Brief von Gabi Fechtner

Brief von Gabi Fechtner

Neues auf der Homepage des Revolutionären Weg

Die Redaktion des theoretischen Organs der MLPD, des Revolutionären Weg, publiziert regelmäßig auf ihrer Webseite wichtige Briefwechsel, Rezensionen und andere Dokumente aus ihrer Arbeit. Neu eingestellt wurde jetzt ein Brief der MLPD-Vorsitzenden Gabi Fechtner an einen Bündnispartner zu Fragen der „neuen Friedensbewegung“.

Neues auf der Homepage des Revolutionären Weg
Gabi Fechtner (Foto: Anneke Dunkhase)

Ihr Brief richtet sich an Bündnispartner zu Fragen der „neuen Friedensbewegung“.

 

Liebe Genossinnen und Genossen,

 

wir schreiben euch ansetzend an unseren Diskussionen. Ein Genosse brachte dabei ein, dass ihr neben der vielfachen Unterstützung und gemeinsamen Arbeit wie zum 8. Mai auch Fragen und Kritik habt am Begriff und der Strategie und Taktik des Aufbaus einer neuen Friedensbewegung. (…) Eure Position haben wir so verstanden, dass ihr den Begriff einer neuen Friedensbewegung bzw. Front kritisch seht, weil wir eine gemeinsame Front mit der alten Friedensbewegung anstreben sollten und die Friedensbewegung nur so stark genug werden kann.

 

Dazu einige Argumente: Grundsätzlich verstehen wir den Begriff der neuen Friedensbewegung dialektisch, also nicht im Sinne einer einfachen Negation, sondern einer schöpferischen Höherentwicklung. Das neue bezieht sich wesentlich auf die neue Qualität der Situation. Die Strategie und Taktik der neuen Friedensbewegung leitet die MLPD wesentlich aus den objektiven Veränderungen ab. Wir haben eine Phase, in der sich der Imperialismus beschleunigt destabilisiert, alle bisherigen Gepflogenheiten infrage gestellt werden und ein Weltkrieg durch fast alle Imperialisten vorbereitet wird. In den letzten Jahrzehnten gab es große ökonomische, politische und militärische Veränderung im imperialistischen Weltsystem. Die USA sind zweifellos auch heute noch weltweit der Hauptkriegstreiber. Inzwischen gibt es aber über 40 imperialistische Länder und mit China eine neue wirtschaftliche Supermacht, die alle auch militärisch ihre Interessen durchzusetzen versuchen. Eine Friedensbewegung, die sich heute noch im wesentlichen nur gegen die USA richtet, wird früher oder später zum Spielball entweder des EU-Imperialismus oder von Russland, China oder eines anderen Imperialisten werden. Das unterstreicht den energischen und zielstrebigen Aufbau einer weltweiten antiimperialistischen Einheitsfront. Dazu kommen weitere neue Wechselwirkungen und Anforderungen wie zur fortschreitenden Gefahr der globalen Umweltkatastrophe usw.

 

Wir wollen und müssen unbedingt alle ehrlichen Friedenskämpfer der bisherigen Friedensbewegung für die neue Friedensbewegung gewinnen, darin sind wir uns einig. Aber dafür müssen auch alte Gepflogenheiten und Fehler bewusst überwunden werden wie zum Beispiel die Unterschätzung der Aggressivität des neuimperialistischen Russlands bis zu dessen Einstufung als Bündnispartner der Friedensbewegung oder auch kleinbürgerlich-pazifistische Illusionen. Nicht zuletzt wegen dieser falschen Auffassungen hat die alte Friedensbewegung in Deutschland zum Beispiel unter den Arbeitern keinen besonders guten Ruf. Auch auf diese Selbstveränderung bezieht sich die neue Qualität der Friedensbewegung. Wir können heute unmöglich den Massen gegenübertreten und zum Beispiel Russland – oder auf der anderen Seite den EU-Imperialismus, wie es die Grünen und Teile der LINKEN tun - verteidigen.

 

Es sind in unserer Arbeit auch Fehler vorgekommen, uns einseitig von anderen Friedenskämpfern abzugrenzen und ungenügend um die Zusammenarbeit zu kämpfen. Es war z.B. ein Fehler, dass wir uns nicht an dem Kongress „Ohne NATO leben“ am 21. Mai in Berlin beteiligt haben. Eure Kritik, sofern sie solche Schwächen und Fehler in der Umsetzung der Strategie und Taktik des Aufbaus einer neuen Friedensbewegung betrifft, ist berechtigt. Es sind aber Verstöße gegen die richtige Strategie und Taktik des Aufbaus einer neuen Friedensbewegung, stellen sie nicht in Frage. (...)

 

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