"Angebote" sind Provokation

"Angebote" sind Provokation

Streik an der Uniklinik Tübingen

Am 24. Oktober 2022 nahm ich am 1. Warnstreik in Tübingen zur Tarifrunde der Unikliniken in Baden-Württemberg teil. Für mich als ehemalige Vertrauensfrau selbstverständlich. Und schon stand ich wie im Oktober 2005 beim fünftägigen Vollstreik vor dem Casino, das gut mit Plakaten geschmückt war.

cl/bs
Streik an der Uniklinik Tübingen
(rf-foto)

Rückblick: Nach monatelanger Verzögerungstaktik der Chefs gab es 2005 im Oktober den ersten gewerkschaftlichen Vollstreik an den Unikliniken in Baden-Württemberg, fünf Tage. Dadurch wurde nicht nur die  41-Stunden-Woche verhindert, die sie schon bei  Neueinstellungen und Vertragsverlängerungen  angewendet hatten. Wir erreichten auch, dass die 41 Std- Woche zurückgenommen werden musste und es im Schnitt bei 38,5 Std. blieb und dazu eine wesentlich höhere Vergütung wie die im TVÖD.

Und heute: In langen Schlangen ließen sich die Streikenden registrieren,  Verdi warb erfolgreich um Eintritte.  Diesmal geht es nicht nur um Pflege-, Labor- und andere Kräfte wie bisher, sondern auch z.B. um Logopäden  und Einbindung der Praktikanten für Klinikpsychologie in den Tarifvertrag.   Der Platz war gut voll, sehr viele Junge,- und die Stimmung bei der  Kundgebung toll: Reden, Musik, Transparente, Verdi- Fahnen-  alle applaudierten viel und zeigten sich  entschlossen, zu kämpfen. Hinter uns standen Ärzte, die sich ausdrücklich solidarisierten. Es gab Grußworte vom Frauenverband Courage und von einer Vertreterin des Marburger Bundes BaWü. Beide wurden regelrecht bejubelt!

Die „Angebote“ der Uniklinika- Chefs sind eine  Provokation. Die Leute waren sauer.  600 Kolleg/innen haben gestreikt. Bei 11 000 Beschäftigten erscheint das nicht viel. Nur: obwohl er sich erhöht, ist der Organisationsgrad in diesen Bereichen lange nicht so hoch wie z.B. in Metallbetrieben. Dazu kommt: dort wird seit Jahren und besonders in der Pandemie immer wie „Wochenende“ oder „Notfall“ gearbeitet. Es ist schwer, trotz Notfallvereinbarung überhaupt zum Streik gehen zu können, ebenso, da in über 20 Schichtmodellen gearbeitet wird.  Hochachtung vor dem Mut und dem gewachsenen gewerkschaftlichen Bewusstsein der Kolleginnen und Kollegen! Immerhin meinten die Verdi- Vertreter, es gäbe wenig Hoffnung auf ein Angebot, das man so nennen könnte und  man müsse sich auf Kampf einstellen.  Am 1. 12 wird wieder verhandelt, Ende November wird nochmal zu Warnstreiks aufgerufen. Klar werde ich wieder dabei sein und die MLPD Reutlingen-Tübingen auch.

Es gilt auch Lehren aus der Metall - Tarifrunde zu ziehen. Ein selbständiger Kampf um Lohnnachschlag, gemeinsam mit den Metallern, steht auf der Tagesordnung. Und es gilt den Blick zu weiten: Auf die europaweite Kämpfe gegen die Abwälzung der Kriegs- und Krisenlasten auf die Arbeiterklasse und die Massen. Auf die Überwindung des Profit geplagten „Gesundheitswesens“ im echten Sozialismus, der endlich die Voraussetzung schafft, dass die Fortschritte im Gesundheitswesen zum Nutzen der Gesellschaft eingesetzt werden.