückgekehrt ist. Dieser Erfolg wurden von allen 3500 Kolleginnen und Kollegen und allen Kundgebungsrednern gefeiert mit der Parole "Solidarität siegt". Das war ein weiterer Ansporn für einen harten Tarifkampf. Thomas Hahl, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Mannheim und Mitglied der Verhandlungskommission,  ging ausführlich auf diesen Kampf ein. Allerdings kamen in seiner kämpferischen Rede zwei Begriffe nicht vor, nämlich "8%" und "12 Monate Laufzeit". Das lässt befürchten, dass der angestrebte Pilotabschluss in Nordwürttemberg-Nordbaden auf irgendeinen faulen Kompromiss rausläuft. Heute wird verhandelt. Was soll da raus kommen, wenn nicht die volle Kampfkraft der Metaller in die Wagschaale geworfen wird?

Mercedes Mettingen

Die laute bis ohrenbetäubende, kämpferische Demonstration der Azubis von der Lehrwerkstatt Brühl quer durch den Untertürkheimer Werksteil Mettingen sorgte dafür, dass auch zögerliche Kolleginnen und Kollegen zum Kundgebungsplatz vor das Tor mitmarschierten. Mittendrin Verteiler der Kollegenzeitung „Die Stoßstange“ und Genossen der MLPD. „Hier, zieht die Streikweste der IG Metall an, denn ihr gehört zu uns“, meinten zwei Azubis. Das „Tarif aktuell 2“ der MLPD, mit der Überschrift „Urabstimmung, Vollstreik – jetzt“ traf auf viel Zustimmung. Diesen Kollegen war klar, dass Warnstreiks nicht ausreichen, um 8 Prozent durchzusetzen - „was ohnehin zu wenig ist“, wie manche mit Blick auf die Inflation ergänzten. Als der Leiter des IG-Metall-Vertrauenskörpers Miguel Revilla von der Bühne aus rief: „Wenn es morgen kein annehmbares Angebot von Südwestmetall gibt, wird gestreikt“, gab es sofort Rufe nach „8 Prozent“. Damit sollte er daran erinnert werden, dass alles andere für viele Kollegen nicht „annehmbar“ ist. Allerdings gab es in den Diskussionen auch Stimmen, dass man erst mal das morgige Angebot abwarten sollte. Zum Teil gelang es aber, zu klären, dass angesichts der harten und provokativen Linie der Metallverbände ohne den vollen Einsatz der gewerkschaftlichen Kampfkraft nur ein fauler Kompromiss herauskommen kann. Sollte die bereits öffentlich bekundete Bereitschaft von IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger für einen Tarifabschluss bei den morgigen Verhandlungen in die Tat umgesetzt werden, steht nicht nur eine Kritikbewegung der Gewerkschaftsbasis an, sondern auch als Konsequenz, die sofortige Vorbereitung und Organisierung selbständiger Streiks für 20% Lohnnachschlag. „In diesen Zeiten brauchen wir mehr denn je Erfahrungen mit 'richtigen Streiks'“. Nicht wenige Kollegen  öffneten sich auch für den Gedanken, dass wir diese Streikerfahrungen auch für den politischen Kampf gegen die Abwälzung der Krisen- und Kriegslasten von Regierung und Konzerne brauchen und wir gegen diesen – von beiden Seiten – ungerechten  Krieg in der Ukraine aufstehen müssen. Anhand dem Foto von Karl Marx und seiner Losung „Nieder mit dem Lohnsystem!“ auf dem Flugblatt, sprachen wir auch über den echten Sozialismus, wo Schluss ist mit der Ausbeutung von Mensch und Natur.

Solingen

"Der alte Mann mit Bart! Der hat immer noch Recht!" 64 Betriebe in Remscheid, Solingen und Umgebung waren zu Warnstreiks in der laufenden Tarifrunde aufgerufen. 600 Kollegen davon folgten dem Aufruf zur „Warnstreikparty“ auf dem Neumarkt in Solingen. Kampfesfreudige Metallerinnen und Metaller wurden nicht nur mit einer leckeren Erbsensuppe, sondern auch mit kämpferischen Liedern begrüßt – passend dazu „Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er was zum Essen bitte sehr …". Die beiden Geschäftsführer der IG Metall Remscheid-Solingen sowie auch der Bezirksvorsitzende der NRW-IG Metall Knut Giesler hielten kämpferische Reden. Je kämpferischer die Aussagen waren, desto heftiger der Beifall. Die Redner prangerten die riesige Inflation an. Gegenüber dem unerträglichen Gejammere der Kapitalisten betonten sie dagegen die berechtigten Interessen der Beschäftigten. Skeptisch aufhorchen ließ Knut Giesler mit zwei Bemerkungen: Das Angebot von 3000 € steuerfrei sei sehr begrüßenswert. Bedenklich sei nur die Laufzeit von 30 Monaten. Ob er damit indirekt auf 3000 € Einmalzahlung bei kürzerer Laufzeit setzt - also ohne tabellenwirksame Erhöhung? Zum anderen: Bei der Tarifverhandlungen morgen in Stuttgart sei die letzte Chance, noch zu einer Einigung zu kommen. Er werde deshalb nach Stuttgart fahren. Sollte es zu keiner Einigung kommen, dann hätte der IG-Metall-Vorstand 24-Stunden-Streiks in Nordwürttemberg sowie einem anderen Bezirk geplant. Genossen der MLPD verteilten das Sofortprogramm gegen die Inflation sowie vor allem Tarifinfo 2 der MLPD mit dem Bild von Karl Marx und der Sprechblase „Nieder mit dem Lohnsystem!“ Es wurde überwiegend mit Interesse genommen. Einer meinte lachend: "Ach, der alte Mann mit Bart! Der hat immer noch Recht!" Das Interesse rief zwei IG-Metall-Ordner auf den Plan, die uns vom Platz verweisen oder uns das Verteilen verbieten wollten. Wir ließen uns das nicht gefallen. Ein Kollege aus einem Nachbarort winkte uns heran. "Gib mal her, ich bin auch Marxist-Leninist. Ich kenne euch gar nicht ..." Als Nachweis für seine marxistisch-leninistische Einstellung nannte er Leute wie Karl Kautsky und andere Opportunisten. Ein perfektes Stichwort, um ihm das Buch "Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Opportunismus" anzubieten. Er kaufte das Buch und wir vereinbaren ein Gespräch darüber.

Villingen-Schwenningen

Am Mittwoch beteiligten sich in Villingen-Schwenningen laut IG Metall annähernd 600 Kolleginnen und Kollegen aus mehreren Betrieben in der Stadt, aus dem Umland und aus Rottweil (Mahle) an einem Warnstreik für acht Prozent. Ein ohrenbetäubendes Pfeif- und Hupkonzert empfing uns schon am Sammelpunkt beim Landratsamt. Bei einer Demonstration durch die Villinger Innenstadt schlossen sich Beschäftigte weiterer Betriebe aus Villingen an. Am Kundgebungsplatz, der Neuen Tonhalle, gab es Verpflegungsstände für die Teilnehmer, die z.T. auch aus Furtwangen und St. Georgen mit Bussen kamen. Über 100 Flugblätter von „Tarif aktuell 2“ der MLPD wurden meist gerne genommen. Die Überschrift „Urabstimmung und Vollstreik jetzt!“ und die Forderung von Karl Marx „Nieder mit dem Lohnsystem!“ regten zu vielen Diskussionen an. Die Verteiler machten deutlich, dass die acht Prozent nicht ohne Kampf durchgesetzt werden können. Viele Kollegen meinten dann auch: „Das ist noch viel zu wenig“. Von den IG- Metall-Rednern wurde allerdings auf Klassenversöhnung orientiert: „Wir wollen, dass sich die Arbeitgeber an den gestiegenen Kosten für die Lebenshaltung fair beteiligen. Wer die Preise kennt, braucht acht Prozent“ - so der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Villingen-Schwenningen, Thomas Bleile. Er meinte auch, dass am heutigen Donnerstag ein „Durchbruch in den Verhandlungen“ erwartet werde. Kollegen von Mahle sagten gegenüber einem Genossen, dass sie bei weniger als acht Prozent den Betrieb stilllegen würden. In der Tat wäre das der richtige Schritt, verbunden mit der Forderung nach Urabstimmung und Vollstreik, wie es im Flugblatt der MLPD gefordert wird. Die lautstarke Demonstration durch die Innenstadt machte auch auf die Passanten mächtig Eindruck.

Recklinghausen

Beim zweiten Warnstreik bei Hella in Recklingshausen ging die Frühschicht für zwei Stunden raus vors Tor. Die IG Metall sorgte für Verpflegung. Fast alle (außer IG-Metall-Ortsvorstand und Betriebsratsspitze) nahmen gerne das „Tarif aktuell 2“. Viele stimmten zu, dass es nicht sein kann, dass die Arbeiter, die den Laden am Laufen halten, um jeden Cent kämpfen müssen. Das ganze System haut doch nicht hin. Daraus entwickelten sich vielfältige Diskussionen, ob die Menschen nicht zu egoistisch sind, über den Unterschied zu den Ländern, die sich heute noch sozialistisch nennen, usw. Sehr gut war, dass eine kämpferische Vertrauensfrau doch noch reden konnte. Der IG-Metall-Vorsitzende wollte ihr das erst verweigern. Das ließen sich ihre Kolleginnen aber nicht gefallen und riefen: „Sie will noch sprechen und wir wollen sie hören.“ In ihrer Rede widerlegte sie die These, die Arbeiter hätten an Bedeutung verloren. Das Gegenteil ist der Fall. Und sie bekam deutlich den meisten Beifall.

Salzgitter

"Zu stark, um nachzugeben - Zu stolz um aufzugeben", stand auf dem Transparent der Vertrauensleute von MAN Salzgitter. Genauso war auch die Stimmung auf der „Kreuzung der Metaller“, mitten im Herzen des Industriegebietes von Salzgitter, wo von allen großen Werken 3000 Arbeiter und Arbeiterinnen hinströmten. Mit dem Auto konnte man nur noch auf riesigen Umwegen den Platz erreichen, weil alle direkten Zufahrten von der Polizei abgeriegelt waren. Das Interesse an unserem Flugblatt „Tarif aktuell 2“ war groß und es war auch eine große Offenheit in Gesprächen vorhanden. Besonders die Losung „Nieder mit dem Lohnsystem“ stieß auf Interesse. Die Redebeiträge der Gewerkschaftsführung trugen der kämpferischen Stimmung Rechnung, ohne aber klar zu sagen, dass die Zeit reif ist für Urabstimmung und Vollstreik. Dem entsprach aber die Stimmung unter der Mehrzahl der Kollegen. Viel Beifall bekam die Rede eines Jugendvertreters von Bosch, der den Zusammenhang von Inflation und andern sozialen Fragen zum Ukrainekrieg und der Militarisierung der Gesellschaft angriff. Nach einer Stunde (gegen 11.00) wurde die Versammlung beendet und dazu aufgerufen, nicht mehr zur Frühschicht zu gehen.

Schwäbisch Hall

Beim heutigen Warnstreik zur vollen Durchsetzung der 8%-Lohnforderung verteilten wir das Flugblatt Tarif aktuell 2. So gut wie alle Kollegen der Betriebe Flugzeugsitzehersteller Recaro, Abfüllmaschinen Optima, Saunahersteller Klafs, Schaltschränkebauer Merz, der Fischachtaler Maschinenfabrik FIMA nahmen zustimmend das Flugblatt. Auch weitergehend fanden sie die Aussage "Nieder mit dem Lohnsystem" sehr aufgeschlossen auf und stimmten zu, dass es im Kapitalismus keinen gerechten Lohn gibt.